«Wir sind auf einen wettbewerbsfähigen Finanzplatz angewiesen.»

«Wir sind auf einen wettbewerbsfähigen Finanzplatz angewiesen.»

Group CEO Urs Rüegsegger im Gespräch über die Rolle von SIX für den Schweizer Finanzplatz.

2013 hat die Finanzmarktaufsicht FINMA SIX in ihrem Überwachungskonzept in die höchste Kategorie eingestuft, zusammen mit systemrelevanten Grossbanken. Was bedeutet das für SIX?
Der Schritt bestätigt, welche zentrale Rolle SIX für den Finanzplatz Schweiz und die Schweizer Volkswirtschaft spielt. Über die von SIX betriebenen Infrastrukturen wird der grösste Teil der in der Schweiz getätigten Wertschriften- und Zahlungsverkehrs-
transaktionen abgewickelt. Ein längerer Ausfall hätte gravierende Konsequenzen nicht nur für den Finanzplatz, sondern auch für den Werkplatz Schweiz.
Da noch offen ist, wie sich die neue Einstufung auswirken wird, werden wir den Informationsaustausch mit der FINMA weiter intensivieren, um im Lauf des Jahres 2014 die konkreten Anforderungen und Massnahmen mit der Aufsichtsbehörde zu erörtern.

Im Jahr 2013 hat SIX sich auch auf der politischen Ebene engagiert, zum Beispiel im Zusammenhang mit den beiden Volksinitiativen, die eine Begrenzung der Managerlöhne zum Ziel hatten. Warum?
Die Schweiz gilt als sehr wirtschaftsfreundliches und liberales Land. Zahlreiche ausländische Unternehmen sind hier ansässig und kotiert. Sie schaffen Arbeitsplätze und bezahlen Steuern. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Wir dürfen uns im internationalen Wettbewerb um die besten Standorte nicht selber schaden. SIX hat deshalb vor den Abstimmungen über die Abzocker- und die 1:12-Initiative auf problematische Aspekte und mögliche negative Konsequenzen bei einer Annahme hingewiesen und klar Stellung bezogen. SIX ist nicht nur als Infrastrukturdienstleisterin für die Akteure des Finanzplatzes, sondern auch als eigenständiges Unternehmen direkt betroffen – zum Beispiel wenn sich weniger Firmen für eine Kotierung in der Schweiz entscheiden.

Der Finanzplatz steht vor allem auch von aussen unter Druck. In den nächsten Jahren rollt eine regelrechte regulatorische Lawine auf die Schweiz zu. Wo trifft diese SIX?
In der EU strebt die Regulierung vermehrt danach, den Zugang zum Markt zu harmonisieren, womit auch gewisse Abschottungstendenzen gegenüber Drittstaaten einhergehen. Aufgrund seiner ausgeprägten internationalen Ausrichtung braucht der Schweizer Finanzplatz den unbeschränkten Zugang zu ausländischen Märkten, insbesondere zur EU. Voraussetzung hierfür ist, dass die Schweiz die Regulierung der Finanzplatzteilnehmer so ausgestaltet, dass sie im Wesentlichen den EU-Regeln entspricht, das heisst, dass die sogenannte Äquivalenz gewährleistet ist. SIX ist insofern direkt betroffen, als vor allem die Regulierung im Bereich der Börsen, des Derivatehandels und der Wertschriftenabwicklung an die EU-Standards angeglichen wird. Die Anpassungen erfolgen im Rahmen des künftigen Finanzmarktinfrastruktur-gesetzes. Die Sicherstellung des langfristigen Zugangs zu den EU-Märkten ist für SIX von zentraler Bedeutung, entsprechend unterstützt SIX das Finanzmarktinfrastruktur-
gesetz im Grundsatz.

Mit welchen Themen beschäftigt sich SIX intern?
SIX wird sich in den kommenden Jahren darauf konzentrieren, als Unternehmen stärker zusammenzuwachsen. Wir sind in den letzten Jahren im Ausland nicht nur organisch, sondern auch durch Unternehmenszukäufe stark gewachsen. Künftig werden wir die Mitarbeitenden von Oslo Clearing, PayLife in Österreich, Cetrel in Luxemburg und auch jene des ehemaligen Joint Ventures Scoach in SIX integrieren. Aber auch andernorts wächst SIX stärker zusammen: Im Lauf des Jahres 2014 führen wir sämtliche IT-Funktionen aus den Geschäftsbereichen in einer zentralen Organisation zusammen, was Vorteile mit sich bringen wird. Zudem werden wir auch ein Top-Account-Management einführen, um dank einer verbesserten internen Abstimmung gezielter auf die Bedürfnisse unserer grössten Kunden eingehen und neue, spezifische Lösungen entwickeln zu können.

Wo setzt SIX die Schwerpunkte in den nächsten Jahren?
Der Schwerpunkt wird nach wie vor auf unserem Kernauftrag liegen, dem Betrieb der schweizerischen Finanzmarktinfrastruktur. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz nicht nur über Skaleneffekte, sondern vermehrt auch über Innovation steigern.
Ferner werden wir weiterhin in die Mitarbeiterentwicklung investieren und versuchen, vermehrt jüngere Mitarbeitende zu gewinnen, mehr Frauen ins Topmanagement zu bringen und mehr Internationalität unter den Mitarbeitenden zu erreichen.