Impuls-Interview: Fake News und die Börse

Impuls-Interview: Fake News und die Börse

Katharina Rüdlinger und ihr Team bei SIX Exchange Regulation sorgen dafür, dass die an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen wahr, klar und vollständig kommunizieren. Die Head Corporate Disclosure führt aus, was Ad-hoc-Publizität im Zeitalter von alternativen Fakten und Social Media bedeutet.

«Postfaktisch» ist im deutschen Sprachraum das Wort des Jahres. Alles spricht von alternativen Fakten und Fake News.

Das Phänomen ist nicht neu. Seit es Printmedien gibt, erscheinen auch Zeitungsenten. Aber dank dem viralen Charakter von Social Media verbreiten sich Fake News heute schneller und weiter als früher.

Muss sich eine Börsenaufsicht überhaupt mit dem Thema Fake News befassen?

Ja, das muss sie. Im Rahmen der Ad-hoc-Publizität sind die börsenkotierten Unternehmen, das heisst die Emittenten, gemäss unseren Regularien verpflichtet, wahr, klar und vollständig zu kommunizieren. Fake News können auch im Zusammenhang mit Marktmanipulationen eine Rolle spielen. 

Sprechen wir zuerst über die Ad-hoc-Publizität. Was bedeutet das genau?

Ein Emittent ist grundsätzlich verpflichtet, potenziell kursrelevante Tatsachen in einem vorgegebenen Verfahren zu publizieren, sobald er davon Kenntnis hat. Es geht um Tatsachen, die das Unternehmen betreffen und die, sobald veröffentlicht, den Kurs der Aktie erheblich beeinflussen könnten. Die sogenannte Ad-hoc-Mitteilung muss gleichzeitig an alle erforderlichen Adressaten gehen und auf der Website des Emittenten erscheinen. In der Regel muss das nach Handelsschluss bis spätestens 90 Minuten vor Handelsbeginn geschehen. Sollte das nicht der Fall sein, prüfen wir, ob wir den Handel mit der Aktie aussetzen müssen. Es geht also um Transparenz und Gleichbehandlung.

Potenziell «kursrelevant» und «erheblich», das klingt flexibel.

Tatsächlich hat hier der Emittent einen Ermessensspielraum. Er darf diesen aber nicht verlassen. Und es kann durchaus sein, dass wir nicht einer Meinung sind. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiss, sondern auch viel Grau. Wir müssen den Einzelfall genau untersuchen. Zum Teil spielt auch die Unternehmensgrösse eine Rolle. In einem kleinen Pharmaunternehmen ist die Neuzulassung eines Medikaments häufig potenziell kursrelevant. Für einen grossen Pharmakonzern fällt sie unter Umständen nicht ins Gewicht. Darum sind wir gerne beratend tätig und offen für Fragen. Andererseits müssen wir aber die einschlägigen Regeln durchsetzen und uns teilweise unbeliebt machen. Ein Unter nehmen muss sich bewusst sein, dass es mit der Kotierung an der Börse an kommunikativer Freiheit einbüsst und sich in gewisser Hinsicht neu organisieren muss.