Wie schnell erholt sich die Konsumentenstimmung nach Covid-19?


Wie schnell erholt sich die Konsumentenstimmung nach Covid-19?

In der Schweiz waren für knapp zwei Monate Geschäfte aufgrund der Covid-19 Pandemie geschlossen. Das Projekt «Monitoring Consuption Switzerland» untersuchte nun das Konsumverhalten nach der Öffnung, dabei zeigen sich Unterschiede in Branchen und Regionen.

Das der Konsum kurzfristig zum Erliegen kommt, ist eigentlich nicht ungewöhnlich, wenn man zum Beispiel an Feiertage oder Sonntage denkt. In so einem Fall ist allerdings klar, dass der Konsum dann direkt wieder ansteigt. In der Zeit vom 16. März bis zum 10. Mai ist der Konsum aufgrund der Covid-19 Massnahmen nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Aber wie schnell erholt sich die Konsumentenstimmung nach den Ladenschliessungen aufgrund von Covid-19? Werden nicht getätigte Einkäufe nachgeholt?

Diesen Fragen geht das Projekt «Monitoring Consumption Switzerland» der Schweizer Universitäten St. Gallen und Lausanne gemeinsam mit Novalytica nach. Unterstützt wird das Projekt von SIX und SPS Worldline sowie der Swiss Payments Association. Die Partner analysieren fortlaufend die Transaktionsvolumen von Bankomaten, Debit- und Kreditkarten am Point of Sale und Online-Zahlungen in der Schweiz. Die erhobenen Daten unterliegen einem strengem Aggregationsverfahren, das sicherstellt, dass keine persönlichen oder geschäftlichen Daten extrahiert werden können. Die anonymisierten Daten stehen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier die zentralen Erkenntnisse aus der Studie:

1. Der Konsum in der Schweiz hat sich schnell erholt

Nach der Öffnung der Läden am 11. Mai erreichte das Volumen der Kartentransaktionen (inkl. Point of Sale, Online und Bargeldbezüge) bis Ende Juni ein um fünf Prozent höheres Niveau als vor den Schliessungen. Diese Zunahme der Kartentransaktionen fällt nur leicht schwächer aus als der saisonale Anstieg der Kartentransaktionen im Frühsommer des Vorjahres.  

Transaction volume in CHF million of debit cards (PoS and cash withdrawals) and credit cards (PoS and online payments) per week

Transaction volume in CHF million of debit cards (PoS and cash withdrawals) and credit cards (PoS and online payments) per week

2. Der Kartenumsatz bei den Detailhändlern für Lebensmittel legte deutlich zu

Die Debit-Kartenzahlungen am Point of Sale sind von Mitte März (Beginn des Lockdowns in der Schweiz) bis Anfang Juli insgesamt um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Eine Erklärung: die Verschiebung des Zahlungsverhaltens von Bargeld auf Kartenzahlen. Von dem positiven Effekt profitierten aber nicht alle Händler gleichermassen. Supermärkte blieben im Gegensatz zu Läden für Bekleidung, Baumärkten und Restaurants immer geöffnet. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen sie beim Umsatz ein deutliches Plus. Gastronomie, Hotellerie und Bekleidungsgeschäfte haben ein Minus im Vergleich zum Vorjahr. Diese Sektoren haben sich seit den Ladenöffnungen jedoch nur teilweise erholt. Der erhoffte Nachholeffekt blieb weitgehend aus.

3. Umsatz in den ländlichen Regionen steigt auf Kosten der Innenstädte

Covid-19 hat den Innenstädten deutlich zugesetzt. Der Umsatz mit Debitkarten sank von Mitte März bis Anfang Juli deutlich um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr, davon profitiert haben die ländlichen Gemeinden und Agglomerationen der Städte. Ein Grund hierfür ist sicher das Homeoffice, die Ausgaben verlagerten sich an den jeweiligen Wohnort. Die Kantone mit grossen Städten wie Basel oder Zürich erholen sich demententsprechend auch langsamer in Bezug auf einen steigenden Konsum als andere Kantone.

Zahlungsdaten können wirtschaftliche Entwicklungen schneller sichtbar machen. SIX unterstützt Forschungsvorhaben die sich mit Veränderungen im Zahlungsverhalten befassen. Mehr Informationen und Erkenntnisse aus der Studie sehen sie im Video oder auf der Website von Monitoring Consumption Switzerland.