Kapitalmärkte: 6 Trends, die das letzte Jahr geprägt haben – und die uns auch 2022 beschäftigen werden


Kapitalmärkte: 6 Trends, die das letzte Jahr geprägt haben – und die uns auch 2022 beschäftigen werden

2021, das Jahr von GameStop und ESG, von Tokens und Kryptowährungen, von SPACs und Brexit. Wie hat sich das auf dem Schweizer und spanischen Kapitalmarkt bemerkbar gemacht? Lesen Sie, was uns letztes Jahr besonders aufgefallen ist.

Die Weltwirtschaft hat sich 2021 erholt. Dank des weltweiten Wachstums der Bruttoinlandsprodukte geht es ihr sogar besser als vor der Pandemie. Aufgrund neuerlicher Covid-19-Wellen, der Inflationssorgen und Versorgungsengpässe nahm die Unsicherheit gegen Ende des Jahres aber wieder zu.

Aus Sicht der Schweizer und der spanischen Börse – die seit der Übernahme von BME beide von SIX betrieben werden – zeigte sich die Erholung an der Entwicklung ihrer beiden Leitindizes: Der SMI legte 2021 um 20,3 % zu, der IBEX 35 um 7,9 %. Geprägt war das Jahr durch die Integration von Produkten und Dienstleistungen der nunmehr drittgrössten Akteurin in der europäischen Kapitalmarktinfrastruktur und viertgrössten im Wertpapier- und im Nachhandel. Alle Börsen von SIX konnten zusammen im vergangenen Jahr 25 IPOs verzeichnen. Rückblickend sind uns auf dem Schweizer und dem spanischen Kapitalmarkt aber noch sechs weitere Dinge aufgefallen:

1. Das Wachstum bei den Kryptoanlagen explodiert

Der Handelsumsatz von Produkten mit Kryptowährungen als Basiswert ist an SIX Swiss Exchange gegenüber 2020 um über 637 % gestiegen, die Anzahl Trades um 634 %. Allein im Monat Februar 2021 wurde mit 1,2 Milliarden Schweizer Franken der gesamte Handelsumsatz von 2020 übertroffen. Interessant: Die Nachfrage stammt vor allem von institutioneller Seite..

Stark gewachsen ist auch das Angebot: Im letzten Jahr sind an SIX Swiss Exchange sieben neue Kryptowährungen dazugekommen. Dank der weltweit ersten Exchange Traded Products (ETPs) auf Polkadot, Stellar, Cardano, Solana, Polygon, Avalanche und Algorand stehen Investoren nun 15 Währungen zur Auswahl, wobei die höchsten Umsätze 2021 auf Bitcoin und Ether entfielen.

2. Nachhaltige Anleihen boomen

Auf dem spanischen Anleihenmarkt hat der Begriff Nachhaltigkeit die Agenda bestimmt. 27 neue ESG-Anleihen kamen auf den Markt. Darunter die erste «grüne» Staatsanleihe in Höhe von 5 Milliarden Euro.

Überhaupt ist der Markt für festverzinsliche Wertpapiere weiterhin in Aufwärtsbewegung. Der alternative Festzinsmarkt MARF von BME – ausgerichtet auf KMUs – konnte im achten Jahr seines Bestehens schon im Frühling 2021 das 100. Unternehmen begrüssen.

3. Kleinanlegerinnen und -anleger drängen an die Börse

Im Jahr des Hypes um die GameStop-Aktie entdecken Kleinanlegerinnen und -anleger die Börsen – unterstützt vom niedrigen Zinsumfeld. An SIX Swiss Exchange zeigte sich das Phänomen im Anstieg der Anzahl Abschlüsse unter 10’000 Schweizer Franken – insbesondere bei Exchange Traded Funds (ETFs). Im Verhältnis zum Umsatzvolumen ist die Anzahl Trades überproportional angestiegen.

Die wachsende Zahl der Anlegerinnen und Anleger stimulierte auch die Ausgabeseite. An SIX Swiss Exchange konnten 2021 zwölf neue Emittenten von ETFs, Anlagefonds, ETPs und strukturierten Produkten gewonnen werden. Und mit 45’000 handelbaren strukturierten Produkten wurde im Dezember gar ein neues Allzeithoch erreicht.

4. Alternative Wege zum Kapital tun sich auf

BME Growth, das Börsensegment für KMUs auf dem spanischen Markt, hat es erfolgreich vorgemacht: KMU gehören vermehrt an die Börse. Allein 2021 haben 15 Unternehmen diesen Weg zu Wachstumskapital gewählt. Mit Sparks, dem im Herbst 2021 lancierten KMU-Segment, ist das nun auch an SIX Swiss Exchange möglich.

Und im Dezember ging auch das erste SPAC an die Schweizer Börse. Ein SPAC (Special Purpose Acquisition Company) hat keine eigene Geschäftstätigkeit. Mit dem aufgenommenen Kapital soll diese «Mantelgesellschaft» später ein zum Zeitpunkt des Börsenganges noch unbekanntes privates Unternehmen übernehmen.

5. Regulatorische Divergenzen können Anlegerinnen und Anleger beeinflussen

2021 wurde der Brexit Tatsache. Auf den Aktienmärkten entstanden dadurch regulatorische Divergenzen zwischen der EU, dem Vereinigten Königreich und der Schweiz.

Ein Drittel der Händlerinnen und Händler an SIX Swiss Exchange vermutet, dass das zu Verwirrung – und Kosten – bei Anlegerinnen und Anlegern führen wird, so eine Umfrage von SIX. Zwei von fünf Befragten gaben an, dass das eine Herausforderung darstellt, die aber bewältigt werden kann. Nur 8 % denken, dass die regulatorische Divergenzen keine Konsequenzen haben werden.

6. Tokenisierung wird real

Im September 2021 hat die FINMA die Lizenzen genehmigt, die SIX braucht, um den Betrieb von SIX Digital Exchange (SDX) aufzunehmen. Es handelt sich um die ersten Bewilligungen am Schweizer Finanzplatz für Infrastrukturen, die den Handel von digitalen Vermögenswerten in Form von Token und deren integrierte Abwicklung ermöglichen.

Im November nahm SDX mit einer tokenisierten Anleihe den Betrieb auf. Es handelt sich um die weltweit erste Emission einer Anleihe mit einem rein digitalen Teil in einem vollständig regulierten Umfeld. Das Angebot war mehrfach überzeichnet und stiess bei einer breit gestreuten institutionellen Anlegerbasis in der Schweiz auf reges Interesse.

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