Future of Money

Future of Money

Das neue White Paper der Serie «Picture of the Future» stellt sieben mögliche Zukunftsszenarien für Geld in seiner physischen und digitalen Form vor. Im Mittelpunkt der Szenarien steht die Schweiz, aber im Rahmen der laufenden Diskussionen werden wir uns auch über die Landesgrenzen hinweg bewegen.

Der Hintergrund

Als Rückgrat der Schweizer Finanzbranche muss SIX Kenntnis über die potenziellen Auswirkungen und die Relevanz der vielen Entwicklungen haben, die wir derzeit beobachten – von neuen Technologien über politische und gesellschaftliche Veränderungen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen. Um Fragen über die Zukunft des Bargelds zu beantworten, müssen wir die mögliche Gesamtentwicklung des Geldes berücksichtigen. Was gilt als Geld, welche Form nimmt es an, wie wird es verwendet? All dies dürfte in naher Zukunft dramatischen Veränderungen unterworfen sein. Das Ziel des neuen White Papers Money ist es, Entscheidungsträgern zu helfen, die strategische Richtung festzulegen.

Unser Ansatz und wichtigste Erkenntnisse

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behandelte Fragen

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beteiligte Experten

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entwickelte Zukunftsszenarien

Wichtigste Erkenntnisse

Wir haben sieben Zukunftsszenarien identifiziert, von denen wir annehmen, dass sie für strategische Entscheidungsträger in der Geldinfrastruktur und im Dienstleistungsbereich von Interesse sein können. Neben dem wahrscheinlichsten Szenario haben wir mehrere alternative Szenarien herausgearbeitet, die unserer Ansicht nach erhebliche Auswirkungen auf die Geldinfrastruktur haben könnten und/oder auf Grund derer Entscheidungsträger ihre Denkschemata möglicherweise einer gründlichen Anpassung unterziehen müssen.

Grad der Eintrittswahrscheinlichkeit der sieben Szenarien

Grad der Eintrittswahrscheinlichkeit der sieben Szenarien

1. Digital regiert – aber Bargeld bleibt in einer fragmentierten Welt bestehen

Digitale Zahlungen sind praktischer und komfortabler geworden im Vergleich zu Bargeld, da die digitalen Schnittstellen immer näher an die menschlichen Tätigkeiten gerückt sind. Gleichzeitig wird Bargeld nach wie vor als «Wertaufbewahrungsmittel» wahrgenommen und breit eingesetzt.

2. Digitale Währungen sind das neue Bargeld

Der Bargeldbestand sinkt um 80 Prozent. Digitales Geld und digitale Vermögenswerte haben nicht nur Cash als dominantes Zahlungsmittel weitgehend verdrängt, sondern auch Bargeld als sicheren Wertspeicher.

3. Aufstieg der digitalen Währung der Zentralbank

Jeder kann die von der Zentralbank ausgegebene digitale Währung besitzen. Die Menschen können wählen, wo sie diese aufbewahren lassen möchten, auf einem Konto bei der Zentralbank und/oder bei einer Geschäftsbank.

4. Zentralbanken sind tot, es leben die Zentralbanken!

Neue zentral ausgegebene Währungen sind das neue Geld. Neue Währungen und Emittenten ersetzen souveräne Währungen – beziehungsweise die nationalen Zentralbanken (z. B. CHF und SNB, EUR und EZB).

5. Eine bargeldlose Welt entsteht

Bargeld verschwindet vollständig. Die bargeldlose Gesellschaft ist geboren. Eine digitale Bargeld-Infrastruktur kann an die Stelle der Infrastruktur für physisches Geld treten und garantiert die gleiche Sicherheit und Anonymität und den Datenschutz wie physisches Geld.

6. Geldlos wird Realität

So etwas wie «Geld» gibt es nicht mehr. Kein Vermögenswert – auch nicht die Währungen – erfüllt die Bedingungen, um als «Geld» eingestuft zu werden.

7. Es ist eine Bitcoin-Welt

Dezentrale digitale Währungen haben sich durchgesetzt: Kryptowährungen (z. B. Bitcoin, Ether) haben die von der Zentralbank ausgegebenen Währungen als dominante Geldformen ersetzt.

Wie könnte das wahrscheinlichste Szenario «Digital regiert» konkret in unserem Alltag aussehen?

Treffen Sie Felix Muster im Jahr 2025.

Auf den ersten Blick hat sich Felix in den letzten Jahren kaum verändert. Morgens um halb sieben wird er von seinem Smartphone geweckt. Ein paar Minuten später schaut sich Felix im Badezimmerspiegel die neuesten Nachrichten und die wichtigsten Daten zu seinen Einnahmen und Ausgaben an, während die Zahnbürste pflichtbewusst seine Gesundheit analysiert. Die Daten werden anschliessend an den Arzneiroboter in der Küche weitergeleitet, der die Vitamine und weitere Tabletten für den Tag ausgibt.

Um 7.33 Uhr fährt sein Pendlerzug von seiner Vorstadtgemeinde am Zürichsee in Richtung Hauptbahnhof Zürich ab. Aus dem Zugfenster sieht er einen Geldautomaten-Friedhof, auf dem einige der vielen ausrangierten Bancomaten deponiert wurden und auf ihre Demontage warten (weniger Geldautomaten).

Am Hauptbahnhof angekommen, steht schon sein Lieblingskaffee im Café nebenan für ihn bereit – den hat er bereits im Zug über seinen Digitalassistenten bestellt, der die Bestellung zum perfekten Zeitpunkt übermittelte, damit der Kaffee exakt die richtige Temperatur hat. Beim Verlassen des Cafés bekommt Felix eine Mitteilung seines Digitalassistenten, dass sein Bankkonto mit dem Espresso-to-go belastet wurde (ubiquitäre Konnektivität).

Bei gutem Wetter und wenn er keine Kollegen im Tram trifft, benutzt Felix die E-Scooter, die in den letzten Jahren erstaunlich stabil geworden sind, um die letzten 700 Meter zurückzulegen.

Später trifft Felix seinen besten Freund zum Mittagessen in der Pizzeria. An der Eingangstür fragt Felix seinen Digitalassistenten nach seinem Tisch, den sie dank der genauen Anleitung des Assistenten problemlos finden. Beide studieren die Speisekarte auf Felix Smartphone. Sie entscheiden sich für eine Pizza, die sie über Felix’ Digitalassistenten bestellen (allgegenwärtige digitale Schnittstellen).

Nach einer weiteren Tasse Kaffee beschliesst Felix, seinen Freund einzuladen, und veranlasst seinen Assistenten zum Bezahlen der Rechnung. Felix wird darüber informiert, dass er einen Teil der Rechnung mit den Daten bezahlen kann, die die beiden im Restaurant erzeugt haben, und dass er einen zusätzlichen Rabatt erhält, wenn er einen Tweet über das Restaurant verfasst. Felix veranlasst seinen Digitalassistenten, beides zu tun und dabei zu erwähnen, dass die Pizza hervorragend war (nicht-monetäre Vermögenswerte als Zahlungsmittel).

Bevor Sie das Lokal verlassen, möchte er dem Pizzabäcker noch ein Trinkgeld geben. Alte Gewohnheiten lassen sich eben nur schwer ablegen. Felix schaut in seine Brieftasche und stellt fest, dass er kein Bargeld hat. Er fordert seinen Digitalassistenten auf, im nahen Umkreis befindliche Personen und Händler nach 5 CHF in bar zu fragen (Crowdsourcing-Bargeldinfrastruktur). Eine junge Frau kommt mit einer 5-Franken-Münze in der einen und einem Smartphone mit einem QR-Code in der anderen Hand auf ihn zu. Felix scannt den Code ein und bittet seinen Digitalassistenten, Digitalgeld im Wert von 5 CHF auf das Konto zu überweisen. Im Handumdrehen erhält die junge Frau eine Mitteilung, dass der Betrag auf ihr Konto überwiesen wurde – digitale Zahlungen erfolgen nämlich praktisch in Echtzeit.

Später am Tag ist Felix zurück in seiner Wohngemeinde und beeilt sich, um noch ein Brot kaufen zu können. Verschwitzt kommt er beim Bäcker an – gerade noch rechtzeitig, denn dieser war gerade dabei, den Laden zu schliessen. Glücklich und hungrig zieht Felix mit seinem Brot unter dem Arm von dannen und beobachtet, wie sich der Bäcker mit einem Portemonnaie voller Bargeld zum einzigen Geldautomat begibt, der sich noch in der Gemeinde befindet. Felix erinnert sich an einen Artikel, in dem stand, dass Händler lokale Geldautomaten auffüllen und so für eine beinahe selbst versorgende lokale Bargeldwirtschaft sorgen: Ortsansässige heben Bargeld vom lokalen Geldautomaten ab, geben es bei lokalen Händlern aus, die den lokalen Geldautomaten anschliessend wieder auffüllen (lokale Cash-Kreislaufwirtschaft). Es stimmt: Er kann sich nicht daran erinnern, wann er zuletzt einen Panzerwagen beim Befüllen des lokalen Geldautomaten gesehen hat.

Zu Hause – es ist bereits 18.44 Uhr – findet er noch die Zeit, um mit seiner Lebensgefährtin Sonja und den beiden gemeinsamen Kindern die Pläne für den Sommerurlaub zu besprechen. Sein Digitalassistent verbindet sich mit einer One-Stop-Shop-Digitalplattform, auf der alle ungebündelten Dienstleistungen verschiedener Finanzdienstleister integriert sind, und fasst alle relevanten Informationen über Kontostände und Ersparnisse zusammen (One-Stop-Shop-Plattformen).

Die Familie beschliesst, mal wieder zwei Wochen in den Bergen in Norditalien zu verbringen. Am nächsten Morgen steigen sie zusammen in den durch grünen Strom angetriebenen Zug in Richtung Italien. Seine Tochter zeigt auf merkwürdige bunkerartige Gebäude und fragt, was das sei. Felix weiss es auch nicht. Zum Glück kann ihnen sein Digitalassistent weiterhelfen: Es handelt sich um die physischen Tresore, die unter den Alpen gebaut wurden, damit Leute dort ihre Wertsachen – einschliesslich Bargeld – deponieren können. Bargeld gilt immer noch als sicherer Wertspeicher, fügt der Digitalassistent hinzu (Bargeld bleibt weiterhin Wertspeicher).

Kaum in Norditalien angekommen, rennt seine ältere Tochter bereits zu einem Glacéstand. Felix kommt ebenfalls zum Glacéstand und weiss, dass er kein Problem haben wird, mit seiner Schweizer mobilen Geldbörse zu bezahlen.

Sein Digitalassistent informiert ihn jedoch, dass der Glacéverkäufer nicht mit seinem Schweizer Standardzahlungssystem verbunden ist. Daraufhin bittet ihn der Digitalassistent, sich für eines der Partnerzahlungssysteme zu entscheiden, mit denen der Händler verbunden ist und die mit seinem Schweizer Zahlungssystem interoperabel sind (interoperable Zahlungssysteme).

Das Einzige, was im Laufe der Jahre unverändert geblieben ist, sind Felix’ Lieblingssorten: Vanille, Erdbeere und Schokolade.

Nicht alles in Felix’ Leben hat sich geändert …

 

 

Felix’ Tag auf einen Blick