Warum sich investieren in unsicheren Zeiten lohnt


Warum sich investieren in unsicheren Zeiten lohnt

Oft wird vergessen, dass neben Gewinnen in einem Unternehmen auch Investitionen wichtig sind. Sie bestimmen massgeblich den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Warum sich investieren in unsicheren Zeiten lohnt, erklärt SIX CFO Daniel Schmucki.

Wir leben in einer Welt, in der vermeintlich nur der Gewinn zählt. Die Aktienkurse an unserer Börse sind das beste Beispiel. Die Anleger richten ihr Hauptaugenmerk auf die tatsächlichen und zu erwarteten Gewinne und fragen sich sofort: kaufen, halten oder verkaufen? Unternehmen legen ihr Gewinnziel fest, mit der Absicht, dass gleichzeitig Innovationen, wettbewerbsfähige Preise und attraktive Dividenden möglich sind. Oft wird jedoch vergessen, dass neben Gewinnen auch Investitionen wichtig sind. Sie bestimmen massgeblich den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. John F. Kennedy hat das vor vielen Jahres so ausgedrückt: «There is only one thing more expensive than investments, namely no investments.» Das gilt auch – oder gerade – in Zeiten von grossen wirtschaftlichen, technologischen und politischen Unsicherheiten. Unsicherheit ist etwas, dass CFOs natürlich per sé nicht mögen, doch ich sehe drei Möglichkeiten  in unischeren Zeiten zu investieren: in Innovation, in Finanzkapital und in Wissen.

Lassen Sie mich mit ein paar Gedanken zu Innovation beginnen. Das letzte Halbjahresergebnis von SIX ist ein gutes Beispiel. Es spiegelt den Grundsatz wider: heute investieren, morgen Erfolg ernten. Mit der SIX Digital Exchange (SDX) lanciert SIX zurzeit ein wichtiges Zukunftsprojekt. Blockchain-Technologie und Token Economy bringen revolutionäre Veränderungen mit sich. Wenn SIX auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen will, muss sie erheblich investieren. Das schmälert natürlich momentan ihren Gewinn. Wenn wir aber an unserer langfristigen Zielsetzung festhalten und die treibende Kraft hinter der Transformation der Finanzmärkte bleiben wollen, kommen wir um Investitionen nicht herum. Wir sind die Infrastrukturanbieterin für den Schweizer Finanzplatz. Daher müssen wir uns auf unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit fokussieren. Auf Gewinn- und Verlustrechnungen sollten wir daher mehr wie ein Entrepreneur blicken: vorausschauend (nicht kurzfristig Bonus gesteuert) umsichtig, entschlossen und nachhaltig.

Selbstverständlich erfordert Investition in Innovation auch viel Finanzkapital. Mit den Schweizer Banken als Eigentümer kann SIX hier aus einer guten Position agieren.

Wir als SIX brauchen aber die Mentalität, die Dynamik und den Schwung eines Start-ups. Wir können von einer Herangehens- und Denkweise profitieren, die frei von Zwängen eines grossen Unternehmens ist.  Start-ups wiederum können von der Erfahrung und dem Netzwerk von SIX profitieren. Wir arbeiten eng mit Start-ups zusammen oder investieren sogar über unseren Corporate-Venture-Fonds SIX FinTech Ventures in neu gegründete Unternehmen. Wir tun das aus der Überzeugung, dass wir einen lebhaften Austausch zwischen etablierten Unternehmen wie SIX und jungen Start-ups brauchen. Ein Blick zurück zeigt warum. Wer hat die Transformation zu einer digitalen Wirtschaft in den letzten 20 Jahren entscheidend vorangetrieben? Die Unternehmen aus dem Silicon Valley. Sie begannen einst als kleine Start-ups und sind – was oft übersehen wird – nur deshalb heute noch erfolgreich, weil sie eine Kultur der Innovation haben. Diese Unternehmen waren immer bereit, ihr Geschäftsmodell infrage zu stellen und wenn nötig zu ändern. Sie haben früh erkannt, dass man nicht alles selbst machen kann und machen sollte. Deshalb haben sie immer in andere Start-ups investiert und sich deren Know-how sowie das disruptive Marktpotenzial erschlossen und in ihre Kultur integriert. SIX FinTech Ventures hat Ähnliches vor.

Ich habe mich immer sehr für Start-ups interessiert und investiere auch seit zwölf Jahren selbst. Dabei geht es mir nicht um schnelles Geld, sondern darum, mit meiner bescheidenen Investition oder meinem persönlichen Engagement einem neuen Geschäftsmodell zum Durchbruch zu verhelfen. Ich habe immer in Gründer-Persönlichkeiten investiert, weil sie entscheidend sind für den Erfolg. Ausserdem ist es intellektuell enorm bereichernd, sich mit neuen Geschäftsideen aus ganz unterschiedlichen Branchen zu befassen.

Das führt mich zu meinem letzten Punkt: Investitionen in Wissen. Bildung oder Wissen zu erwerben, ist immer noch die beste Investition. Ich weiss, das ist eine Binsenweisheit. Ich will aber auf einen weiteren Punkt hinaus und würde diese Idee gern weiterentwickeln. Dank der Globalisierung und Technologie war es nie leichter als heute, in berufliche Netzwerke zu investieren und Wissen und Erfahrungen auszutauschen. So ein Netzwerk ist immer klüger als jedes Mitglied. Wenn diese zudem Vielfalt und eine Kultur der Offenheit pflegen, sind Netzwerke bei der Lösung von Problemen unübertroffen. Das erfordert aber Zeit und Energie. Ich kann nur jedem empfehlen, sich in Netzwerke einzubringen. Meine Erfahrung als Präsident der Vereinigung Schweizerischer Finanzchefs (VSF) ist unbezahlbar. In meiner derzeitigen Funktion bei SIX profitiere ich enorm von diesem Erfahrungsaustausch. Dass sich solche Netzwerke nicht nur physisch, sondern auch virtuell organisieren, erleichtert ihre Nutzung. LinkedIn ist ein gutes Beispiel. Doch ähnlich wie in der analogen Welt, müssen Sie sich auch in der digitalen Welt engagieren, sich präsentieren und interessante Fakten in Ihr Netzwerk einbringen. Nur dann werden Sie auch davon profitieren.