MRBs: Blühendes Geschäft, regulatorisches Dickicht


MRBs: Blühendes Geschäft, regulatorisches Dickicht

Immer mehr Länder legalisieren Marihuana zu medizinischen Zwecken oder gar als Genussmittel. Die Zahl von Marijuana-related Businesses steigt exponentiell. Die regulatorische Situation bleibt aber bis auf Weiteres unübersichtlich.

Ab Ende der 1970er-Jahre waren die niederländischen Coffee- Shops der Sehnsuchtsort für die Konsumenten von Marihuana. Geringe Mengen wurden toleriert, ganz legal waren die getrockneten Blüten der Cannabispflanze aber nie. Spätestens Anfang 2018 musste Amsterdam darum seinen Status als Marihuana-Mekka abgeben. Nach Uruguay im Jahr 2017 erklärte Kanada als erstes industrialisiertes Land den Anbau und Verkauf von Marihuana für komplett legal. Die kanadische Regierung erhofft sich von der Massnahme einen sicheren Konsum und einen besseren Jugendschutz, die Wirtschaft verspricht sich ein neues Geschäfts- und Investitionsfeld.

Zumindest letztere Hoffnung ist berechtigt. Der Markt für Marijuana-related Businesses (MRBs) verfügt über ein riesiges Wachstumspotenzial. Neben Uruguay und Kanada haben mittlerweile etwa 30 weitere Länder Marihuana mindestens zu medizinischen Zwecken legalisiert. In diesen Ländern waren MRBs im laufenden Jahr 2019 an 3 % aller Börsengänge beteiligt. Bis 2024 sollen die weltweiten Verkaufserlöse von MRBs auf über USD 60 Milliarden ansteigen.

Goldgrube oder Reputationsfalle?
Marihuana scheint sein Stigma als Einsteiger- Droge zu verlieren. Aufgrund der weltweit auch auf längere Sicht heterogenen Regulierung ist ein Investment in diesen Markt dennoch kein «No-Brainer». Was auf der einen Seite des Globus legal ist, kann auf der anderen strafrechtlich verfolgt werden. Nehmen wir nur einmal den Teilmarkt für Cannabidiole (CBD) als Beispiel. Diese Form von Marihuana enthält nur sehr wenig des psychoaktiven Tetrahydrocannabinols (THC): In der Schweiz können CBD-Produkte seit 2011 frei verkauft werden. In Texas hingegen sind diese den Epilepsiepatienten vorbehalten.

Gerade im US-amerikanischen Markt ist die rechtliche Lage besonders kompliziert. Drogenvergehen fallen in den USA unter die Gesetzgebung in den einzelnen Bundesstaaten. Diese kann vom geltenden Bundesrecht abweichen, dem die Banken stark unterstehen.

Watchlist «MRB Securities»: 120’000 Finanzinstrumente betroffen

Gewisse Investoren wollen Investitionen in Marijuana-related Businesses (MRBs) generell vermeiden oder zumindest risikobasierte Entscheidungen darüber treffen können. «Nicht nur aufgrund der regulatorischen Unsicherheit, sondern auch aus Gründen der Reputation», sagt Oliver Bodmer, Senior Product Manager in der Geschäftseinheit Financial Information bei SIX. Da sich MRBs von der Forschung über den Anbau, den Transport bis zum Verkauf in den unterschiedlichsten Branchen finden (siehe Grafik), sei es für die Banken aber nicht einfach, den Überblick im Sinne ihrer Kunden, den Investoren, zu behalten. Mit der neuen Watchlist «MRB Securities » unterstützt SIX die Banken bei dieser Aufgabe. Sechsmal wöchentlich führt sie MRBs und die von diesen herausgegebenen Wertschriften beziehungsweise die darauf basierenden strukturierten Produkte und Optionen auf. Zurzeit sind das über 3000 Unternehmen und fast 120’000 Finanzinstrumente. MRB Securities knüpft an den preisgekrönten Sanctioned Securities Monitoring Service (SSMS) an, den SIX seit 2016 anbietet. Der SSMS beobachtet 7,6 Millionen aktive Instrumente und mehr als 26 000 Änderungen pro Woche. Dazu gehören zum Beispiel Aktualisierungen durch Regulierungsbehörden oder Aktionärswechsel. Das macht ihn zu einem der umfangreichsten Monitoring-Services auf dem Markt.

 

Zurzeit ist Marihuana in den USA in 33 von 50 Staaten für medizinische Zwecke zugelassen. Darunter sind 11 Staaten, die Marihuana sogar vollständig legalisiert haben. Das heisst auch der  Konsum als Genussmittel ist ab 21 Jahren straffrei. Ausser Nebraska und South Dakota erlauben die restlichen Staaten unter bestimmten Umständen THC-armes Marihuana beziehungsweise CBD-Produkte. Gemäss Bundesrecht sind aber der Konsum und der Besitz wie auch der Anbau und der Vertrieb von Marihuana in den USA weiterhin illegal.

Eine Investition will also wohlbedacht sein – inner- und ausserhalb der USA. Auch wenn Marihuana in immer mehr Ländern einen legalen Status erlangt hat, in einer überwältigenden Mehrheit der Länder hat es diesen nicht. Einwohner dieser Länder riskieren bei Investitionen in MRBs, gegen Geldwäschereigesetze zu verstossen. Die neue Watchlist «MRB Securities» von SIX hilft, dieses Risiko zu beurteilen.

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