So geht die Rechnung in Zukunft auf


So geht die Rechnung in Zukunft auf

Von den alten Griechen bis zu eBill: die Kultur einer Gesellschaft zeigt sich immer auch darin, wie Rechnungen beglichen werden. Und das gewählte Zahlungssystem hat Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Wertschöpfung. Die Voraussetzung: Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit.

Es gibt diese Szene in der Illias, wo Glaukos und Diomedes ihre Rüstungen tauschen. Homer, der Autor, merkt an, Glaukos müsse wohl etwas benebelt sein: Während sein goldener Körperpanzer so viel wert sei wie eine Rinderherde mit 100 Tieren, entspräche der einfache Schutz von Diomedes dem «vulgären Preis» von gerade einmal 9 Rindern.

Althistoriker interpretieren die kleine Szene am Rande des trojanischen Kriegs, wo sich Glaukos und Diomedes als Feinde gegenüberstehen, unterschiedlich: Einige sehen den Tausch als eine ehrerweisende Geste an, die Grossväter der Protagonisten waren schliesslich Freunde. Andere deuten ihn als einen der ersten dokumentierten Betrugsversuche der Geschichte. Diomedes täusche das Freundschaftsritual nur vor, um an die edle Rüstung zu kommen. Wie auch immer: Für die Rechtsgelehrten des alten Rom demonstriert der ungleiche Tausch exemplarisch die Notwendigkeit von Geld als Zahlungsmittel. Nur so könne eine akkurate Preisbildung im Güterverkehr stattfinden.

Bereits in dieser Anekdote zeigen sich drei Dinge, die auch im heutigen Zahlungsverkehr noch gelten: Zahlungssysteme haben viel mit Kultur zu tun, müssen sicher und vertrauenswürdig sein und beeinflussen die volkswirtschaftliche Wertschöpfung. eBill macht da keine Ausnahme. Bis Ende 2018 lösen die Banken in der Schweiz damit die E-Rechnung ab und läuten ein neues Kapitel im Zahlungsverkehr ein.

1. Zahlungssysteme haben viel mit Kultur zu tun.
Homer rechnet den Wert von Rüstungen in Rindern auf, spätere Kulturen zahlen mit Muscheln, Getreide, Öl, Salz und natürlich mit Edelmetallen. Die jeweilige Wahl des Zahlungsmittels ist stark durch lokale Faktoren geprägt: Was ist verfügbar, haltbar und praktisch? Im 17. Jahrhundert wird in Europa aus Effizienzgründen (siehe Punkt 3) langsam von Naturalien auf Papier gewechselt. Die Kultur spielt bis heute eine grosse Rolle bei der Art, wie wir eine Rechnung begleichen.

In den USA tätigen Unternehmen noch 2016 die Hälfte ihrer Zahlungen per Check. Warum? In einem amerikanischen Bankenforum wird die Frage diskutiert. Am meisten Zuspruch erhält der Eintrag: «Weil der Empfänger kein Bankkonto braucht. Weil es keine Gebühren verursacht. Weil es funktioniert, auch wenn elektronische Systeme streiken.»

Es scheint schwierig, die Menschen von etwas Neuem zu überzeugen, gerade in sensiblen Geldangelegenheiten.

Auch Frankreich und Grossbritannien sind traditionelle Check-Länder. Die Portugiesen erledigen ihre Zahlungen am liebsten an speziellen Bezahlautomaten. In vielen afrikanischen Ländern galt jahrhundertelang «cash only». Das hingegen stellt sich nun als Vorteil heraus: Weil es neben dem Bargeld kein etabliertes Zahlungssystem gibt, ist es möglich, gleich zu sehr fortschrittlichen mobilen Lösungen überzugehen. In industrialisierten Ländern setzen sich diese zum Teil nur langsam durch.

Mitte 2020 ersetzt die QR-Rechnung den Einzahlungsschein, wie ihn die Schweiz kennt. eBill ermöglicht heute schon Zahlungen ganz ohne Papier. Was lassen Sie aus den nicht mehr benötigten Einzahlungsscheinen entstehen? So falten Sie zum Beispiel eine Taube.

Die Schweiz, ebenso wie Deutschland und die Niederlande, zählt zu den sogenannten Giroländern, in denen Kontoüberweisungen eine hohe Akzeptanz geniessen. Doch auch innerhalb dieser Gruppe gibt es Unterschiede: Während sich in Deutschland bereits 1876 der Reichsbank-Giroverkehr etabliert, bekämpfen in der Schweiz die Banken noch im 20. Jahrhundert das Projekt einer gemeinsamen Clearing- Stelle, die notwendig ist für Überweisungen von einem Finanzinstitut zum anderen.

Die Gunst der Stunde nutzt die Schweizer Post. Damals noch unter dem Namen PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe), lanciert sie bereits 1906 ihr Postchecksystem, das dank der vielen PTT-Filialen schnell Verbreitung findet. Die Banken ziehen erst Ende 1949 nach mit einem eigenen System, dem Vorläufer des heutigen Swiss Interbank Clearing. Noch später, 1971, können sich die Banken auf ein standardisiertes Bankgiroformular mit maschinenlesbarer Codierzeile einigen.

Die Post prägt den Schweizer Zahlungsverkehr – im internationalen Vergleich eine grosse Ausnahme. Der PTT-Einzahlungsschein ist jahrzehntelang Synonym für Einzahlungen und sogar Schulstoff. Seine Farbe hat im Lauf seiner Geschichte den Scannern zuliebe von Grün zu Rot und von Blau zu Orange gewechselt.

Auch die Banken verwenden Einzahlungsscheine und geben sie an ihre Kunden ab – obwohl das System eigentlich unpraktisch ist: Um Rechnungen zu begleichen, müssen die Kunden noch lange das Geld bei der Bank abheben und es selbst zur Poststelle tragen.

Im April 1997 lanciert die Credit Suisse das erste Online-Banking der Schweiz. Damit verschwindet der gedruckte Einzahlungsschein zwar nicht, aber er lässt sich jetzt, mit der nötigen Hardware, elektronisch einlesen. Ab diesem Zeitpunkt sind Zahlungen direkt von zu Hause aus oder im Büro möglich.

Vorteil eBill

«Jetzt mit eBill schliessen wir den papierlosen Kreis in der Schweiz ganz», sagt Marco Menotti, Head Banking Services bei SIX. «Rechnungssteller und Empfänger können nun Zahlungen mit Belegen vollkommen digital abwickeln.» Gemäss dem Auftrag von SIX, eine wettbewerbsfähige Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz zu betreiben, haben alle Banken Zugriff auf diese Dienstleistung und können sie in ihr Online-Banking integrieren. Gerade für kleinere Finanzinstitute ist das eine Erleichterung – sie können eine neue Dienstleistung anbieten, ohne die gesamten Entwicklungskosten selbst tragen zu müssen. eBill geht direkt aus der Schweizer Zahlungskultur hervor und ist die logische Weiterentwicklung des historisch verankerten Girosystems.

Und auch der Einzahlungsschein überlebt – als QR-Rechnung. Sie löst ab Mitte 2020 die bestehenden Einzahlungsscheine ab und spricht eine Zielgruppe an, die weiterhin eine effiziente Papierlösung bevorzugt. Personen, die kein Online-Banking nutzen, können weiterhin ihre Zahlungen am Postschalter und auf dem Postweg tätigen. Der auf der Rechnung integrierte QR-Code kann jedoch eingelesen werden. Er enthält alle für die Zahlung notwendigen Daten. Die QR-Rechnung schlägt damit eine wichtige Brücke zwischen der papierbasierten und der digitalen Kultur – und kann für den einen oder anderen ein Zwischenschritt auf dem Weg zu eBill sein.

2. Zahlungssysteme müssen sicher und vertrauenswürdig sein.
Diomedes ergaunert womöglich die edle Rüstung von Glaukos, indem er sich auf den familiären Freundschaftsbund beruft. Er nutzt also das Vertrauen aus, das Glaukos in ihn hat. Vertrauen ist der Schlüssel für die Akzeptanz eines jeden Zahlungssystems. Glaukos vertraut Diomedes und die Amerikanerinnen und Amerikaner vertrauen den Checks, obwohl es unterdessen praktischere und sicherere Lösungen gäbe.

Wie sehr sich der Sicherheitsbegriff über die Jahre verändert, zeigt die Geschichte der Unterschrift. Während Jahrhunderten gilt sie als ausreichender Sicherheitsbeleg und noch heute verwenden wir sie, um Zahlungen zu autorisieren, beispielsweise bei Kreditkarten. Sie ist allgemein akzeptiert und wird selten hinterfragt. Würde man das aber tun, käme man schnell darauf, wie ineffizient und unsicher sie ist. Bei der Überprüfung von Unterschriften gibt es immer einen Ermessensspielraum und sie nachzuzeichnen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel: Will die Tochter oder der Sohn nicht in die Schule, weiss sie oder er in der Regel genau, wie das Absenzenbüchlein zu unterschreiben ist. Die Unterschrift verliert mehr und mehr an Bedeutung und andere, sicherere und effizientere Formen der Autorisierung treten an ihre Stelle: PIN, Fingerabdruck, Gesichtserkennung usw.

Um neues Vertrauen zu etablieren, braucht es gute Argumente. Sehr gute Argumente. Wie liess sich wohl ein Kaufmann im 19. Jahrhundert für die Idee gewinnen, sein Gold gegen ein Stück Papier einzutauschen? Wie viel besser war die Banknoten- gegenüber der Edelmetall-Lösung, damit er sich auf etwas so Riskantes und Unbekanntes einliess?

Vorteil eBill

eBill bringt aus verschiedenen Gründen einen Sicherheitsvorteil gegenüber der Papierlösung: Das langwierige und fehleranfällige Abtippen von Referenznummern, Rechnungsbeträgen und Kontoinformationen im Online-Banking entfällt, der Mensch – die grösste Fehlerquelle – hat weniger Möglichkeiten, etwas falsch zu machen. eBill ist die sicherste Art, digital Rechnungen zu empfangen. Alle am System angeschlossenen Rechnungssteller wurden überprüft. Zudem ist eBill so sicher und zuverlässig wie das Online-Banking selbst – und damit zuverlässiger als der postalische Versand von Rechnungen und Zahlungsaufträgen.

3. Zahlungssysteme beeinflussen die volkswirtschaftliche Wertschöpfung.
Naturalien zu tauschen ist ineffizient und verunmöglicht das Entstehen eines grösseren Wirtschaftsraumes. Schon nur die Frage, wie jemand Wechselgeld auf zwei Rinder geben soll, ist fast nicht zu beantworten. Noch im Mittelalter dauert der Transport eines Wechsels – eine Art Check mit personengebundener Zahlungsanweisung – vom polnischen Krakau bis ins französische Avignon bis zu einem Jahr.

«Die effiziente Bearbeitung von Zahlungen ist eine entscheidende Grundbedingung wirtschaftlichen Fortschritts», schreiben Fritz Klein und Guido Palazzo im Vorwort zu ihrem Buch «Kulturgeschichte des Geldflusses ». Was sie damit meinen, wird mit einem weiteren Blick in die Geschichte schnell klar. 1826 gibt die Depositenkasse der Stadt Bern die erste Banknote der Schweiz heraus. Die Einführung dieses papierbasierten Zahlungssystems vereinfacht den Handel enorm. Doch wie oft bei Innovationen braucht es eine Weile, bis die Wertschöpfung optimal zum Tragen kommt: Die Zahl der Banken im Land, die Noten emittieren, nimmt schnell zu, bis auf 53 Institute. Erst gegen 1900 erhält der Schweizer Staat das Monopolrecht zur Ausgabe von Banknoten.

eBill und QR-Rechnung schicken den Schweizer Einzahlungsschein in Pension. Wie die Bildstrecke zeigt, hat Origamikünstler Sipho Mabona eine ganz eigene Idee, was danach damit passieren könnte. Bereits mit 5 Jahren hat er sein erstes Papierflugzeug gefaltet. Mit 20 fing er an, seine eigenen Entwürfe zu kreieren. Auf diesem Weg entdeckte er die Origamikunst. Seither war Sipho Mabona unter anderem am preisgekrönten Kurzfilm «Origami in the Pursuit of Perfection» des Sportartikelherstellers Asics beteiligt und hat seine Arbeiten in Museen und Galerien rund um den Globus ausgestellt. Sipho Mabona lebt und arbeitet gegenwärtig in Luzern in der Schweiz.

Noch im 20. Jahrhundert sind Zahlungen in der Schweiz wenig effizient, sowohl für die Kunden – Geld abheben, auf die Post bringen, komplizierten Zahlungsauftrag ausfüllen – als auch für die Finanzinstitute. In den 1950er-Jahren wird der «vereinfachte Zahlungsverkehr mit dem Ausland» eingeführt, wobei das  «einfach» aus heutiger Sicht eher ironisch klingt: Die «Zahlungsauftragsgarnitur» besteht aus acht Kopien und ist trotz hochwertiger Materialien so dick, dass es schwerfällt, einen Durchschlag zu machen, der auch auf der letzten Seite lesbar ist. Die Banken drohen in einer Papierflut zu ertrinken.

Vorteil eBill

Der durchschnittliche Schweizer Haushalt erhält elf Rechnungen pro Monat, wobei jede davon etwa drei Minuten für die Abwicklung benötigt: vom Öffnen des Umschlags über das Einloggen ins Online-Banking bis zur Erfassung und Archivierung. Drei Minuten pro Rechnung, elf Rechnungen im Monat – über das Jahr gerechnet verbringt die Familienbuchhalterin oder der Familienbuchhalter etwa 6,6 Stunden mit Einzahlungen. Ein anderes Beispiel: Das Aufsetzen eines Lastschriftverfahrens. Ein mühsamer Prozess, der Kunde muss ein kompliziertes Formular ausfüllen und erst noch die Kommunikation mit der Bank und dem Rechnungssteller selbst koordinieren.

Mit eBill trifft die Rechnung nun direkt im Postfach des Online-Bankings ein und kann mit einem Klick erledigt werden. Aufwand: einpaar Sekunden. Ausserdem können Rechnungssteller freigegeben werden, inklusive eines Limits, das sie abbuchen dürfen. So können Kunden sehr einfach eine Dauerfreigabe aufsetzen, die zudem mehr Funktionen bietet als das etwas starre und in die Jahre gekommene Lastschriftverfahren.

Doch nicht nur die Kunden haben mit eBill einen Effizienzgewinn. Im Schnitt kostet jede Rechnung den Rechnungssteller etwa fünf Franken: Rechnung erstellen, ausdrucken, verpacken, versenden. Diese Kosten fallen mit eBill weg. Und die Rechnung trifft erst noch schneller ein. Ein früherer Zahlungseingang ist sozusagen vorprogrammiert. Die Wertschöpfung steigt.