Internet of «brings!»: Wo bestellt der Kühlschrank seine Milch?


Internet of «brings!»: Wo bestellt der Kühlschrank seine Milch?

Als es noch keine Kühlschränke gab, hat der Milchmann frische Milch gebracht. Jetzt werden Kühlschränke intelligent und bestellen ihre Milch selbst. SIX könnte die Plattform dazu im Hintergrund orchestrieren.

Schuhe, Kleider, Waschmaschinen: Konsumenten kaufen immer mehr Produkte im Internet. Der Online-Handel wächst, gerade bei Heimelektronik und Mode. Jedes fünfte Produkt kaufen Herr und Frau Schweizer in zwei Jahren im Internet, sagen Experten. Bei Lebensmitteln ist die Zurückhaltung grösser – noch. Denn mit intelligenten Küchengeräten kann sich das schnell ändern. Der smarte Kühlschrank zum Beispiel – er hält nicht nur die Lebensmittel frisch, er besorgt sie auch. Vernetzt mit dem Internet und eigenen Sensoren kann er Milch bestellen, wenn sie aufgebraucht ist, oder Zutaten gemäss Rezept ordern.

Eine Win-win-win-Situation

20,4 Milliarden vernetzte Geräte werden bis 2020 weltweit in unseren Haushalten stehen, prognostiziert das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner – über das sogenannte Internet of Things. Schon jetzt gibt es kaum einen Fernseher mehr, der nicht internetfähig ist. «Durch die Digitalisierung wird sich unser Alltag radikal verändern, und damit auch unser Einkaufsverhalten », sagt Urs Gubser, Senior Strategic Project Manager für E-Commerce bei SIX. Er verantwortet thingsby7, ein neues, internes Start-up bei SIX (siehe Box), bei dem es um mehr geht als um sicheren Zahlungsverkehr: Es geht um eine komplette Infrastruktur für den Handel im Internet of Things.

Gemeinsam mit Partnern will SIX drei Ebenen zusammenbringen: Anfrage, Angebot und Lieferung. Die Anfrage kommt über das intelligente Küchengerät – automatisiert oder manuell. Ist zum Beispiel die Milch aufgebraucht, kann der Kühlschrank selbst neue bestellen oder den Konsumenten erst informieren. thingsby7 leitet die Bestellung an den gewünschten Händler weiter und weist einen verfügbaren Lieferanten zu. Denkbar wäre auch eine Bestellung nach Kriterien wie Preis, Regionalität oder Bioqualität. thingsby7 würde die Bestellung dann nach einem fairen Verteilschlüssel einem passenden Händler übermitteln. Das lernfähige System von SIX könnte die Kriterien laufend integrieren.

 

Online-Handel im Internet of Things: Das Küchengerät (zum Beispiel der Kühlschrank) bestellt das Produkt (zum Beispiel Milch). Das System von SIX stellt die Verbindung zum Händler her und weist gleichzeitig einen verfügbaren Lieferanten zu.

Online-Handel im Internet of Things: Das Küchengerät (zum Beispiel der Kühlschrank) bestellt das Produkt (zum Beispiel Milch). Das System von SIX stellt die Verbindung zum Händler her und weist gleichzeitig einen verfügbaren Lieferanten zu.

Als Vermittler wäre SIX neutral und würde auch kleine Händler ohne Mittel für eine eigene Infrastruktur einbinden. «Es ist eine Win-win-win-Situation », sagt Urs Gubser. Eine neue, sichere Plattform entstehe. «Der Konsument gewinnt, weil es für ihn komfortabler wird. Der Händler, weil er einen neuen Absatzkanal erhält. Und der Lieferant, weil er seine Transportkapazitäten besser auslastet.»

Mit thingsby7 investiert SIX in die Zukunft. Die Digitalisierung kommt – und sie wird auch den Frischemarkt revolutionieren. Aktuell bestellen Konsumenten in der Schweiz zwar nur etwa 2 % ihrer Lebensmittel online. Gerade frisches Obst und Gemüse wollen sie sehen und anfassen, bevor sie es kaufen. Doch in den USA hat sich das bereits geändert: Etwa jeder vierte Haushalt bestellt seine Lebensmittel teilweise schon im Netz. Es ist praktisch, unabhängig zu sein von Öffnungszeiten.

Vielfalt statt Monopole

Der Trend werde sich noch verstärken, wenn die neuen Plattformen intuitiv zu bedienen sind, weiss Urs Gubser: «Im Online-Handel steht und fällt der Erfolg immer mit dem Komfort und mit der Sicherheit. » Erst wenn ihr System reibungslos funktioniere, werde SIX damit an den Markt gehen. Im Sommer 2018 startet der erste Probelauf in Form eines Minimum Viable Product: Eine kleine Gruppe testet das System und hilft, die Abläufe zu optimieren. Hersteller, die den smarten Kühlschrank als Schnittstelle liefern, gäbe es schon. Und auch das Interesse der Händler und der Lieferanten sei vorhanden.

«Wir stehen nicht am Ende der digitalen Entwicklung, sondern am Anfang. Darum müssen wir jetzt investieren», sagt Urs Gubser. In den USA haben Digitalkonzerne den Trend erkannt: Amazon übernahm 2017 die Biomarktkette Whole Foods, Google startete kurze Zeit später eine Kooperation mit dem Branchenriesen Walmart. Für Händler in Europa rentieren sich die Investitionen nicht, zumindest noch nicht. Wie schnell sich der Markt verändern kann, zeigt das grösste soziale Netzwerk weltweit: Facebook. Vor 15 Jahren gab es das Unternehmen nicht. Heute hat es über zwei Milliarden Mitglieder. thingsby7 soll helfen, Vielfalt zu garantieren, wo sich der digitale Markt immer stärker in Monopole aufteilt. Ein smarter Kühlschrank kann der Anfang dafür sein.

Vom Prototyp zum Produkt

Mit thingsby7 entsendet SIX bereits zum dritten Mal ein eigenes Start-up in den F10 FinTech Incubator & Accelerator. Seine Vorgänger waren xChain, eine Community für Corporate Actions, und DealPool, eine Plattform, die den Prozess bei Emissionen von Anleihen automatisieren soll. Verteilt auf zwei Batches erhalten jedes Jahr 30 Start-ups aus aller Welt die Chance, am Accelerator- Programm des F10 teilzunehmen. Mit Unterstützung von Inhouse-Coaches und externen Mentoren arbeiten diese während sechs Monaten an einem Minimum Viable Product (MVP). Ein MVP – im Gegensatz zu einem Prototyp – weist als Produkt oder Dienstleistung bereits genug Funktionen auf, um potenziellen Kunden einen Mehrwert zu bieten. Für die Gründer von internen Start-ups bei SIX bedeutet die Zeit im F10, ihre Idee unabhängig vom Tagesgeschäft verwirklichen zu können. SIX ist Erfinderin, Gründungsmitglied und Hauptsponsorin des F10.