Schon vor der Covid-19-Pandemie, die das Geschäftsmodell der Post-Trade-Industrie grundlegend revolutioniert hat, verfolgten die Marktteilnehmer eine Strategie der Digitalisierung, wohl wissend, dass ein Scheitern der Strategie mit der Gefahr einer Disintermediation verbunden ist. Thomas Zeeb, Head of Securities & Exchanges bei SIX, referierte in einem Webinar von Financial News – «The Bumpy Post-Trading Path to a Digital Future» – über den Wandel, den die Industrie derzeit durchläuft.

Stärkung der Produktbereitstellung
Post-Trade-Anbieter operieren in einem unglaublich schwierigen Marktumfeld, da die Margen durch die sinkende Rentabilität der Kunden und die hohen Regulierungskosten zunehmend unter Druck geraten. Dies zwingt die Industrie, sich weiterzuentwickeln und agiler zu werden, damit sie neue Produkte in einem kostengünstigen Format auf den Markt bringen kann, die den sich rapide ändernden Anforderungen der Endkunden gerecht werden, erklärte Zeeb. Er fügte hinzu, dass Konformitätsprüfungen integraler Bestandteil der Produktentwicklung seien, und betonte, dass diese nicht aufgeweicht oder verwässert werden dürften, um die Lieferzeiten zu verkürzen. Zudem müssten Unternehmen bei der Umsetzung des technologischen Wandels ganzheitlicher und organisationsweit denken. «Es gibt keinen triftigen Grund, neue Technologien nur für die Automatisierung einzelner Geschäftssegmente einzusetzen,» sagte Zeeb.

Sinnvolle Anwendung neuer Technologien
Die Digitalisierung muss einen Zweck verfolgen und anwendbar sein. Einer der Fehler, den die Industrie in der Vergangenheit gemacht hat, bestand darin, dass sie versuchte, vielversprechende neue Technologien in Prozesse einzubinden, für die sie nicht geeignet waren. Laut Zeeb setzte die neue Digital Exchange der Schweizer Börse (SDX) zwar die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zur Verarbeitung von tokenisierten Wertschriften ein, doch war die Technologie keine geeignete Plattform, um den tatsächlichen Handel mit tokenisierten Wertschriften zu erleichtern. Dafür seien die bestehenden Systeme besser geeignet. Er räumte auch ein, dass es völlig verfrüht sei, DLT in die konventionellen Wertschriftenmärkte zu integrieren. DLT sei nicht in der Lage, grosse Handelsvolumen zu bewältigen, solange das regulatorische Umfeld noch ungeklärt ist.

Konkrete Effizienzen
Zu den Schwierigkeiten, denen sich die Nachhandelsindustrie gegenübersieht, gehört, dass zahlreiche Tätigkeiten in einem Patchwork-Modell durchgeführt werden. Dies führt zu Doppelarbeit, Fragmentierung, Ineffizienz und unnötigen Kosten für die Marktnutzer. Da diese Prozesse nicht zu den Geschäftsergebnissen der Anbieter beitragen, mehren sich die Forderungen, diese Aktivitäten in einer Art Industrieunternehmen zu bündeln oder gemeinsam zu nutzen. Die Diskussionsteilnehmer räumten zwar ein, dass es dringend notwendig sei, in diesen Fragen zusammenzuarbeiten, um Doppelarbeit zu vermeiden, erkannten aber auch an, dass die Erzielung eines Konsenses oder die Vereinbarung von Standards schwierig werden kann, da verschiedene Unternehmen auch verschiedene Prioritäten und Standpunkte haben.  

Was erwartet uns?
Im Moment versuchen die Anbieter von Nachhandelsdienstleistungen, ihre bestehenden Geschäftsmodelle zu erweitern. Zeeb berichtete, dass eine Reihe neuer Konkurrenten aus dem Fin-Tech-Bereich aufgetaucht sei, die eine radikale Reform versprechen. Viele dieser Firmen konnten die Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Allerdings beschleunigen die Marktinfrastrukturen selbst ihre Innovationsprogramme. «Vom Standpunkt einer reinen Marktinfrastruktur aus gesehen, setzen wir neue Technologien ein, um die Kosten für die Nachhandelsverarbeitung deutlich zu senken. Wir arbeiten mit Nachdruck daran, die Nachhandelsindustrie hinsichtlich des Kapitaleinsatzes und der Verarbeitung so effizient wie möglich zu gestalten. Die Technologie wird dabei eine nützliche Rolle spielen», ergänzte er.

«The Future of Exchanges»
In Zusammenarbeit mit Financial News organisiert die Schweizer Börse diese globale Plattform für Diskussionen zwischen Persönlichkeiten, die unsere Branche prägen. Mit unserer Reihe von Breakfast-Seminaren wollen wir den Austausch von Gedanken und Zukunftsvisionen anregen und für alle nutzbar machen.

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A Breakfast Seminars Series 2020

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