Auftragsarten an der Schweizer Börse: Ein Überblick

Auftragsarten an der Schweizer Börse: Ein Überblick

Wer zum ersten Mal eine Aktie kaufen oder verkaufen will, stösst schnell auf eine Reihe unbekannter Begriffe: limitierter und unlimitierter Auftrag oder Stop Loss. Diese Auftragsarten bestimmen, wie und zu welchem Preis Ihr Auftrag an der Börse ausgeführt wird. In diesem Blog erfahren Sie, welche Auftragstypen es gibt, wie sie funktionieren und welche für Einsteigerinnen und Einsteiger besonders relevant sind.

Bevor Sie einen Auftrag platzieren, entscheiden Sie im Grunde über zwei Dinge: den Preis, zu dem gehandelt werden soll, und die Gültigkeitsdauer des Auftrags. Ein Auftrag ist dabei technisch gesehen ein Angebot, eine bestimmte Menge eines Wertpapiers zu einem unlimitierten oder limitierten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Wer diese Grundlagen kennt, kann seine Aufträge gezielter steuern, statt sich blind auf die Standardeinstellung der eigenen Handelsplattform zu verlassen.

Was ist ein unlimitierter Auftrag?

Ein unlimitierter Auftrag, auch Market Order oder «Bestens»-Auftrag genannt, ist die einfachste und am häufigsten verwendete Auftragsart: Er kauft oder verkauft ein Wertpapier sofort zum aktuell besten verfügbaren Marktpreis. Der grosse Vorteil liegt in der Ausführungssicherheit, da der Auftrag praktisch immer sofort ausgeführt wird, allerdings ohne Garantie auf einen bestimmten Preis. Gerade bei stark schwankenden oder wenig gehandelten Titeln kann der tatsächliche Ausführungspreis deshalb spürbar vom zuletzt angezeigten Kurs abweichen.

Was ist ein limitierter Auftrag?

Bei einem limitierten Auftrag legen Sie selbst einen maximalen Kaufpreis oder einen minimalen Verkaufspreis fest, zu dem der Auftrag ausgeführt werden darf. Ein limitierter Kaufauftrag wird nur zum Limitpreis oder tiefer ausgeführt, ein limitierter Verkaufsauftrag nur zum Limitpreis oder höher. Dafür geben Sie die Sicherheit der Ausführung ein Stück weit auf: Erreicht der Kurs Ihr Limit nicht, bleibt der Auftrag offen oder verfällt unausgeführt.

Merkmal

Limitierter Auftrag

Unlimitierter Auftrag

Preiskontrolle

Ja, Ausführung nur zum Limit oder besser

Nein, Ausführung zum aktuellen Marktpreis

Ausführungssicherheit

Nicht garantiert

Sehr hoch, meist sofortige Ausführung

Typischer Einsatz

Exakter Ein- oder Ausstiegspreis wichtiger als Tempo

Schnelle Ausführung wichtiger als exakter Preis

Wie funktionieren Stop-Aufträge?

Stop-Aufträge werden erst aktiv, wenn ein zuvor festgelegter Stop-Kurs erreicht wird, und dienen meist der Verlustbegrenzung oder Gewinnsicherung. An der Schweizer Börse SIX gibt es dabei zwei zentrale Varianten: Stop Loss (unlimitierter Preis) und Stop Limit (limitierter Preis). Sobald die Auslöselimite (Trigger) erreicht ist, wird ein Stop-Loss-Auftrag automatisch als unlimitierter Auftrag ins Auftragsbuch gestellt, während ein Stop-Limit-Auftrag als limitierter Auftrag eingestellt wird. Der Unterschied ist entscheidend: Stop Loss garantiert die Ausführung, aber nicht den Preis, während Stop Limit den Preis absichert, die Ausführung aber nicht garantiert.

Erreicht der Referenzpreis den Auslöser von 21 Schweizer Franken, gelangt der Stop-Limit-Verkaufsauftrag als limitierter Auftrag ins Auftragsbuch. Die Preislimite von 20,50 Schweizer Franken legt den Mindestverkaufspreis fest. Fehlt ein passendes Kaufangebot zu diesem oder einem höheren Preis, bleibt der Auftrag zunächst offen. Ohne Ausführung verfällt er am Ende seiner Gültigkeit.

Sie legen für Ihre Aktie einen Auslöser von 21 Schweizer Franken fest. Fällt der zuletzt bezahlte Kurs auf diesen Wert, wird Ihr Stop-Loss-Verkaufsauftrag aktiv. Er gelangt als unlimitierter Auftrag ins Auftragsbuch. Der Verkauf erfolgt zum besten verfügbaren Preis. Dieser kann unter 21 Schweizer Franken liegen. Die Linie zeigt den Kursverlauf, keinen tatsächlichen Verkauf.

Was bedeuten Gültigkeitsdauer und Ausführungsbedingungen?

Neben dem Preis lässt sich auch festlegen, wie lange ein Auftrag gültig bleibt und wie er ausgeführt werden soll. Gängige Gültigkeiten sind Good-for-Day, auch tagesgültig genannt, (gültig für den aktuellen Handelstag), Good-till-Date (gültig bis zu einem bestimmten Datum) und Good-till-Cancelled (gültig bis zur Ausführung oder Löschung). Zusätzlich bieten einige Banken und Finanzdienstleiter weitere Ausführungsbedingungen an. Dazu gehören Fill-or-Kill (FOK), bei der die Order sofort vollständig oder gar nicht ausgeführt wird, sowie Immediate-or-Cancel (IOC), bei der nicht ausgeführte Restmengen sofort verfallen. Die Verfügbarkeit dieser Auftragszusätze kann je nach E-Banking oder Broker unterschiedlich sein.

Muss ich alle Auftragsarten kennen, um zu investieren?

Nein, für den Einstieg reichen unlimitierte und limitierte Aufträge in der Regel völlig aus. Wer regelmässig und langfristig in breit diversifizierte ETFs oder Fonds investiert, kommt meist ganz ohne Stop-Aufträge oder komplexere Ausführungsbedingungen aus. Wichtiger als die Kenntnis jeder einzelnen Auftragsart ist ein solides Verständnis der eigenen Anlagestrategie und Risikotoleranz.