EBICS für Firmenkunden gewinnt an Bedeutung

Autor/-in

Claus Halbherr Corinne Bellwald

Veröffentlicht am

15 März 2023

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Kenntnis der EBICS-Grundlage

Seit dem Beitritt der Schweiz zur EBICS-Gesellschaft im Mai 2015 hat sich einiges getan im Bereich der elektronischen Firmenkundenkanäle. Zwar gibt es auch heute noch eine Vielzahl von Kommunikationsprotokollen, welche die Softwarepartner der Firmenkunden implementieren beziehungsweise pflegen können, wenn sie einen Multibanking-Ansatz mit allen Schweizer Finanzinstituten verfolgen. Die Notwendigkeit, diesen Strauss von Protokollen zu unterstützen, nimmt aber kontinuierlich ab. Zum einen bieten immer mehr Institute ihren Kunden EBICS als Kommunikationskanal an. Zum anderen erkennen die Softwarehersteller, dass sie selbst einiges zur Harmonisierung der Protokolle beitragen können: Sie weibeln bei den Banken für EBICS.

Inzwischen ist das Standard-Transportprotokoll dasjenige in der Schweiz mit der grössten Erreichbarkeit von Finanzinstituten. Die Harmonisierung der EBICS-Dialekte durch die neue Version 3.0, der Beitritt der österreichischen Kreditwirtschaft zur EBICS-Gesellschaft und die flächendeckende Ablösung des bisher genutzten proprietären Multi-Bank-Standards machen die Synergieeffekte für die Softwarehersteller speziell in der DACH-Region spürbar. Auch in der Schweiz sind Banken und ihre Softwarepartner daran, proprietäre Protokolle wie Intersystem oder Keyfile sowie SFTP-Implementationen abzulösen.

Breite Erreichbarkeit bei Banken

Inzwischen unterstützen auch viele Regional- und Kantonalbanken EBICS, zumindest für ihre bedeutendsten Kunden. Neben der nun praktisch flächendeckenden Verbreitung von EBICS auf dem Finanzplatz Schweiz zeigen auch die vielschichtigen Anwendungsfälle der Banken die immer grössere Bedeutung des Standards auf.

Inzwischen gehört das Versenden von PDFs via EBICS fast schon zum erweiterten Standardangebot. Als Swift-Gateway- Einlieferungskanal, aber auch bei der Anbindung von externen Partnern, die auf einen leistungsfähigen und sicheren Austausch von Meldungen und elektronischen Dokumenten angewiesen sind, ist EBICS beinahe nicht mehr wegzudenken. Die hohe betriebliche Stabilität und die gute Performance erfüllen auch komplexe Kundenanforderungen. Zum Beispiel aus der Welt der Treuhänder: Sie können mit einem EBICS-Vertrag Tausende von Konten betreuen und pain.001-Dateien managen, die mehr als 30 000 Zahlungsaufträge enthalten. Mit der Verteilten Elektronischen Unterschrift bietet EBICS einen effizienten Schutz gegen betriebliche oder Cyberrisiken. Wie am Beispiel der Entwicklung im deutschen Markt ersichtlich, kann EBICS auch mit neuen Herausforderungen, die eBill for Corporates, Request to Pay oder Instant Payments mit sich bringen, seine Stärken an der Kunde-Bank-Schnittstelle ausspielen.

Die nationalen und internationalen Arbeitsgruppen

Die Harmonisierung der Kommunikationskanäle im Markt wäre ohne adminis­trative Vorarbeiten undenkbar. Vor allem die EBICS-Arbeitsgruppe Schweiz, die hierzulande den Standard pflegt, prüft laufend, wie sich der Standard noch einfacher und attraktiver gestalten liesse. Deren Mitglieder nehmen selbstverständlich wahr, dass sich EBICS als Standardkanal etabliert hat. Sowohl eine weitere Verbreitung als auch neue Verwendungsmöglichkeiten sind absehbar. Die Erfolgsgeschichte prägen insbesondere die engagierten Arbeitsgruppenmitglieder sowie die Softwarebranche und zahlreiche Teilnehmer des Finanzplatzes, die EBICS einsetzen. Gemeinsam schaffen sie Synergien und schlagen dabei eine Brücke zwischen unterschiedlichen Anwendungsgebieten.

Der internationale Fokus auf die Digitalisierung, die Vereinfachung von Prozessen und die kontinuierliche Pflege des Standards ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Arbeit.

Die Balance zwischen Kontinuität und Wandel ist immer wieder eine Herausforderung – auch hinsichtlich der Zusammensetzung der internationalen Arbeitsgruppe. Sowohl Vertreter aus Deutschland als auch aus Österreich sind altersbedingt aus dem Gremium ausgeschieden und neue sind nachgerückt. Auch in der Schweizer Vertretung hat es personelle Veränderungen gegeben. Umso wertvoller war es, dass nach über zwei Jahren Covid-19-Pandemie wieder eine Sitzung physisch stattfinden konnte, um sich kennen zu lernen, Diskussionen zu führen und eine gemeinsame Richtung zu finden. Es hat sich eine engagierte und zukunftsdenkende Gruppe zusammengefunden, die sich der Aufgabe weiterhin gewissenhaft und tatkräftig annimmt.

Alle Ländervertreter waren sich einig, dass die Migration auf EBICS 3.0 schleppend vor sich geht. Dies liegt unter anderem am aktuell grossen Wandel im Finanzmarkt – beginnend beim Versionswechsel des Standards ISO 20022, den der Finanzplatz Schweiz bereits vollzogen hat und der im SEPA-Raum noch ansteht, über die Inkraftsetzung von CBPR+ bis hin zu Themen wie der Verpflichtung, strukturierte Adressen einzusetzen. Die aktuell meistverwendete EBICS-Version 2.5 läuft zuverlässig, was die Firmenkunden zu schätzen wissen. Österreich ist die Ausnahme der Regel. Im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich und der Schweiz ist EBICS in Österreich noch nicht weit verbreitet. Das hat den einfachen Grund, dass dort im November 2023 eine landesweite konzertierte Migration direkt auf EBICS 3.0 geplant ist.

In Deutschland und Frankreich treiben die Finanzinstitute die Umstellung individuell voran. Die Schweiz hat sich für eine graduelle Migration entschieden. Seit 2021 läuft bekanntlich die Parallelphase mit EBICS 2.x und EBICS 3.0.

 

Claus Halbherr, Swisscom Banking, Mitglied der AGr EBICS         

Corinne Bellwald, SIX, Leiterin der AGr EBICS und Schweizer Delegierte in der EBICS Working Group

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