Die QR-Rechnung light im SEPA-Raum

Autor/-in

Peter Ruoss

Veröffentlicht am

7 Dezember 2022

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Anwendung der Implementation Guidelines QR-Rechnung

Der European Payments Council (EPC) hat Leitlinien definiert, wie die Datenerfassung zur Initiierung einer SEPA-Überweisung mit einem standardisierten QR-Code europaweit vereinfacht werden kann. Auf weniger als fünf Seiten beschreibt das Dokument einen Zahlungsauftrag, mit dem die überweisende Partei dank Einscannen des QR-Codes den Zahlungsvorgang auslösen kann.

Vergleichbare Anwendungsfälle

Gemessen an der QR-Rechnung, die auf technischen und fachlichen Spezifikationen im Umfang von satten 150 Seiten beruht, ist der QR-Code des EPC ein Leichtgewicht, eine «QR-Rechnung light» sozusagen. Sie ist zwar direkt mit der Schweizer QR-Rechnung vergleichbar, was die Anwendungsfälle betrifft. Darüber hinaus beschränkt sie sich aber auf das absolute Minimum. So beinhaltet der EPC-Standard keine Vorgaben zur visuellen Gestaltung und verzichtet konsequent auf jegliche für eine Überweisung nicht essenzielle Informationen und Funktionen. Nach Eigenschaften, die beispielsweise der QR-IBAN, der QR-Referenz, dem ursprünglichen Zahler oder den alternativen Verfahren entsprechen, sucht man vergeblich (Tabelle 1).

Ähnlich wie die QR-Rechnung eignet sich der EPC-QR-Code für Anwendungsfälle, bei denen die im QR-Code gespeicherten Überweisungsinformationen auch im Klartext erscheinen. So kann die zahlende Partei die im QR-Code erfassten Daten auf ihre Korrektheit überprüfen.

Für Anwendungsfälle, bei denen die begünstigte Partei der zahlenden Partei am Point of Interaction (z. B. an einem Zahlterminal in einem Geschäft oder im Einkaufswagen eines Online-Händlers) einen QR-Code vorlegt, empfiehlt sich gemäss EPC ein anderer QR-Code: derjenige, der im EPC-Standard «Standardisation of QR Codes for Mobile-Initiated SEPA (Instant) Credit Transfers» beschrieben ist.

Wie bei der QR-Rechnung beginnt gemäss EPC der Prozess damit, dass die begünstigte Partei den QR-Code auf einer Rechnung angibt. Nach Erhalt der Rechnung scannt die zahlende Partei den QR-Code mit dem Smartphone oder einem anderen Endgerät über die entsprechende Funktion in ihrer Zahlungs-/Bankanwendung. Auf diese Weise lassen sich die Zahlungsdetails im QR-Code automatisch in die richtigen Felder der Zahlungsanwendung übernehmen. Bevor die zahlende Partei diese freigibt, prüft sie die Transaktionsdaten in der Zahlungsapplikation, um dann die Zahlung freizugeben.

Um Lichtjahre voraus

Das EPC-Dokument ist rein informativer Natur. Es besteht also keine Pflicht für Rechnungssteller oder Zahlungsdienstleister, den Standard umzusetzen. Dank der flächendeckenden Einführung der QR-Rechnung im Herbst 2022 und der umfangreichen Standardisierung ist die Schweiz den anderen SEPA-Ländern um Lichtjahre voraus. Ob die QR-Rechnung visionär ist, wird sich mit der Zeit herausstellen. Das hängt mitunter auch davon ab, ob der EPC seinen QR-Code über die nächsten Jahre mit ähnlichen Funktionalitäten ergänzen wird.

Tabelle 1: QR-Rechnung und EPC-QR-Code im Vergleich

Tabelle 2: Der EPC-QR-Code

Peter Ruoss
Product Owner Payment Software Partnerships, UBS Switzerland AG

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