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Veröffentlicht am
5 September 2024
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Benötigtes Wissen
Das wollen wir nicht hoffen! Aber gerade, weil gewisse Zweifel bestehen, ist es wichtig, die bisherigen Entwicklungen in der Schweiz genauer zu betrachten: von der Umstellung des Finanzplatzes Schweiz auf die ISO-20022-Meldungen im SIC-System und an der Kunde-Bank-Schnittstelle über die Zusammenführung verschiedener Lösungen zur heutigen eBill-Plattform bis hin zur Einführung der QR-Rechnung. Damit einher gingen die rasche Einführung von EBICS als Standardschnittstelle und die praktisch vollständige Umstellung auf IBAN. Mit Ausnahme von LSV+/BDD, bei denen neben den ISO-20022-Meldungen noch verschiedene alte Formate breit zum Einsatz kommen, basiert der Zahlungsverkehr in der Schweiz fast ausschliesslich auf ISO-Formaten – ISO 20022 für Aufträge und Reports, ISO 19005-3 für PDF/A-3 bei eBill, ISO 13616-2 für die IBAN – oder auf etablierten Industriestandards wie EBICS. Eine der wenigen Ausnahmen ist die seit nunmehr 50 Jahren verwendete Standard Creditor Reference, bei der die Zahlungsparteien nach wie vor überwiegend auf die proprietäre Variante (QRR-Referenz) setzen, obwohl mit der ISO 11649 Structured Creditor Reference eine Alternative zur Verfügung stünde. Aber auch diese hat sich in neue Angebote und Meldungen eingeordnet. Insofern dürfen die Schweizer Akteure mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken.
Auch auf globaler Ebene geht es voran
Die laufende Migration im Swift-Netzwerk auf ISO 20022 für Zahlungen weckt Hoffnungen auf einen weltweiten Schub in Richtung Harmonisierung. Der auch für die Schweiz wichtige Zahlungsraum SEPA hat gezeigt, dass dieser Schub bis zu einem gewissen Grad möglich ist. Der kürzlich angepasste Zeitplan von Swift verdeutlicht jedoch, dass die Umstellung noch Zeit in Anspruch nehmen wird. Für November 2025 liegt der Fokus auf Auftragsmeldungen (z. B. MT103 oder MT202), während Meldungen für Nachforschungen später folgen sollen. Ein Enddatum für die im Zahlungsverkehr ebenso wichtigen Reporting-Meldungen (z. B. MT900/910, MT940/2) ist noch nicht festgelegt. Erfahrungen in der Schweiz zeigen, dass flächendeckende Umstellungen erst die vollen Vorteile und neuen Möglichkeiten nutzen lassen. Dennoch ist die globale Umstellung, insbesondere in einem Netzwerk mit langjährig etablierten Sonderfällen, eine enorme Herausforderung. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben.
Auch die G20-Länder setzen sich für die Vereinfachung des globalen Zahlungsverkehrs ein. Unter der Federführung der BIZ hat das Committee on Payments and Market Infrastructures (CPMI) umfangreiche Massnahmen zur Preissenkung und zum erleichterten Zugang für die Bevölkerung vorgeschlagen. Die Harmonisierung der Anforderungen an Zahlungen auf Datenelementebene sowie in Bezug auf Abwicklung und Verfügbarkeit der Marktteilnehmer ist ein zentrales Ziel. Politik und Regulatoren drängen in diese Richtung. Parallel dazu engagiert sich HVPS+ für die Harmonisierung der zentralen Infrastrukturen und spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Der Preis von Harmonisierung und Regulierung
Harmonisierung und Standardisierung gibt es nicht kostenlos. Standards beschränken die Freiheit der Marktteilnehmer, da sie sich an Regeln halten müssen und nicht frei über Produkteigenschaften entscheiden können. Zudem müssen sie auch Dinge unterstützen, die für sie oder ihre Kundschaft möglicherweise nicht relevant sind. Ein weiteres Hindernis besteht darin, dass lokale oder regionale Regulierungen oft im Widerspruch zu übergeordneten Harmonisierungsbestrebungen stehen.
In Europa greifen bevorstehende Regulierungen, wie die umfassende Instant-Payment-Verordnung, tief in die Angebotsdefinition der Finanzinstitute ein. Dies führt dazu, dass eine SEPA-Zahlung anders abzuwickeln ist als eine andere grenzüberschreitende Zahlung. Die betroffenen Märkte haben daher wenig Anreiz, sich für eine weitere Harmonisierung einzusetzen. Wenn die Anforderungen schon im Kern so unterschiedlich sind, ist es unerheblich, ob sie auch noch unterschiedlich ausgestaltet sind. Regionale Regulatoren können so die globale Harmonisierung behindern.
Der Gewinn von freiwilligem Handeln
In der Schweiz sind wir von einer Überregulierung verschont geblieben. Hier können die Marktteilnehmer relativ frei entscheiden, wann und wie Anpassungen erfolgen. Dennoch wird oft behauptet, vorauseilender Gehorsam und Musterschülertum seien unnötige Kostentreiber. Erfahrungen zeigen jedoch: Je früher etwas erledigt ist, desto schneller kann man sich anderen Dingen zuwenden, zum Beispiel neuen Perspektiven oder Angeboten. Ausserdem hat man mehr Zeit, um gegebenenfalls noch Anpassungen vorzunehmen. Sie sind ja auch gerne ein wenig früher am Bahnhof oder Flughafen, um noch etwas für die Reise einkaufen zu können. Und ist es nicht grossartig, dass die Kundschaft eine sorgfältige und nachhaltige Umsetzung schätzt?
Die Ausrede, dass die Umstellung auf eine neue Meldungsversion oder eine Elementerweiterung nichts bringt, ist falsch. Wenn ich bestimmte Funktionen nicht brauche, ist der Preis der Harmonisierung allenfalls höher. Insgesamt ist es aber günstiger, wenn alle zusammen vorankommen. Zum einen weiss man nie, wann ein neuer Service benötigt wird, zum anderen ist es für alle günstiger, wenn nicht unzählige Versionen parallel laufen. Zu guter Letzt kommt dieser Effizienzgewinn schliesslich allen Marktteilnehmern zugute.
Daher sollten involvierte Parteien den übergeordneten Nutzen der kontinuierlichen Harmonisierung erkennen und pragmatisch, wirtschaftlich und verhältnismässig handeln – wie ein effizienter Musterschüler, dem nicht so schnell die Puste ausgeht.
Martin Walder Head Billing & Payments Standards, SIX
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