POP-Strategie: orchestrierte Zahlungsmodernisierung

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

8 Juli 2026

Lesezeit

Minuten

Die Zahlungsverkehrsinfrastruktur der Banken war lange Zeit kein Investitionsschwerpunkt. Solange sie funktionierte, schien es wenig Grund für eine Modernisierung zu geben. Gleichzeitig wurde sie durch Bankenfusionen und die Integration neuer Technologien immer vernetzter, verflochtener und komplexer. Eine einfache Änderung eines Zahlungsflusses in diesem «Spaghetti-Knoten» kann Auswirkungen auf mehrere andere Services haben. Dies würde Planung, Ausfallzeiten, Neukonfiguration, Tests und weitere notwendige, aber kostspielige und zeitaufwendige Prozesse erfordern. Neue Modernisierungstreiber wie Instant- und Konto-zu-Konto-Zahlungen (A2A) oder neue Standards wie ISO 20022 führen häufig dazu, dass die komplexen Systeme grosse Zahlungsvolumina nicht mehr verarbeiten können. Diese Veränderungen erfordern, dass Banken ihre Systeme an die zentrale Infrastruktur anbinden können. Gleichzeitig fordern die Regulatoren, dass sie ihre Kapazitäten in Bezug auf Volumen, Ausfallsicherheit, Funktionalität und Konsumentenschutz verbessern, um beispielsweise das Betrugsrisiko bei A2A-Zahlungen zu reduzieren.

Payment Orchestration Platforms

All dies und der Wettbewerbsdruck lassen eine Modernisierung sinnvoll erscheinen. Laut Juniper Research bietet die sogenannte Payment Orchestration Platform (POP) mit «Smart Routing» dafür eine Schlüsseltechnologie. E-Commerce-Unternehmen setzen sie bereits ein. POPs können verschiedene Zahlungsmethoden wie Kreditkarten, Wallets, Überweisungen und sogar Kryptowährungen nahtlos integrieren und verwalten. Zahlungsabwickler nutzen diese API-basierten Plattformen, um den Abwicklungsprozess von Händlerzahlungen zu transformieren, insbesondere bei der Koordination von Zahlungen über mehrere Regionen hinweg. Das Ziel ist die Automatisierung von Transaktionen zu den Zahlungsanbietern oder -netzwerken mit den niedrigsten Kosten und den höchsten Autorisierungsraten. Systeme des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz können die Genauigkeit des intelligenten Routings bei der Entscheidungsfindung verbessern. Durch das Sammeln und Analysieren einer grossen Anzahl historischer und Echtzeit-Datenpunkte können sich Routing-Systeme dynamisch an Veränderungen anpassen, indem sie beispielsweise eine Transaktion zu einem anderen Anbieter umleiten, wenn bei einem Anbieter eine Ausfallzeit auftritt. Dieses Routing kann auch Backup-Mechanismen verwenden, um Transaktionsfehler zu vermeiden.

Über den E-Commerce hinaus?

POPs haben aber auch das Potenzial, über den Bereich des E-Commerce hinauszugehen. Sie versprechen, Finanzinstituten bei der Modernisierung ihres Zahlungsverkehrs zu helfen. Orchestrierung zielt darauf ab, einen ereignisgesteuerten Rahmen zu schaffen, der mit allen Systemen verbunden ist und interagiert, die für das End-to-End-Management von Zahlungsströmen erforderlich sind. Die Bank generiert für jeden Input, Output oder jede Entscheidung ein Ereignis, das ihr vollständige Transparenz und Kontrolle über alle Vorgänge im gesamten Zahlungsfluss ermöglicht. Sobald die Bank die Orchestrierung der Zahlungen implementiert hat, kann sie Änderungen an den Zahlungsströmen nahtloser vornehmen, was die Geschwindigkeit erhöht und die Kosten solcher Änderungen erheblich reduziert.

Grand View Research prognostiziert, dass der globale Markt für POPs bis 2030 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 24,7 % auf fast sieben Mrd. US-Dollar wachsen wird.

 

Gabriel Juri
SIX

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