CBDC und Instant Payments: eine Kombination mit Tücken

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

8 Juli 2026

Lesezeit

Minuten

Nigeria ist derzeit das einzige Land, das sowohl ein digitales Zentralbankgeld (CBDC) für die Bevölkerung (Retail) als auch ein Instant Payment System (IP) betreibt. Zu den Hauptmotiven der Central Bank of Nigeria (CBN) für die Einführung von CBDC gehörten die finanzielle Inklusion breiter Bevölkerungsschichten ohne Bankkonto sowie die Steigerung der Effizienz und Robustheit des Zahlungsverkehrs.

Obwohl CBDC und IP viele Gemeinsamkeiten aufweisen, können Unterschiede in den Meldungsstandards und der zugrundeliegenden Technologie zu isolierten und abgeschotteten technologischen Entwicklungen führen. Die CBN weist daher darauf hin, dass die reibungslose technische Interoperabilität beider Systeme innerhalb der bestehenden Zahlungsverkehrslandschaft sicherzustellen ist. Dies scheint eine anhaltende Herausforderung zu sein – zumindest ist in der neuen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nichts Gegenteiliges zu lesen.

Die Erkenntnisse der BIZ basieren auf Interviews mit 13 weiteren Zentralbanken: Bahamas, Brasilien (BCB), Dänemark, EU, Ghana, Indien, Jamaika, Kanada (BoC), Marokko (BAM), Neuseeland (RBNZ), Schweiz (SNB), Südkorea (BoK) und Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (BCEAO). Sieben dieser Zentralbanken – ohne zum Beispiel die SNB – gehen davon aus, dass die beiden Systeme eher nebeneinander als miteinander konkurrieren werden, da sie verschiedene Zwecke erfüllen beziehungsweise unterschiedliche Vorteile bieten. 

Interoperabilität im Nebel

Die Kombination von Retail CBDCs und IPs birgt erhebliche Herausforderungen und Risiken. Insgesamt gaben die befragten Zentralbanken aus der Schweiz und Neuseeland an, dass sie bei der Ausgabe von Retail CBDCs aufgrund ihrer Neuartigkeit vorsichtiger seien, da sie zwar vielversprechende Eigenschaften hätten, aber auch Unsicherheiten mit sich brächten. Einige Befragte gaben auch an, dass es aus Endnutzersicht schwierig sei, die konkreten Vorteile von CBDCs im Vergleich zu IP-Zahlungen zu erkennen. Die marokkanische Zentralbank räumte ein, dass die Gefahr bestehe, dass solche CBDC-Zahlungen andere Initiativen, in die der Bankensektor investiert hat, kannibalisieren könnten, und sah darin einen Grund zur Vorsicht.

Andere Zentralbanken, wie zum Beispiel die südkoreanische, betonen die Notwendigkeit völlig unabhängiger Infrastrukturen, um sicherzustellen, dass bei einem Ausfall eines Systems das andere als Backup dienen kann. Darüber hinaus untersuchen oder entwickeln unterschiedliche Teams manchmal Projekte, die beide Systeme betreffen. Dies kann, so die neuseeländische Notenbank, das Risiko von Koordinationsfehlern weiter erhöhen. Diese Herausforderung wird noch akuter, wenn die beiden Systeme zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingeführt werden. Das kann dazu führen, dass veraltete Designmerkmale und Implementierungsentscheidungen die Interoperabilität behindern.

Die Interoperabilität zwischen den beiden Systemen ist noch wenig erforscht und könnte sowohl zu Effizienzgewinnen als auch zu Kosteneinsparungen führen. Die Interoperabilität grenzüberschreitender Zahlungen ist für mehrere der befragten Zentralbanken von untergeordneter Priorität. Die Bank of Canada wies beispielsweise darauf hin, dass die Arbeit an einem nationalen CBDC zumindest keine Hindernisse für grenzüberschreitende Zahlungen schaffen dürfe. Die indische Zentralbank wiederum betont die Bedeutung der grenzüberschreitenden Interoperabilität nicht nur mit anderen CBDC-Systemen, sondern auch mit traditionellen Zahlungssystemen, insbesondere da sich möglicherweise nicht alle Jurisdiktionen für die Ausgabe von Retail CBDCs entscheiden werden.

Risiken

Allerdings bergen Retail CBDCs im Vergleich zu IP-Systemen neue Risiken, etwa das Verschwinden traditioneller Geschäftsbanken, was zu einer veränderten Nachfrage nach Bankeinlagen und Bankdienstleistungen führen könnte. Technologische und operationelle Herausforderungen wie Cybersicherheit und Geschäftskontinuität sowie die Verknüpfung von Datenschutz mit Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung stellen laut der BIZ-Studie weitere Hindernisse dar. Darüber hinaus können der Aufbau und der Betrieb beider Systeme zu Ressourcen- und Kapazitätsengpässen führen. Die Zentralbanken müssen daher sorgfältig abwägen, wie sie diese Systeme integrieren, um sowohl Innovation als auch Finanzstabilität zu gewährleisten.

Wholesale CBDC im Trend?

Nach sorgfältiger Analyse erwägt die Banco Central do Brasil in naher Zukunft die Einführung eines CBDC-Projekts für Geschäftsbanken oder andere Finanzintermediäre (Wholesale) anstelle eines Retail-CBDC-Projekts, da ihr IP-System nach eigenen Angaben bereits erfolgreich zur Verbesserung der finanziellen Inklusion beigetragen hat. Dieser Aspekt scheint nicht nur in Ländern wie der Schweiz weniger relevant zu sein, in denen die finanzielle Inklusion bereits sehr hoch ist, sondern auch dort, wo Instant Payments gut funktionieren. Offensichtlich findet die SNB Nachahmer, denn sie hat im vergangenen Jahr beschlossen, den bisher erfolgreichen Pilotbetrieb für die integrierte Abwicklung von Transaktionen mit tokenisierten Anleihen auf SDX auf die Wholesale CBDC in Franken auszuweiten.

 

Gabriel Juri
SIX

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