Viele Hände, ein Ziel

Autor/-in

Matthias Hungerbühler Michel Ruch

Veröffentlicht am

5 Dezember 2023

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Kenntnis der Verarbeitung von Instant-Zahlungen
  • Grundlagen der Schnittstellen- und Sicherheitsarchitektur des SIC-Systems

Das Kooperationsvorhaben IP NEZplus zeigt die Synergiepotenziale für Kantonalbanken eindrücklich auf. Acht Banken realisieren dabei gemeinsam Instant-Zahlung in der Schweiz. Auch wenn ein solches Projekt nicht vor unerwarteten Herausforderungen gefeit ist, bietet eine durchdachte Kooperation einen Mehrwert für alle Beteiligten.

Gemeinschaftswerk und Wertschöpfung

IP NEZplus ist eine Erweiterung der seit 2014 bestehenden Arbeitsgruppe NEZ (Neuer Zahlungsverkehr). Der Unternehmensberater PPI Schweiz arbeitet darin regelmässig mit den Kantonalbanken beider Basel (inkl. Bank Cler), aus dem Aargau, Thurgau und St. Gallen an aktuellen Zahlungsverkehrsthemen. Für die Umsetzung von Instant-Zahlung sind zusätzlich die Baloise Bank und die Luzerner Kantonalbank hinzugekommen. Das erfordert eine neue Organisationsstruktur. PPI orchestriert das Gemeinschaftsprojekt und einige Banken, wie beispielsweise die St.Galler Kantonalbank, gehen als Leadbanken in Vorleistung, treffen wichtige Abklärungen, testen Systeme frühzeitig oder prüfen Lieferantenverträge für die Community. Diese Struktur ermöglicht eine effiziente Abstimmung und Kommunikation zwischen den Beteiligten und lässt diese von den Erfahrungen der Peer-Banken profitieren. Weil die Banken eine sehr ähnliche IT-Architektur haben und sich den organisatorischen Projektaufwand teilen, wird das Umsetzungsprojekt für die meisten teilnehmenden Banken signifikant günstiger im Vergleich zu einer eigenständigen Implementierung.

Selbstverständlich ist die hochverfügbare Komponente (Instant Payment Processor) und damit die technische und fachliche Abstimmung mit ihrem Hersteller zentral für die Implementierung von Instant-Zahlung. Der IP Processor stellt sicher, dass sich Zahlungen und entsprechende Reports in der geforderten Zeit abwickeln und auch nachverfolgen lassen. Darüber hinaus bedient er viele weitere Prozesse, die die Umsysteme über definierte Schnittstellen garantieren müssen. Und genau hier liegen die grössten Herausforderungen des Projekts.

Erfolgskriterien

Die geforderte Hochverfügbarkeit aller am Zahlungsverkehr beteiligten Systeme und die vorgegebene maximale Zeitspanne von zehn Sekunden zwischen Auftragserteilung und Gutschrift zwingen die Lieferanten, ihre IT-Komponenten anzupassen beziehungsweise teilweise komplett neu zu denken und zu bauen. Dabei spielen neben technischen Aspekten wie Security, On-Premises vs. Cloud etc. viele weitere Faktoren eine Rolle. Dazu gehören beispielsweise die Inhalte von Transaktionsmeldungen oder neue Lizenzmodelle. Dementsprechend ist für den gemeinsamen Erfolg nicht nur das Fachwissen des Orchestrators im Zahlungsverkehr und im Projektmanagement unerlässlich, sondern auch die Kompromissbereitschaft der Banken.

An der Einführung von Instant-Zahlung sind bei IP NEZplus acht Hauptlieferanten beteiligt – und allein die Organisation und die Abstimmung zwischen den Parteien schafft Berührungspunkte mit rund 100 Personen. Trotz dieser für die Kantonalbanken ungewöhnlichen Projektgrösse erscheint das Community-Projekt richtig und sinnvoll. In einer ersten Phase erhalten die Banken ein Standardprodukt, das sie später optional verfeinern können. IP NEZplus ist auf Kurs und wird spätestens im August 2024 in Produktion gehen.

 

Michel Ruch, IP Project Manager, Cantonal Bank of St. Gallen         

Matthias Hungerbühler, Business Development, PPI Switzerland

Beispielarchitektur einer IP-NEZplus-Bank

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