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Veröffentlicht am
8 Juli 2026
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Benötigtes Wissen
Als Kommunikationsschnittstelle zwischen den SIC-Teilnehmern und dem RTGS-System Swiss Interbank Clearing (SIC) spielen die Servicebüros eine zentrale Rolle im Zahlungsverkehr. Zu ihren Hauptaufgaben gehört es, Zahlungsaufträge zu übermitteln, die Datenintegrität sicherzustellen und die technischen und organisatorischen Vorgaben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) einzuhalten. Diese Büros bestehen seit den 1990er-Jahren und haben sich seither als unverzichtbare Akteure im Schweizer Zahlungsverkehr etabliert.
Im April 2024 publizierte die SNB erstmals detailliert die formalen und fachlichen Anforderungen an die Servicebüros, die die Kommunikationsschnittstellen zum SIC-System betreiben. Zuvor wurden sie im SIC-Handbuch nur vereinzelt zu Einzelthemen erwähnt. Das aktuelle Nachschlagewerk widmet ihnen zwei eigene Kapitel.
Warum dieser Aufwand?
Es ist aus mehreren Gründen sinnvoll, möglichst viele Servicebüros zu haben. Eine grössere Anzahl davon fördert den Wettbewerb, was zu besseren Dienstleistungen und innovativen Lösungen führt. Die SIC-Teilnehmer profitieren davon, weil sie aus einer Vielzahl von Anbietern denjenigen auswählen können, der ihre spezifischen Bedürfnisse am besten erfüllt. Die Verteilung der Kommunikationsschnittstellen auf mehrere Servicebüros minimiert zudem das Risiko von Ausfällen und Sicherheitslücken. Sollte ein Servicebüro technische Probleme haben, können andere einspringen und den Betrieb aufrechterhalten.
Eine grössere Anzahl von Servicebüros erhöht auch die Erreichbarkeit und Flexibilität für die SIC-Teilnehmer. Sie können das Servicebüro wählen, das ihnen geografisch am nächsten liegt oder spezielle Dienstleistungen anbietet, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Verschiedene Servicebüros können sich auf unterschiedliche Aspekte des Zahlungsverkehrs spezialisieren, was zu mehr Effizienz und besserer Servicequalität führt. Die SIC-Teilnehmer erhalten so massgeschneiderte Lösungen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Der Wettbewerb unter den Servicebüros kann zudem zu tieferen Kosten für die SIC-Teilnehmer führen. Dies ist insbesondere für kleinere Banken und Finanzinstitute von Vorteil, die unter Umständen nur über beschränkte Ressourcen verfügen.
Sicherheit und Effizienz
Die SNB hat Anforderungen formuliert, um die Sicherheit und Effizienz des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Schweiz, für den sie den gesetzlichen Auftrag hat, zu gewährleisten. Dazu gehört auch das SIC-System.
Die Anforderungen zielen darauf ab, die Sicherheit der Kommunikationswege und damit des gesamten SIC-Systems zu gewährleisten. Dies ist besonders wichtig, da die Servicebüros als Drittanbieter auftreten und im Auftrag der am SIC-System teilnehmenden Finanzinstitute Transaktionen übermitteln. Damit diese sicher und effizient abgewickelt werden können, müssen sie gewisse Mindestanforderungen erfüllen.
Zu den wichtigsten gehören organisatorische und technische Massnahmen. So müssen Servicebüros über eine eigene Rechtspersönlichkeit verfügen und im schweizerischen Handelsregister eingetragen sein. Zudem müssen sie über eine unabhängige Revisionsstelle verfügen und dokumentierte technische und organisatorische Massnahmen zur Datensicherheit umsetzen. Diese Massnahmen müssen den Anforderungen des Bundesgesetzes über den Datenschutz und den entsprechenden Verordnungen entsprechen.
Instant-Zahlungen
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rolle der kritischen Servicebüros. Diese sind besonders wichtig, da sie sicherstellen müssen, dass der Zahlungsverkehr auch im Störungsfall schnell wieder aufgenommen werden kann. Die Wiederanlaufzeit – d.h. die Zeit, innerhalb derer der Notbetrieb wieder aufgenommen werden muss – ist dabei ein entscheidender Faktor. Kritische Servicebüros müssen in der Lage sein, ihren Betrieb innerhalb kürzester Zeit wieder aufzunehmen, um die Kontinuität des Zahlungsverkehrs zu gewährleisten. Dies gilt insbesondere für Instant-Zahlungen, bei denen Transaktionen in Echtzeit abgewickelt werden und Verzögerungen oder Ausfälle erhebliche Auswirkungen haben können.
Die Vorgaben der SNB sind verbindlich. Alle bereits zugelassenen Servicebüros und neue, die in Zukunft ihre Dienstleistungen anbieten wollen, müssen diese Mindestanforderungen erfüllen. Die SNB hat zudem einen Attestierungsprozess eingeführt, um zu überprüfen, ob die Vorgaben eingehalten werden. Servicebüros, die dies nicht tun, können ihre Bewilligung verlieren. Die strengen Anforderungen und der Zertifizierungsprozess stellen sicher, dass nur vertrauenswürdige und gut organisierte Servicebüros Zugang zum SIC-System erhalten.
Parcours erfolgreich bewältigt
Von den sieben von der SNB zugelassenen und attestierten Servicebüros unterstützen zurzeit sechs den SIC-IP-Service. Das sind Bottomline Technologies DACH, Con-Ex.io Schweiz GmbH, EFiS Swiss AG, Finastra Switzerland, die Hypothekarbank Lenzburg und Worldline.
Worldline ist ein weltweit führender Anbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen und verfügt als Servicebüro für Swift über mehr als 25 Jahre Erfahrung in diesem Geschäft. Sie betreut weltweit rund 50 Kunden mit 90 BIC Codes. Dennoch war die Zertifizierung als SIC-IP-Servicebüro anspruchsvoll. Bereits 2023 startete Worldline ein umfassendes Implementierungsprojekt, damit ihre Grosskunden bis zur Lancierung des SIC-IP-Services im August 2024 Instant-Zahlungen in Schweizer Franken empfangen und verarbeiten können. Banken mit kleineren Volumina müssen zwei Jahre später konform sein. Mit der erfolgreichen Projektumsetzung und der Zertifizierung als SIC-Servicebüro kann Worldline seinen Kunden eine schnelle, belastbare und kosteneffiziente Lösung anbieten. Gleichzeitig stellt seine solide Präsenz in der Schweiz die Einhaltung der Vorschriften der SNB jederzeit sicher und stärkt weiter das Vertrauen in die Dienstleistungen von Worldline.
Technische Bereitschaft
Worldline besitzt bereits eine hochverfügbare und stabile Infrastruktur, die ein Team aus 50 erfahrenen Fachleuten betreibt. Das Unternehmen erkannte jedoch die Notwendigkeit, das Design und die Implementierung seiner Infrastruktur zu überarbeiten, um die neuen SIC-spezifischen Komponenten zu integrieren. Diese sind:
Worldline hat diese Herausforderung im Rahmen eines agilen Projekts und dank der Teamarbeit motivierter Kolleginnen und Kollegen effizient gemeistert. Von der Implementierung der zusätzlichen Infrastruktur bis zur vollständigen Zertifizierung als SIC-IP-Servicebüro dauerte das Projekt knapp ein Jahr.
Der Erfolg dieses Vorhabens ist nicht nur dem Engagement der beteiligten Teams zu verdanken, sondern auch der umfassenden Dokumentation und den von SIX, der Betreiberin der SIC-IP-Infrastruktur, zur Verfügung gestellten Richtlinien. Regelmässige Besprechungen mit SIX und der SNB halfen entscheidend dabei, den Zeitplan einzuhalten. Sie stellten sicher, dass Worldline optimale Lösungen für bestehende und potenzielle Kunden in der Schweiz identifizieren konnte. Worldline nahm dabei eine Doppelrolle ein: als aktiver SIC-IP-Teilnehmer und als unterstützendes Servicebüro für ihre Kunden. Diese Doppelrolle brachte zusätzliche Herausforderungen mit sich, da die Kundenakquisition parallel zum obligatorischen Zertifizierungsprozess stattfand.
Worldline betreibt die aktuelle SIC-IP-Infrastruktur mit zwei aktiven Rechenzentren im Active-Active-Betrieb parallel. Ein entfernter Cold-Backup-Standort ergänzt diese Infrastruktur und übernimmt im Notfall die Kontrolle. Der SIC-IP-Service von Worldline garantiert:
Diese Struktur, die sich durch mehrere Rechenzentren auszeichnet, bildet die Grundlage für eine durchgängige Verarbeitung von Instant-Zahlungen. Darüber hinaus ermöglicht der Anschluss von SIC-IP an Worldline eine einfache und kostengünstige Erweiterung der Anbindung an andere Worldline-Dienstleistungen wie TIPS und RT1, sowie grenzüberschreitende Zahlungslösungen.
Der Weg nach vorn
Angesichts der steigenden Nachfrage nach Instant-Zahlungen ist Worldline stolz darauf, zu den ausgewählten zertifizierten Servicebüros für die Anbindung an SIC-IP zu gehören. Zur Stärkung des Angebots an Dienstleistungen für seine Kunden stellt der Zahlungsdienstleister nun auch die Möglichkeit einer Anbindung an SIC-IP über Swift bereit. Im Rahmen dieser neuen Initiativen bleibt das Unternehmen verpflichtet, die Compliance ihrer Kunden zu gewährleisten, indem sie die Richtlinien, Anforderungen und Empfehlungen der SNB und von SIX einhält.
Das Projektteam von Worldline zeigt sich nach dem Projektabschluss zufrieden und hebt insbesondere die sehr gute Zusammenarbeit mit SIX und SNB hervor. Die klare Führung während des gesamten Prozesses war äusserst wertvoll, und das Engagement und die Unterstützung haben massgeblich zum Projekterfolg beigetragen.
Sharareh Sadri, Projektleiterin Instant Payments & Worldline Service Bureau, Worldline Dave Duizendstra, Product Manager Worldline Service Bureau, Worldline Gabriel Juri, SIX
Focus
KI ist aus dem Bankenalltag nicht mehr wegzudenken. Hochwertige Zahlungsdaten sind entscheidend für massgeschneiderte Erlebnisse und effiziente KI-Anwendungen. Payment Enrichment verbessert die Datenqualität und optimiert wichtige Prozesse.
Experts
Der Standard PCI DSS 4.0 schützt Kreditkartendaten durch erweiterte Sicherheitsmassnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung und risikobasierte Ansätze. Diese Massnahmen erhöhen die Sicherheit und Transparenz im Zahlungsverkehr.
Panorama
Ein einziges Land betreibt sowohl ein CBDC als auch ein Instant Payments-System, um die finanzielle Inklusion und Effizienz zu erhöhen. Unterschiedliche Standards und Technologien erschweren jedoch die Interoperabilität. Einige Länder erwägen stattdessen Wholesale CBDCs.
Talk
Helge Kraas, PPI AG, spricht über künstliche Intelligenz im Zahlungsverkehr. Im Fokus stehen Betrugserkennung, Instant Payments, E-Rechnungen, Request to Pay, personalisierte Finanzdienstleistungen, Regulierung sowie Finanzkriminalität und nachvollziehbare KI-Entscheidungen.
Seit August 2024 bieten über 60 Schweizer Banken Instant-Zahlungen an. Die Verarbeitungszeit ist 1,6 Sekunden. Die Transaktionen erreichten im September hohe fünfstellige Zahlen pro Tag. Die meisten Zahlungen erfolgen während der Geschäftszeiten. Anwendungsfälle sind noch begrenzt.
5 Dezember 2024
Die Roadmap für den Schweizer Zahlungsverkehr enthält wichtige Termine und Entwicklungen, wie die Einführung der hybriden Adresse und die Migration auf die SIC5-Plattform. Sie dient als Planungsleitfaden für Finanzinstitute und berücksichtigt internationale Standards und Entwicklungen.
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