ETFs einfach erklärt: Was Privatanlegende wissen müssen

ETFs einfach erklärt: Was Privatanlegende wissen müssen

Ob für die Altersvorsorge oder als erster Schritt an die Börse: ETFs gehören heute zu den beliebtesten Anlageinstrumenten für Privatanlegende. Sie vereinen Diversifikation, niedrige Kosten und Flexibilität in einem Produkt. Doch was genau steckt dahinter? Wie funktionieren ETFs im Detail und worauf sollten Anlegende bei der Auswahl achten?

Key Summary

Ob für die Altersvorsorge oder als erster Schritt an die Börse: ETFs gehören heute zu den beliebtesten Anlageinstrumenten für Privatanlegende. Sie vereinen Diversifikation, niedrige Kosten und Flexibilität in einem Produkt. Doch was genau steckt dahinter? Wie funktionieren ETFs im Detail und worauf sollten Anlegende bei der Auswahl achten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der in der Regel einen Index wie den SMI oder S&P 500 nachbildet, statt aktiv einzelne Titel auszuwählen. 

  • Mit einem einzigen Kauf investieren Sie automatisch in viele Unternehmen gleichzeitig und streuen so Ihr Risiko (Diversifikation).  

  • ETFs punkten im Gegensatz zu klassischen Fonds mit niedrigen Kosten, hoher Transparenz und ganztägiger Handelbarkeit an der Börse.

  • SIX eröffnete bereits im Jahr 2000 eines der ersten ETF-Segmente Europas. Heute sind an der Schweizer Börse über 2’600 ETFs von mehr als 30 Anbietern gelistet.

  • Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf Kostenquote (TER), Fondsgrösse, Replikationsmethode und zugrunde liegenden Index.

Was ist ein ETF?

Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist eine besondere Art von Investmentfonds, der sich ähnlich wie eine Aktie an der Börse handeln lässt. Er bündelt viele einzelne Wertpapiere in einem einzigen «Korb», zum Beispiel Aktien unterschiedlicher Unternehmen oder Anleihen verschiedener Staaten. Investieren Sie in diesen ETF, erwerben Sie Anteile an diesem Bündel. Dadurch profitieren Sie von einer breiten Risikostreuung.

Die bekanntesten ETFs bilden einen namhaften Index nach, etwa den SMI, den S&P 500 oder den DAX. Steigt der Index, steigt auch der Wert des ETFs. Fällt der Index, sinkt der Wert entsprechend.

Ein Beispiel: Im Swiss Market Index (SMI) sind die 20 grössten Schweizer Unternehmen enthalten, darunter Nestlé, Novartis und Roche. Ein ETF bildet diesen Index nach und kauft die enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung. So müssen Sie nicht jede Aktie einzeln kaufen. Ein einziger ETF-Anteil genügt, um an der Entwicklung aller im Index enthaltenen Titel teilzuhaben.

Wie alle Investmentfonds sind ETFs kollektive Kapitalanlagen mit professioneller Verwaltung. In ihren Domizilländern unterliegen sie einer strengen regulatorischen Aufsicht. Ein wesentliches Merkmal ist das Sondervermögen. Die Gelder der Anlegenden werden strikt von den Eigenmitteln der Fondsgesellschaft getrennt verwaltet und sind dadurch besonders geschützt. Zudem ist die Zusammensetzung eines ETFs meist täglich auf der Website des Anbieters einsehbar. Das sorgt für hohe Transparenz.

Wie unterscheiden sich ETFs von klassischen Fonds?

Der traditionelle Unterschied zwischen ETFs und klassischen Anlagefonds bestand lange im Managementstil. ETFs bildeten meist passiv einen Index nach, während klassische Fonds aktiv verwaltet wurden. Heute gibt es jedoch sowohl passive als auch aktive ETFs. Ein wesentlicher Unterschied liegt daher in der Struktur. ETFs werden in der Regel fortlaufend an der Börse gehandelt. Klassische Fonds können hingegen meist nur einmal täglich zum Nettoinventarwert (NAV) gekauft oder verkauft werden.

Merkmal ETF Klassischer Fonds
Managementstil Passiv oder aktiv Passiv oder aktiv
Kosten Meist niedrig Meist höher aufgrund des aktiven Managements
Handel Ganztägig an der Börse Meist nur einmal täglich zum NAV
Transparenz Oft höher Oft geringer
Ziel Index nachbilden oder aktiv Mehrwert erzielen Index nachbilden oder aktiv Mehrwert erzielen

Besonders praktisch ist, dass sich mit nur einem ETF ein breites Portfolio aufbauen lässt. Viele Menschen nutzen ETFs daher für den langfristigen Vermögensaufbau, etwa über einen Sparplan mit regelmässigen Einzahlungen. Die Wertentwicklung setzt sich aus Kurssteigerungen und Dividenden zusammen. Je nach Art des ETFs werden die Dividenden direkt an die Anlegenden ausgeschüttet oder automatisch wieder angelegt. Eine Wiederanlage unterstützt den Zinseszinseffekt.

Unterschiede zwischen aktiv und passiv gemanagten ETFs

ETFs gibt es grundsätzlich in zwei Varianten: aktiv gemanagte und passiv gemanagte Fonds.

Stellen Sie sich vor, Sie möchten nicht nur den gesamten Markt über einen Index wie den SMI abbilden. Stattdessen möchten Sie gezielt in Unternehmen mit bestimmten Eigenschaften investieren. Ein Smart-Beta-ETF macht genau das. Er wählt Aktien nach klaren Regeln aus, etwa von Unternehmen mit stabilen Gewinnen, einer günstigen Bewertung, einem starken Kursmomentum oder geringer Volatilität. Ein klassischer Index bildet Unternehmen gemäss ihrer Grösse ab. Ein Smart-Beta-ETF investiert dagegen gezielt nach den ausgewählten Faktoren. So bleiben die Kosten- und Transparenzvorteile eines ETFs erhalten. Gleichzeitig besteht die Chance, langfristig eine höhere Rendite zu erzielen oder das Risiko zu senken.

Was ist der Unterschied zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs?

Ausschüttende ETFs zahlen erwirtschaftete Erträge wie Dividenden oder Zinsen regelmässig direkt auf Ihr Konto aus. Die Auszahlung erfolgt beispielsweise jährlich, halbjährlich oder quartalsweise. Thesaurierende ETFs hingegen behalten diese Erträge im Fonds und legen sie automatisch wieder an. Dadurch profitieren Sie vom Zinseszinseffekt, erhalten aber keine regelmässigen Auszahlungen. Welche Variante besser passt, hängt von Ihren Prioritäten ab. Entscheidend ist, ob Sie laufendes Einkommen oder den langfristigen Vermögensaufbau bevorzugen.

Ob ein ETF ausschüttend oder thesaurierend ist, lässt sich oft bereits am Fondsnamen erkennen. Die Zusätze «Dist» (Distributing) oder «A-dis» stehen für ausschüttende ETFs. «Acc» (Accumulating) weist auf einen thesaurierenden ETF hin.

Was ist der Unterschied zwischen physischen und synthetischen ETFs?

Physische ETFs kaufen die dem Index zugrunde liegenden Wertpapiere direkt. Bei der vollständigen physischen Replikation investiert der ETF entsprechend ihrer Gewichtung in alle Titel. Bei der optimierten physischen Replikation investiert er nur in eine Auswahl. Das hält die Kosten bei sehr grossen Indizes niedrig. Synthetische ETFs bilden den Index stattdessen über Derivate nach, meist über Swaps mit einer Bank. Dies ist oftmals kostengünstiger. Allerdings entsteht ein Gegenparteirisiko, das gesetzlich auf maximal 10 % des Fondsvermögens begrenzt ist.

Anlageklassen im Überblick

ETFs können in unterschiedliche Anlageklassen investieren, die sich hinsichtlich Chancen und Risiken deutlich unterscheiden:

  • Aktien-ETFs: investieren in Unternehmensanteile und bieten Wachstumschancen bei höheren Kursschwankungen

  • Anleihen-ETFs: investieren in Staats- oder Unternehmensanleihen, meist stabiler und mit regelmässigen Zinszahlungen

  • Geldmarkt-ETFs: investieren in kurzfristige, sichere Geldanlagen mit geringer, aber sehr stabiler Rendite 

  • Rohstoff-ETFs: investieren in Gold, Öl oder Agrarrohstoffe und bieten zusätzliche Diversifikation

Die Kosten eines ETFs: TER verstehen

Die Total Expense Ratio (TER) zeigt die laufenden jährlichen Kosten eines ETFs in Prozent des Fondsvermögens. Sie wird im Factsheet meist im Abschnitt mit den Fondsdaten oder Kennzahlen aufgeführt. Die TER umfasst unter anderem die Kosten für Verwaltung, Administration und Vertrieb des Fonds. Eine TER von 0,15 % bedeutet, dass dem Fondsvermögen jährlich Kosten von 0,15 % belastet werden.

Was ist mit Spread gemeint?

Neben der TER können beim Kauf und Verkauf eines ETFs weitere, weniger sichtbare Kosten entstehen. Dazu gehört insbesondere der Spread.

Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis (Briefkurs) und dem Verkaufspreis (Geldkurs) eines ETFs an der Börse. Ein enger Spread bedeutet geringere Handelskosten, ein weiter Spread entsprechend höhere. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Liegt der Geldkurs bei CHF 100.00 und der Briefkurs bei CHF 100.20, beträgt der Spread CHF 0.20 beziehungsweise 0,2 %. Der Spread ist typischerweise am engsten, wenn auch die zugrunde liegenden Wertpapiere gehandelt werden. Bei einem US-Aktien-ETF ist dies ab 15.30 Uhr Schweizer Zeit der Fall. Wählen Sie ETFs mit hohem Handelsvolumen und kaufen Sie zu Zeiten hoher Handelsaktivität. Auch Limit-Orders helfen, die Spread-Kosten gering zu halten.

So wählen Sie den passenden ETF aus

  • TER prüfen: je niedriger die Gebühr, desto mehr Rendite bleibt langfristig übrig
  • Index verstehen: wissen, welchen Markt oder welche Branche der ETF abbildet

  • Fondsgrösse prüfen: grössere, liquide ETFs sind meist einfacher handelbar

  • Replikationsmethode beachten: physische und synthetische Replikation haben jeweils Vor- und Nachteile 

  • Anbieter vergleichen: etablierte Anbieter bieten oft mehr Transparenz und Stabilität

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