Auf der Zielgeraden – Testumgebungen für SIC5

Autor/-in

Bruno Kudermann

Veröffentlicht am

1 Juni 2023

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Vertrautheit mit den Interbank-Zahlungsprozessen
  • Kenntnis des SIC-IP-Service-Handbuchs

Am 3. Juli 2023 ist es so weit. Das Projekt SIC5 liefert den ersten Beweis, dass Instant-Zahlung in der Schweiz im Kommen ist – zwar noch nicht für die Endkundschaft, aber für die Systemteilnehmer und Kernbankensoftwareanbieter im Testsystem. Monatelang liefen die internen Tests bei SIX auf Hochtouren, um diese wichtige Zwischenetappe zu erreichen. Die grösste Herausforderung für die Teilnehmer am SIC-IP-Service ist der sehr kurze «Lebenszyklus» einer Instant-Transaktion. Die Empfängerseite muss innert weniger Sekunden klären, ob sie eine Zahlung akzeptiert oder nicht, und gleichzeitig eine Bestätigung auslösen. Das ist – in Kombination mit dem 24/7/365-Betrieb – anspruchsvoll. Rückmeldungen der Teilnehmer zeigen jedoch, dass entsprechende Lösungen vorhanden sind.

Der virtuelle Teilnehmer

Unterstützung bietet dabei eine neue Funktion des Testsystems. Sie stellt den Empfängerbanken bei Bedarf einen virtuellen Teilnehmer zur Seite, mit dem sich unterschiedliche Testszenarien jederzeit durchspielen lassen. Das ist gerade dann hilfreich, wenn sich kein Testpartner finden lässt, um sich bilateral abzustimmen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, eine akzeptierte Zahlung an die Senderbank zu bestätigen.

Eine mögliche Testreihenfolge:

  1. Konformitätsprüfung der Meldungen
    Mit dem Validierungsportal Interbankmeldungen erfolgt offline die fachliche Validierung von Instant-Zahlungsmeldungen
  2. Erreichbarkeit sicherstellen
    Viele Teilnehmer fokussieren darauf, primär die vorgegebene Erreichbarkeit zu testen. Dazu müssen sie Testpartner haben, die ihnen Zahlungen senden können. Lässt sich dafür kein Testpartner finden, hilft der virtuelle Teilnehmer weiter. Dieser sendet die benötigten Testzahlungen – und dies auch noch individualisiert. So kann die Empfängerbank den virtuellen Teilnehmer via CSV-Upload mit eigenen IBANs, Kundennamen oder weiteren Elementen füttern. In seiner gutzuschreibenden Rolle kann der Teilnehmer individuelle Zahlungen an sich selbst auslösen und damit entsprechende Testszenarien aufsetzen.
  3. Senden von Instant-Zahlungen
    Auch bei Zahlungsausgängen kann der virtuelle Teilnehmer nützlich sein. Er nimmt eine Instant-Zahlungsüberweisung entgegen und antwortet darauf, je nach Wunsch, mit einer positiven beziehungsweise negativen Rückmeldung, einem «Reason Code». Falls erforderlich, reagiert er gar nicht.

Testoptionen

Whitelisting

Ein oft festgestelltes Problem bei Tests ist der Einsatz produktiver Daten in der falschen Testumgebung. Ein «Whitelisting» sorgt dafür, dass das nicht mehr passieren kann. Will ein Teilnehmer eine Kundenzahlung an einen anderen senden, muss er in seinen Stammdaten hinterlegen, dass der andere Teilnehmer ihm Zahlungen senden darf. Dies reduziert das Risiko deutlich, ungewollt falsche Daten zu erhalten.

Um Meldungen grundsätzlich auslösen zu können, bietet SIX die Option «Validate only». Hier können alle Teilnehmer am SIC-IP-Service adressiert werden, da die Verrechnung nur simuliert wird. Die Antwort bei einer korrekten Zahlung ist eine Ausführungsbestätigung – so, als ob die Zahlung verrechnet worden wäre.

Softwarehäuser als SIC-Teilnehmer

Damit Kernbankensoftwarehersteller die Fähigkeit ihrer Produkte für Instant-Zahlungen direkt testen können, sind sie für die Testumgebungen zugelassen. Die Aufschaltung erfolgt analog zu den Finanzinstituten als Standardteilnehmer. Sie können daher alle Instant-Zahlungsarten (auch Kundenzahlungen) auslösen und empfangen. Voraussetzung sind eine entsprechende SIC-Schnittstelle und der Nachweis eines Testbedarfs.

Bankenstamm und Abwahl von Kundenzahlungen

Die Teilnahme am SIC-IP-Service wird natürlich auch im Bankenstamm in der neuen Version 2.1 publiziert. Diese gilt ab 18. November 2023. Gleichzeitig wird der schon etwas in die Jahre gekommene Bankenstamm entstaubt und als Version 3.0 neu herausgegeben. Diese Version löst im November 2025 die Version 2.1 ab.

Der SIC-IP-Service bringt eine weitere Neuerung mit sich. Bisher konnte ein SIC-Teilnehmer immer davon ausgehen, dass er an andere Teilnehmer alle Arten von Zahlungen senden kann. Dies ändert sich ab November 2023, da Teilnehmer Kundenzahlungen abwählen können. Diese Funktion betrifft aber nicht nur den Teilnehmer, der dies aktiviert. In der Folge können alle anderen Teilnehmer keine Kundenzahlungen mehr (egal ob instant oder nicht) an solche Teilnehmer senden. Daher wird diese Information ebenfalls im Bankenstamm oder in den Stammdatenmeldungen (reda.017) des SIC-RTGS-Services publiziert.

Onboarding

Das Anmeldefenster für die Teilnahme ist beinahe geschlossen. Ende Juni läuft auch die Frist für Teilnehmer ab, die Instant-Zahlung in der Phase 1 (per August 2024) freiwillig nutzen werden. Die Anmeldungen zeigen, dass diese Institute über 98 % des Kundenzahlungsverkehrs abwickeln. Somit ist ab August 2024 eine flächendeckende Erreichbarkeit für Instant-Zahlung gegeben. Sehr erfreulich ist, dass bereits heute mehr als die Hälfte der Teilnehmer planen, Instant-Zahlungen zeitnah auch senden zu wollen.

 

Bruno Kudermann
Senior Product Manager, SIX

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