Die baldige Revision von ISO 20022

Autor/-in

Martin Walder

Veröffentlicht am

7 Dezember 2022

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Kenntnis des ISO-20022-Standards
  • Vorwissen über Datenstrukturen und -formaten

Die einzige Konstante ist bekanntlich der Wandel. Das gilt auch für die 20022-ISO-Standards, die einer regelmässigen Überprüfung bedürfen. Für gewöhnlich entscheiden die für den jeweiligen Standard zuständigen Gremien alle fünf Jahre, ob ein solcher revidiert oder erweitert werden soll. Als 2018 der systematische Review von ISO 20022 anstand, war die für die Standards verantwortliche Gemeinschaft der Meinung, dass keine Revision nötig sei. Jetzt, nach dem weltweiten Siegeszug von ISO 20022, zeigt sich, dass es viele offene Fragen zu den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gibt. Eine Study Group hat dies untersucht und einige Themen vorgeschlagen, die künftig vertieft untersucht werden sollen.

Anpassungen unerlässlich

Fest steht schon heute, dass eine Erweiterung der Anwendung in der aktuellen Version möglich ist und dass es einiger technischer Anpassungen bedarf. Dem widmet sich die Technical Support Group (TSG) – Leiter ist der Autor dieses Beitrags. Ein Thema beschäftigt sich damit, wie der sogenannte Standards Envelope die Klammer um den «Business Application Header» und die jeweiligen ISO-20022-Meldungen wie beispielsweise pacs.008 bilden soll. Ein weiteres Thema ist, ob und wie die Verwendung von JSON als Datenformat zu regeln ist. JSON ist heute in der Applikationsentwicklung allgegenwärtig und findet insbesondere in der API-Welt Verwendung. Da seit diesem Jahr API-Ressourcen unter ISO 20022 registriert werden können, stellt sich automatisch die Frage, ob nicht auch die Grundsätze für eine effiziente Verwendung von JSON festgelegt werden sollten. Dies wäre eine wichtige Ergänzung für die Anwendung des Standards. Die TSG hat bis Ende 2023 Zeit, diese und andere fachliche Fragen zu erörtern und gegebenenfalls umzusetzen. Die Entscheidung liegt bei der ISO 20022 Registration Authority (RA) als Hüterin des Standards. Sie publiziert die Ergebnisse der Diskussionen fortwährend auf iso20022.org, wie auch beim Prozess zur Einreichung von API-Ressourcen.

API, JSON und andere Herausforderungen

Den eigentlichen Reviewprozess, also die Redaktion der aus acht Teilen und mehreren hundert Seiten bestehenden Standards bis zur fertigen Publikation, übernimmt die speziell dafür geschaffene Working Group unter der Leitung einer Vertreterin des ISO-Mitgliedlandes China. Eine allfällige neue Version ist 2025 zu erwarten. Die Aufgabe der Working Group ist äusserst anspruchsvoll und umfasst die Erweiterung der Modellierung von Meldungen und von API-Ressourcen. Auch die Art und Weise, wie der Standard mit Auszeichnungssprachen (beispielsweise XML oder JSON) umgehen soll, ist auf der Traktandenliste. Aktuell sind XML und ASN.1 beziehungsweise deren Anwendung Teil des Standards. Soll JSON dort integriert werden, ist mit einem langwierigen Prozess zu rechnen, zumal dieses Datenformat in der Anwendungspraxis weit weniger gefestigt ist als die von XML. Deshalb sollen andere Optionen geprüft werden. Ausserdem wird die bessere Einbindung von anderen ISO-Standards im Metamodell von ISO 20022 thematisiert. Eine weitere Herausforderung ist die Entwicklung eines Konzepts, das es ermöglicht, Meldungen schneller oder nur zu Teilen anzupassen, ohne dass die gesamte Nutzergemeinschaft eine neue Version des Standards umsetzen muss. Als Blaupause könnten die Konzepte aus der Kartenwelt dienen. Zu guter Letzt soll die Revision auch dazu Antworten liefern, wie die RA den Arbeitsaufwand, der mit der immer häufigeren Nutzung von ISO 20022 einhergeht, so effizient und effektiv wie möglich bewältigen kann.

Die schweizerische Standards-Gemeinschaft ist in allen ISO-20022-Gremien prominent vertreten. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass sie diesbezüglich Pionierarbeit geleistet hat und die Verwendung von ISO-20022-Meldungen hierzulande seit vielen Jahren insbesondere im Zahlungsverkehr fest verankert ist. Jede Versionsänderung hat deshalb früher oder später einen bedeutenden Einfluss auf die Swiss Payment Standards, die hiesigen Marktpraktiken sowie schliesslich auf die Angebote, Anwendungen und Implementationen aller Markteilnehmer.

 

Martin Walder
Head Billing & Payments Standards, SIX

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