Design von grenzüberschreitenden CBDCs

Autor/-in

Benjamin Müller Loriana Crasnic Shajinthavy Thambiah

Veröffentlicht am

7 Dezember 2022

Lesezeit

Minuten

Trotz Digitalisierung und Innovationen im Zahlungsverkehr über die letzten Jahre sind grenzüberschreitende Zahlungen nach wie vor teuer, langsam und intransparent. Die G20 hat deshalb ein mehrjähriges Programm mit 19 Bausteinen entwickelt, um grenzüberschreitende Zahlungen zu verbessern. Baustein 19 befasst sich mit digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) als mögliche Lösung. Ein kürzlich erschienener Bericht (BIS 2022) verweist auf zwei wichtige CBDC-Design-Entscheide für deren grenzüberschreitende Fähigkeit: die Definition des Zugangs zu CBDCs und die Interoperabilität von CBDC-Systemen.

Bei der Definition des Zugangs unterscheidet der Bericht zwischen CBDCs für Finanzinstitute (wholesale CBDCs, kurz wCBDCs) und für die breite Öffentlichkeit (retail CBDCs oder rCBDCs). Beim wCBDC-Zugang für ausländische Institute werden drei Modelle betrachtet: kein Zugang zu CBDCs, Zugang via inländische Intermediäre oder direkter Zugang. Bei rCBDCs ist ein direkter Zugang für nicht ansässige Personen (Touristinnen und Touristen, Flüchtlinge etc.) oder ein Zugang via Finanzintermediäre denkbar.

Zur Sicherstellung der Interoperabilität von CBDC-Systemen unterscheidet der Bericht zwischen drei Ansätzen: die Verwendung gemeinsamer Standards (z. B. ISO), um Kompatibilität zu gewährleisten, die Verknüpfung der Systeme durch technische und vertragliche Vereinbarungen, die beispielsweise den Datenaustausch erleichtern könnten, sowie die Schaffung einer Multi-CBDC-Plattform mit gemeinsamer technischer Infrastruktur und gemeinsamen Regeln. Grundsätzlich gilt: je offener der Zugang und je interoperabler das System, desto besser die grenzüberschreitenden Fähigkeiten der CBDCs. Allerdings bringen die beschriebenen Zugangs- und Interoperabilitätsmodelle Kosten-Nutzen-Abwägungen mit sich. Kompromisslösungen könnten beispielweise ein beschränkter Zugang zu CBDCs, dafür aber die Sicherstellung von Interoperabilität des Systems sein. Dies, um beispielsweise negative Spillover-Effekte durch Kapitalabflüsse in die CBDCs oder Währungssubstitution einzuschränken. Vor diesem Hintergrund wird es voraussichtlich keine einheitliche Lösung für alle Zentralbanken geben, sollten Zentralbanken CBDCs grossflächig einführen.

 

Loriana Crasnic, Shajinthavy Thambiah and Benjamin Müller
Schweizerische Nationalbank

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