CGI in Verzug und die Auswirkungen auf die Schweiz

Autor/-in

Martin Walder

Veröffentlicht am

8 März 2024

Lesezeit

Minuten

Benötigtes Wissen

  • Vertiefte Kenntnis des ISO-20022- und des Swift-FIN-Standards
  • Vertrautheit mit den Swiss Payment Standards

Die Initiative Common Global Implementation (CGI) hat zum Ziel, die verschie­denen Implementierungen im Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen und Banken zu vereinfachen, indem sie die Akzeptanz von ISO 20022 XML fördert. Wer auf die für November 2023 angekündigte Publikation der CGI-Guidelines für die Kunden-Bank-Schnittstelle der neuen ISO-20022-Meldungsversionen gewartet hat, wurde enttäuscht. Denn die ursprünglich für November 2022 angekündigte Publikation der entsprechenden Guidelines, die aufgrund des verzögerten Starttermins der Migration auf ISO-20022-Meldungen im Swift-Netzwerk ebenfalls verschoben wurde, liegt noch nicht vor. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da es sich bei CGI um ein sehr ambitioniertes Projekt handelt. Ziel ist es, international tätige Unternehmen mit einer breiten Marktpraxis dabei zu unterstützen, ihren Zahlungsverkehr in einem einheitlichen Format abzuwickeln. Warum nun diese erneute Verzögerung?

Zum einen ist sicherlich die mangelnde Nachfrage ein Grund. Die aktuelle Version ist nach wie vor für alle Geschäftsfälle geeignet und solange die Banken nicht mehrheitlich auf die ISO-20022-konformen MX-Meldungen im Swift-Netzwerk umgestellt haben, bringt die neue Version keinen Mehrwert. Hinzu kommt noch die bereits erwähnte Verschiebung des Umstellungsstarts für Swift auf März 2023 und die Verschiebung für SEPA auf März 2024. Zudem hat Swift nun beschlossen, ab November 2025 einen neuen strukturierten Adresstyp – die sogenannte hybride Adresse – einzuführen, der für die an einer Zahlung beteiligten Parteien relevant ist.

Grenzüberschreitende Zahlungen versus Inlandzahlungen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist ebenfalls noch nicht abschliessend geklärt. Es gibt Marktteilnehmer, für die CGI in erster Linie grenzüberschreitende Zahlungen abdeckt. Für nationale Zahlungen sollten die Regeln des Heimatlandes gelten. Andere sind der Meinung, dass CGI auch Inlandzahlungen ermöglichen sollte, damit es insbesondere für international tätige Unternehmen einfacher wird, Zahlungsaufträge von einem zentralen System aus in möglichst vielen Ländern und Netzwerken abzuwickeln. Diese Frage ist auch für die Schweizer Community von grosser Bedeutung. Denn mit der QR-Rechnung haben wir eine Zahlungsart, die den hiesigen Markt klar dominiert und rund zwei Drittel der Zahlungsaufträge abdeckt. Aber es ist ganz klar eine nationale Umsetzung und die notwendigen Elemente werden nicht von allen Märkten unterstützt. Es wird also darauf ankommen, ob mit CGI auch Zahlungsaufträge mit QR-Referenzen möglich sein werden. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass die Swiss Payment Standards (SPS) bereits die drei wichtigsten Netzwerke abdecken: die Schweizer RTGS-Systeme SIC/euroSIC, SEPA und CBPR+. Somit besteht in der Schweiz kein dringender Bedarf für eine eigenständige Praxis, die nur grenzüberschreitende Zahlungen via Swift, also CBPR+, umfasst.

Das bisher Beschriebene bezieht sich auf die Auftragserteilung, d. h. auf die CGI-Guidelines für den pain.001 und den pain.002. Ebenso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger für die Automatisierung der Geschäftsabwicklung, ist das Reporting. Und hier steht den Marktteilnehmern im internationalen Kontext ein weitaus grösserer Schritt bevor. Während in der Schweiz die Durchdringung des Reporting mit camt.05 x-Meldungen mittlerweile sehr hoch ist und auch viele Anwendungsfälle bereits auf die umfangreicheren Daten angewiesen sind, dominiert bei der Bewirtschaftung im weltweiten Kontext immer noch MT940/942. Während im globalen Multi-Banking-Ansatz die Marktteilnehmer Kontoinformationen über Swift FIN, also mit den MT940-Definitionen von Swift, einfach und kostengünstig empfangen können, haben verschiedene nationale Märkte beziehungsweise einzelne Banken zusammen mit ihren Softwarepartnern ausgefeilte Codierungen für MT940 entwickelt, die bereits jetzt einen hohen Automatisierungsgrad erlauben. Im Gegensatz zu pain.001/002, gibt es für camt.05x auch keine Vorgaben im SEPA-Raum.

Fragen über Fragen

Für eine erfolgreiche Umstellung auf ISO-20022-Meldungen für das Reporting müssen die internationalen Standardisierungsgremien daher noch einige Vorarbeiten leisten und klären, was die Basis für solche Implementation Guidelines sein soll. Werden sie die auf den Interbankenverkehr ausgerichteten CBPR+-Guide­lines um Kundenaspekte erweitern? Wird der European Payments Council neue Reporting-Vorgaben für SEPA herausgeben? Was genau wird der Anwendungsbereich der zukünftigen CGI-Guidelines sein? Werden nur Zahlungsein- und ausgänge oder auch andere Transaktionen beschrieben?

Für die Schweizer Marktteilnehmer wird entscheidend sein, inwieweit sich die nationalen Besonderheiten auch mit CGI-Meldungen abbilden lassen und wie gross der Unterschied zu den SPS-Guidelines sein wird. Die SPS verwenden be­reits heute möglichst offene Schemata. Die Herausforderung liegt weniger auf der Meldungsebene, sondern eher in möglichen Unterschieden in der Belegung von Elementen, in Validierungen und in strengeren Regeln bezüglich der Verbindlichkeit von an sich optionalen Elementen. Wir stellen bereits heute fest, dass die in der Schweiz tätigen Auslandbanken Mühe haben, die SPS-Vorgaben zu erfüllen. Und mit der Erweiterung des Zeichensatzes, abgestimmt auf die Entwicklung in den amtlichen Registern der Schweiz, kommt eine weitere Ergänzung hinzu, die international noch nicht nachvollzogen wurde. Nicht alles davon müssen wir in der Schweiz in die CGI-Guidelines übernehmen, es sei denn, es ist für die End-to-End-Verarbeitung zwingend notwendig, wie zum Beispiel die QR-Referenz.

Ziel der Schweizer Vertreter in den CGI-Arbeitsgruppen ist es, einerseits die CGI-Guidelines national zu unterstützen und andererseits keine Widersprüche zu den bewährten und vor allem breit implementierten SPS-Guidelines zu schaffen. Im November 2025 endet die

Parallelphase und wir werden uns nur noch auf die neuen ISO-20022-Meldungsversionen stützen. Banken können ihren Kundinnen und Kunden zwar weiterhin anbieten, auch die herkömmlichen Meldungsversionen zu nutzen. Wir können dann aber nicht mehr sicherstellen, dass alle Anwendungsfälle durchgängig abgedeckt sind. Dies gilt auch für bestehende CGI-Angebote. Die Zeit für eine Umstellung wird also immer knapper.

 

Martin Walder
Head Billing & Payments Standards, SIX

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