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Veröffentlicht am
6 Juni 2024
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Benötigtes Wissen
Harmonisierung und Interoperabilität haben sich in den letzten Jahren als allgegenwärtige Begriffe im Zahlungsverkehr etabliert. Der globale Meldungsstandard ISO 20022 hat den Übergang von der blossen Absichtserklärung zur praktischen Umsetzung geschafft.
Erscheint die Reise mit ISO 20022 schon im Rückspiegel oder erstreckt sie sich noch vor uns? Um die Antwort vorwegzunehmen: Die Reise ist sicher noch nicht zu Ende.
Meilensteine der Einführung von ISO 20022 in der Schweiz
Ein Rückblick auf die wichtigsten Meilensteine der Einführung von ISO 20022 aus Sicht der systemisch relevanten Schweizer Finanzmarktinfrastruktur Swiss Interbank Clearing (SIC) ist angebracht.
Bereits Ende 2009 erhielt die Betreiberin SIX Interbank Clearing AG den Auftrag, ein Konzept für eine zukunftsgerichtete Architektur des SIC-Systems zu entwickeln. Eine der grundlegenden Anforderungen war die konsequente Ausrichtung auf den ISO-20022-Meldungsstandard. Dies legte den Grundstein für die Initiative zur Migration des Zahlungsverkehrs in der Schweiz.
Das Umsetzungsprojekt der vierten SIC-Generation begann 2011 und führte 2015/2016 zur schrittweisen Einführung der SIC4-Plattform und damit zur flächendeckenden Umstellung auf ISO 20022 in der Schweiz. 2018 konnte die Schweiz die Migration auf ISO 20022 erfolgreich abschliessen und damit den Zahlungsverkehr vollständig harmonisieren und die Grundlage für die weitere Digitalisierung des Finanzsektors schaffen.
Einflussfaktoren auf die Umsetzung von ISO 20022
Die Einführung von ISO 20022 in der Schweiz wurde durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Ein wesentlicher Treiber war SEPA. Obwohl die Schweiz kein EU-Mitglied ist, gehört sie seit 2006 zum geografischen SEPA-Raum. Diese Integration ist auf die starke wirtschaftliche Verflechtung zwischen der Schweiz und der EU zurückzuführen. Die SEPA-Initiative unterstrich die Notwendigkeit einer einheitlichen Zahlungsverkehrsinfrastruktur und legte damit auch einen wichtigen Grundstein für die Einführung von ISO 20022 in der Schweiz.
In der Zwischenzeit hat ISO 20022 weiter an Bedeutung gewonnen. Zwei weitere für den Finanzplatz Schweiz äusserst relevante externe Treiber sind dabei besonders hervorzuheben:
Weltweit hat die Umstellung verschiedener Finanzmärkte durch entsprechende Programme wichtiger Marktinfrastrukturen inzwischen deutlich an Fahrt gewonnen. So in Australien das High Value Clearing System (HVCS) im März 2023, in Grossbritannien das Clearing House Automated Payment System (CHAPS) im Juni 2023. In den USA hat die Federal Reserve Bank die Einführung von ISO 20022 für den Fedwire Funds Service für den März 2025 angekündigt. Bereits im Juli 2023 hat der Instant Payment Service FedNow seinen Betrieb auf Basis des Standards ISO 20022 aufgenommen. CHIPS, das grösste private USD-Clearing- und Abwicklungssystem – betrieben von The Clearing House – hat seinerseits im April 2024 umgestellt. Frühstarter ausserhalb der Schweiz war die Canadian Payments Association, die unter der Aufsicht der kanadischen Zentralbank ihr Lynx-System bereits 2021 in Betrieb nahm und seit November 2022 die End-to-End-Nutzung von ISO 20022 unterstützt.
Welche Rolle spielen die Marktinfrastrukturen im nächsten Schritt?
Um die Interoperabilität zu fördern, müssen die Marktinfrastrukturen aktiv zusammenarbeiten und Informationen austauschen. Dieser Dialog ermöglicht es einerseits, lokale Unterschiede in den einzelnen Märkten zu identifizieren, und andererseits, das zugrundeliegende Framework im Rahmen einer übergreifenden globalen Marktpraxis zu harmonisieren.
HVPS+: Die Antwort auf die Herausforderungen
High Value Payments Systems Plus (HVPS+) ist eine Industrievereinigung führender Marktinfrastrukturen, die sich der Harmonisierung und Interoperabilität im globalen Zahlungsverkehr verschrieben hat. Doch was genau bietet die HVPS+ als Antwort auf die daraus entstehenden Herausforderungen?
Die HVPS+ definiert Prinzipien und Ziele, um die Weiterentwicklung und Interoperabilität von grenzüberschreitenden und inländischen Zahlungen nach ISO 20022 zu ermöglichen. Diese Prinzipien sollen sicherzustellen, dass die Implementierungen von ISO-20022-Meldungen in den verschiedenen Märkten aktuell bleiben und Abweichungen minimiert werden. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Förderung des offenen Informationsaustauschs zwischen den Marktinfrastrukturen.
SIX ist seit 2016 aktives HVPS+-Mitglied. Im Laufe des Jahres 2023 hat sich die HVPS+ neu formiert und auf die aktuellen Bedürfnisse der Marktinfrastrukturen ausgerichtet. Gleichzeitig lancierte sie einen «ISO 20022 Payments Interoperability Charter», der die gemeinsamen
Grundprinzipien aufzeigt und als Absichtserklärung der beteiligten Parteien zu verstehen ist. SIX und die SNB haben im April 2024 gemeinsam im Namen der Schweizer Finanzmarktinfrastruktur offiziell ihre Unterstützung für den Charter erklärt.
Auswirkungen der HVPS+ auf die Roadmap Zahlungsverkehr Schweiz
Unter dem Motto «In Etappen zum Ziel» pflegt SIX seit Jahren die «Roadmap Zahlungsverkehr Schweiz». Ein wichtiger Baustein dieses Fahrplans sind die sogenannten «exogenen Treiber», die sie im Auftrag des Finanzplatzes Schweiz aktiv beobachtet.
Die HVPS+ erhebt nicht den Anspruch, mit der zur Verfügung gestellten globalen Marktpraxis die eigenständige Marktpraxis der SIC-Infrastruktur nach ISO 20022 zu ersetzen. Vielmehr reiht sich die HVPS+ als weitere globale Initiative in die exogenen Treiber ein. Es ist davon auszugehen, dass die gemeinsam definierten Guidelines der international führenden Marktinfrastrukturen schrittweise auch Eingang in die Schweizer Marktpraxis finden werden.
Viel entscheidender ist, dass mit der HVPS+ eine globale Branchenvereinigung existiert, in der alle relevanten Stakeholder vertreten sind. Der Reifegrad und die Bedürfnisse der einzelnen Märkte im Umgang mit ISO 20022 mögen im Detail weltweit noch heterogen sein, das übergeordnete Ziel ist jedoch das gleiche. Die HVPS+ bietet hier den geeigneten Rahmen für einen entsprechenden Erfahrungsaustausch. Die Schweiz kann hier einerseits viel Erfahrung einbringen, andererseits aber auch von den «lessons learned» anderer Märkte im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung profitieren.
Roman Locher Senior Standards Manager, SIX
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