Die Lastschrift im digitalen Wandel

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Autor/-in

Daniel Berger Pascal Schoch

Veröffentlicht am

5 Dezember 2024

Lesezeit

Minuten

Stellen Sie sich vor, Sie müssten jeden Monat daran denken, Ihre Miete, Versicherungen und Abonnements manuell zu überweisen. Das wäre ziemlich umständlich. Zum Glück gibt es die Lastschrift, die uns diese Arbeit abnimmt. Aber wie alles in unserer digitalen Welt entwickelt sich auch die Lastschrift weiter. Von den ersten papierbasierten Verfahren bis hin zu modernen, voll digitalisierten Lösungen – die Entwicklung der Lastschrift zeigt, wie technologischer Fortschritt unser Leben vereinfachen kann.

Die Lastschrift ist ein Zahlungsinstrument, das seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle im Zahlungsverkehr spielt. Sie bietet dem Leistungserbringer eine bequeme Möglichkeit, regelmässige Zahlungen automatisch vom Kundenkonto abbuchen zu lassen. Dies erleichtert sowohl den Konsumentinnen und Konsumenten als auch den Unternehmen das Leben, da sie sich nicht mehr um die rechtzeitige Überweisung von Rechnungen oder die Mahnung ausstehender Zahlungen kümmern müssen. Um Missbrauch vorzubeugen und die Konsumentenrechte zu schützen, hat die zahlende Partei zudem die Möglichkeit, einer unberechtigten Abbuchung innerhalb einer bestimmten Zeit zu widersprechen und damit eine sofortige Rückbuchung zu veranlassen. 

Technologischer Fortschritt

Während Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Grossbritannien Lastschriftverfahren bereits in den 1960ern einführten, folgte die Schweiz 1977. Mit dem Aufkommen der Computertechnologie und der Digitalisierung in den 1980ern und 1990ern erfuhr die Lastschrift einen ersten technologischen Wandel. Banken und Zahlungsdienstleister entwickelten Systeme, die es ermöglichten, Einzüge auf elektronischem Wege zu verarbeiten, was zu einer Verringerung der Fehlerquote und einer Verkürzung der Bearbeitungszeit führte. Während die Verarbeitung elektronisch erfolgte, blieben einzelne Prozesse, wie zum Beispiel der Abschluss der erforderlichen Lastschriftvereinbarung zwischen der begünstigten und der zahlenden Partei, papierbasiert. Dies ist nicht verwunderlich, da zu diesem Zeitpunkt die für einen durchgängig digitalen Prozess notwendigen elektronischen Benutzeroberflächen auf Kundenseite noch nicht verfügbar waren. Papierbasierte Verfahren sind jedoch bekanntermassen ineffizient, zeitaufwendig und damit teuer. Sie sind anfällig für menschliche Fehler wie inkorrekte oder unvollständige Eingaben. Physische Dokumente lassen sich leichter stehlen oder manipulieren, was das Risiko für Betrug und Missbrauch erhöht. Oder sie bleiben auf dem Postweg zur Bank irgendwo unterwegs liegen oder gehen verloren und müssen neu erstellt werden. Das kostet Zeit und Nerven.

Zukunftsfähig durch vollständige Digitalisierung

In einer zunehmend digitalen Welt geraten analoge Lastschriftlösungen mit ver­bleibenden papierbasierten Prozessen aus den genannten Gründen immer mehr unter Druck. Gerade in Zeiten, in denen Privatpersonen digitale und mobile Bezahlmethoden bevorzugen, ist es unerlässlich, dass Lastschriften vollständig digitalisiert und idealerweise in bestehende Systeme oder Kundenportale eingebettet werden, wo sie eine breite Nutzerschaft finden. Dies ist entscheidend, um die genannten Risiken und Nachteile zu minimieren und die Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit von Lastschriftlösungen zu verbessern.

Ein gutes Beispiel für die Digitalisierung ist das Ende 2010 eingeführte SEPA­Lastschriftverfahren. Es ermöglicht die elektronische Abwicklung von Lastschriften ohne physische Unterschrift. Dies erleichtert die Integration in Onlinebanking, mobile Anwendungen oder in E-Rechnungs-Plattformen. Dort können Konsumentinnen und Konsumenten ihre Lastschriften selbstständig und unkompliziert mit wenigen Klicks erteilen, ausgeführte Zahlungen kontrollieren, erteilte Belastungsermächtigungen bei Bedarf löschen oder ungerechtfertigte Abbuchungen sofort zurückbuchen lassen. Ein weiterer Nutzen – aus Sicht des Rechnungsstellers – ist die Möglichkeit, Zahlungen flexibel anzupassen, was insbesondere bei variablen Kosten wie Strom- oder Telefonrechnungen von Vorteil ist. Zudem kann der Rechnungssteller über entsprechende Funktionen den Status der erteilten Belastungsermächtigungen in Echtzeit überprüfen und gegebenenfalls erneuern. Ebenso kann der Status eingereichter Forderungen abgefragt werden. Dies verbessert das Kundenerlebnis und erhöht die Akzeptanz von Lastschriften als Zahlungsmittel im digitalen Zeitalter. 

LSV+ und BDD nicht mehr zeitgemäss

Der Finanzplatz Schweiz hat in der Zwischenzeit den Zahlungsverkehr harmonisiert und auf den ISO-20022-Zahlungsstandard ausgerichtet. Die beiden heutigen Lastschriftverfahren der Schweizer Banken LSV+ und BDD entsprechen diesem Standard noch nicht vollumfänglich. Eine Harmonisierung der Zahlungsstandards ist aber die Basis für einen langfristig effizienten und wettbewerbsfähigen Schweizer Zahlungsverkehr der Zukunft. LSV+ und BDD müssten in den nächsten Jahren erneut Investitionen in Technologie und Formate investieren, um den heutigen Anforderungen an eine moderne Lastschriftlösung zu genügen. Zudem entspricht die bei LSV+ und BDD weiterhin notwendige physische Unterschrift der Belastungsermächtigungen auf den Formularen nicht mehr den heutigen Standards und der Digitalisierungsstrategie im Zahlungsverkehr. Gleichzeitig zeigen die rückläufigen Transaktionszahlen, dass die Nutzerinnen und Nutzer vermehrt auf alternative Zahlungsmethoden ausweichen, die einfacher einzurichten und zu verwalten sind. SIX als Betreiberin der gängigen Lastschriftverfahren hat deshalb in Absprache mit den zuständigen Gremien des Finanzplatzes Schweiz dieses Jahr entschieden, LSV+ und BDD per Ende September 2028 einzustellen. Dieser Entscheid widerspiegelt den allgemeinen Trend weg von traditionellen Zahlungsmethoden hin zu modernen, digitalen Lösungen.

Digitale Lösungen sind gefragt

Konkret bedeutet die Einstellung, dass LSV+/BDD-Einzüge nur noch bis zum 30. September 2028 möglich sind. Dies bedeutet jedoch nicht das Ende der Lastschrift in der Schweiz. Auch wenn die Anzahl der von SIX verarbeiteten Lastschrifteinzüge in den letzten Jahren stagnierte beziehungsweise rückläufig war, stellen die Verfahren aus Sicht von SIX nach wie vor eine wichtige Zahlungsoption mit diversen Vorteilen für die zahlende und die begünstigte Partei dar. Wir gehen deshalb davon aus, dass Lastschriftprozesse für spezifische Anwendungsfälle weiterhin attraktiv bleiben. Um die Nachfrage nach Lastschriftlösungen nachhaltig befriedigen zu können, sind jedoch effiziente und vollautomatisierte Lösungen gefragt, die sich idealerweise einfach und damit kostengünstig in bestehende Kundenportale einbinden lassen. Dies ist bei LSV+/BDD nicht der Fall. Mit eBill Direct Debit wird SIX jedoch Mitte 2025 ein neues digitales Einzugsverfahren auf den Markt bringen, das den gestiegenen Anforderungen gerecht wird. Pragmatisch integriert in das bestehende eBill-Ökosystem, mit dem bereits über 3,5 Millionen Haushalte vertraut sind, dient eBill Direct Debit dem automatisierten Einzug von wiederkehrenden Forderungen. Die dafür notwendigen Belastungsermächtigungen können sowohl die Rechnungssteller als auch die Rechnungsempfänger bequem digital in eBill einrichten und verwalten.

Potenzial

Lastschriften haben das Potenzial, auch in der digitalen Welt von morgen eine wichtige Rolle zu spielen. Voraussetzung dafür sind jedoch vollständig digitale und integrierte Prozesse, die sowohl die gestiegenen Kundenanforderungen an eine einfach zu bedienende Lösung als auch die Ansprüche an einen effizienten und damit kostengünstigen Betrieb erfüllen. Die Digitalisierung und Einbettung von Lastschriftprozessen in bestehende digitale Ökosysteme sollten wir nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als Chance sehen, die Zukunft des Zahlungsverkehrs aktiv zu gestalten und die Bedürfnisse der am Zahlungsverkehr Beteiligten zu antizipieren.

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