Weniger HIV, weniger Spenden

Autor/-in

Simon Brunner

Veröffentlicht am

15 März 2023

Lesezeit

Minuten

Zu Besuch bei Andreas Lehner, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz

Es ist noch nicht lange her, dass ein Virus die Welt in Atem hielt – und dieses hiess nicht Corona. Die folgende Zeile stand nicht etwa in einer obskuren Publikation für Verschwörungstheorien, sondern in der meistgelesenen Zeitung der Schweiz, dem Blick: «Aids, die tödliche ‹Sex-Seuche›, ist unheimlicher als die Pest und rätselhafter als Krebs.»

Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Jahr 1986, aus dem dieses Zitat stammt, hat sich die Lage im «Aids-Land Nr. 1 in Europa» (ebenfalls ein Zitat aus dem Blick) grundlegend verändert. Infizierten sich damals – 1986 sollte sich später als Rekordjahr herausstellen – über 3000 Menschen mit dem Human Immunodeficiency Virus (HIV), sind es seit 2017 weniger als 500 Menschen pro Jahr. Ausserdem bedeutet die Krankheit schon seit Längerem kein Todesurteil mehr und ist – richtig behandelt – nicht einmal mehr ansteckend.

Die nicht so gute Nachricht: Für die Aids-Hilfe Schweiz, die seit 40 Jahren Präventionsarbeit leistet, sich für Menschen mit HIV/Aids engagiert und als Meldestelle für Diskriminierungen fungiert, ist es mit dem Rückgang der Fälle viel schwieriger geworden, Menschen zum Spenden zu ermuntern. So sind die Zuwendungen in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent zurückgegangen und das Hilfswerk musste sich von einigen Mitarbeitenden trennen.

Hilfe für Hunderte von Menschen

An einem trüben, eiskalten Tag besuchen wir die Aids-Hilfe Schweiz, die in einem anonymen Büro in Zürich Altstetten untergebracht ist. Die Türe geht auf – und von Katerstimmung ist überhaupt nichts zu spüren. Andreas Lehner, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Schweiz, empfängt uns mit einem herzhaften Handschlag, einem breiten Lachen und einem «Ich bin der Andi». Und dann spricht er so leidenschaftlich von seiner Organisation, wie man es vielleicht von einem Künstler erwartet – aber nicht von einem Funktionär. Zu den vergangenen Jahren meint er: «Es war schmerzvoll, aber die Kostensenkung war nötig.» Jetzt müsse man vorwärtsschauen und neue Einnahmequellen erschliessen, denn «unsere Arbeit ist nach wie vor enorm wichtig und macht einen grossen Unterschied aus im Leben von Hunderten von Menschen».

Die niederschwellige Art zu spenden

Auf der Suche nach neuen Unterstützerinnen und Unterstützern ist Lehner auf eBill Donations gestossen und war sofort begeistert. Die Aids-Hilfe Schweiz ist eine der ersten Non-Profit-Organisationen, die diese neue Form von eBill nutzt. «Wir versprechen uns einiges davon», sagt Lehner, «denn mit eBill Donations können wir Spenderinnen und Spender genau dort erreichen, wo sie ihre Rechnungen begleichen: im Onlinebanking.» Lehner geht davon aus, dass die Spendenbereitschaft besonders gross ist, wenn man mental auf «Zahlen» eingestellt ist und die Spende mit ein paar Klicks auslösen kann. Er sagt: «Das ist viel niederschwelliger, als einen Spendenbrief zu öffnen, auf die Seite zu legen und später eine Überweisung zu tätigen.»

Lehner ist 55 Jahre alt, sieht aus wie 45 und gibt sich wie 35. Seine Uniform: Sneakers, Jeans, Pullover, dazu Dreitagebart und Tattoo. Der lockere Look kommt nicht von ungefähr: Lehner kam 2014 zur Aids-Hilfe und leitete fünf Jahre ein Präventionsprogramm, bei dem er viel «an der frischen Luft» war, wie er sagt. Er wollte Menschen da erreichen, wo sie «leben, lieben und arbeiten» – also besuchte er Clubs, machte Hausbesuche und ging in Drogenabgabezentren.

Doch zurück zu eBill Donations. Weitere Vorteile sieht der Chef der Aids-Hilfe darin, dass eine Spendenanfrage ohne Papier auskommt und damit «nachhaltiger ist als der klassische Spendenbrief». Zudem gebe es verschiedene Kostenvorteile, denn die Druck- und Versandkosten fallen weg.

Neue Zielgruppen erschliessen

Ausserdem könne man «auf dem eBill-Portal ganz einfach eine Dauerfreigabe einrichten», sagt Lehner. Das sei eine willkommene Innovation, denn so müsse man die Spenderinnen und Spender nicht jedes Jahr um eine Gabe bitten. Seiner Einschätzung nach kann man mit eBill Donations über 2,7 Millionen potenzielle Nutzerinnen und Nutzer von eBill erreichen. Dazu sagt er: «Wir gehen davon aus, dass wir auf diesem Weg eine ganz neue Zielgruppe erreichen können.»

Während dem Gespräch blinkt die Smartwatch von Lehner immer wieder auf, doch er ignoriert alle Signale und konzentriert sich auf das Interview. Trotzdem wird klar: Er ist ein «Techie» und bezeichnet sich auch als digitalen «Early Adopter». Doch so digital der Geschäftsführer ist, so analog ist seine Kundschaft: «Über 80 Prozent der Zuwendungen erreichen uns noch über den traditionellen Spendenbrief», sagt Lehner. Er denkt, dass die Präferenz für diesen Spendenkanal auch mit dem fortgeschrittenen Alter seiner Spenderinnen und Spender zu tun hat. «Umso wichtiger ist, dass wir jetzt digitale Kanäle einrichten», so Lehner, «damit wir in Zukunft mit einer jüngeren Zielgruppe auf Augenhöhe kommunizieren können.»

Die Aids-Hilfe Schweiz betreibe bereits verschiedene erfolgreiche Social-Media-Kanäle, so Lehner, doch sie setze diese noch nicht konsequent für Spendenaufrufe ein. Ein Weg dahin sieht er im gezielten Einsatz von Influencerinnen und Influencern, also von Menschen, die viele Followerinnen und Follower haben und bei potenziellen Spenderinnen und Spendern hohe Glaubwürdigkeit geniessen.

Ob digital oder analog und ob junge oder alte Spenderinnen und Spender: Am meisten Gelder werden bei der Aids-Hilfe jeweils rund um den 1. Dezember gesammelt. Das ist der Welt-Aids-Tag, der bereits 1988 etabliert wurde und rund um die Erde begangen wird. «Es ist sehr wertvoll, einen solchen Jahrestag zu haben, denn es wird immer schwieriger, auf HIV/Aids aufmerksam zu machen», so Lehner. 2021 starben 650 000 Menschen an Aids, im Jahr 2011 waren es noch 1,7 Millionen. Das ist ein enormer Fortschritt, aber immer noch eine sehr hohe Zahl: 650 000 Menschen leben in den Städten Zürich und Bern – zusammen. Und noch ein letzter Vergleich: Bis heute sind über 40 Millionen Menschen an HIV und rund 6,7 Millionen an Corona gestorben.

Entdecken Sie mehr

Künstliche Intelligenz: Zahlungsdaten, die den Unterschied machen

Focus

Künstliche Intelligenz: Zahlungsdaten, die den Unterschied machen

KI ist aus dem Bankenalltag nicht mehr wegzudenken. Hochwertige Zahlungsdaten sind entscheidend für massgeschneiderte Erlebnisse und effiziente KI-Anwendungen. Payment Enrichment verbessert die Datenqualität und optimiert wichtige Prozesse.

8 Juli 2026

5 Minuten
«Maschine schlägt Mensch» – das gilt nicht nur beim Schach, sondern auch im Zahlungsverkehr

Talk

«Maschine schlägt Mensch» – das gilt nicht nur beim Schach, sondern auch im Zahlungsverkehr

Helge Kraas, PPI AG, spricht über künstliche Intelligenz im Zahlungsverkehr. Im Fokus stehen Betrugserkennung, Instant Payments, E-Rechnungen, Request to Pay, personalisierte Finanzdienstleistungen, Regulierung sowie Finanzkriminalität und nachvollziehbare KI-Entscheidungen.

8 Juli 2026

9 Minuten
«eBill: der iPhone-Moment des Zahlungsverkehrs»

Talk

«eBill: der iPhone-Moment des Zahlungsverkehrs»

Urs Bieri vom Meinungsforschungsinstitut gfs.bern erklärt, was zur breiten Akzeptanz von eBill geführt hat. Trotz der hohen Zufriedenheit gebe es demografische Hürden, da ältere Menschen weiterhin Papierrechnungen bevorzugen. Gegenüber Kryptowährungen zeigt er sich skeptisch.

8 Juli 2026

4 Minuten
«Die Sicherheit ist das A und O»

Talk

«Die Sicherheit ist das A und O»

Professor Thomas Ankenbrand von der HS Luzern betont die Bedeutung der Sicherheit bei Zahlungslösungen. In einer Studie zeigt sein Team, dass eBill bei allen elf untersuchten Kriterien gut abschneidet. Das geschlossene System von eBill vermeidet Medienbrüche und erschwert so Betrug.

5 Dezember 2024

4 Minuten
«Am Freitag haben wir informiert, am Samstag hagelte es Anmeldungen»

Talk

«Am Freitag haben wir informiert, am Samstag hagelte es Anmeldungen»

Die Aargauische Gebäudeversicherung bietet seit Oktober 2023 Rechnungen per eBill oder E-Mail an. Innerhalb einer Woche haben 32’000 Kundinnen und Kunden auf eBill umgestellt. eBill ist laut Daniel Gyr praktisch und zuverlässig, E-Mail umständlich und fehleranfällig.

5 September 2024

4 Minuten
Auf eBill gewartet

Talk

Auf eBill gewartet

Der Touring Club Schweiz hat eBill eingeführt, um die Rechnungsstellung zu digitalisieren. Trotz anfänglicher Herausforderungen setzen bereits 210’000 Mitglieder darauf. Vorteile sind geringere Kosten und Umweltfreundlichkeit, während Nachteile die Lesbarkeit von Zusatzinfos betreffen.

6 Juni 2024

4 Minuten