Instant Payments in der Erfahrung eines europäischen Zahlungsproviders

Autor/-in

Jacqueline Good Ziltener

Veröffentlicht am

1 Juni 2023

Lesezeit

Minuten

Die Einführung von Instant Payments beinhaltet neben der Vorgabe, Echtzeitzahlungen sowohl empfangen als auch senden zu können, weitere Prüfpflichten für Banken, etwa ein Abgleich der IBAN mit der begünstigten Partei sowie Sanction Screening. Zudem sollen Echtzeitüberweisungen der Endkundschaft zukünftig nicht mehr kosten als eine herkömmliche Überweisung. Während viele Banken erheblichen Mehraufwand fürchten, ist das SEPA Instant Credit Transfer Scheme in den Niederlanden als Payment-Standard bereits gelebte Praxis. Dort hat sich das Outsourcing der Prozessstrukturen bewährt: Banken setzen in der Zusammenarbeit mit ihren Dienstleistern vermehrt auf modulare Lösungen, die sie mit bestehenden Infrastrukturen verbinden und flexibel durch Mehrwertdienste erweitern können.

Denn so kritisch diese Infrastrukturen auch sind, sollten sie zukünftig unter Ausnutzung aller Skaleneffekte effizienz- und kostentechnisch optimiert werden. Als Abgrenzung zur reinen Durchführung einer Zahlung kann ein effizienter Zugang zu diesen Infrastrukturen und eine gelungene Integration in bestehende Unternehmensprozesse einen wettbewerbsdifferenzierenden Faktor darstellen. Für Finanzinstitute in der Schweiz, die ab August 2024 beziehungsweise 2026 ebenfalls Instant-Zahlungen anbieten müssen, könnte der niederländische Weg durchaus ein Vorbild darstellen.

Grosse Handelsketten stechen am ehesten als Profiteure ins Auge. Sie haben die kritische Masse, um ihre Kundenbindungsapps um neue Zahlungsmethoden zu erweitern und ihr Ausfallrisiko durch Instant Payments zu reduzieren, ohne auf ein Scheme angewiesen zu sein. Denn während sowohl bei kartenbasierten Methoden als auch bei einer Lastschrift ein Rückruf möglich ist, sind Echtzeitüberweisungen final. Für den Händler ergeben sich somit an dieser Stelle Vorteile einer sofortig garantierten Zahlung. Aber nicht nur der Handel, auch Big-Tech-Unternehmen haben die Möglichkeit, neue Daten durch die Integration von Zahlungen zu gewinnen.

Für Banken bedeutet es, mehr denn je ein klares Bild ihrer eigenen zukünftigen Position zu gewinnen, sei es durch ein aktives Vorgehen an der Kunden-Bank-Schnittstelle, oder ein eher passives Agieren im Hintergrund für Drittdienstleister. In jedem Fall liegt die Zukunft im Angebot von daten- und servicegetriebenen Mehrwertdienstleistungen.

 

Jacqueline Good Ziltener
Wordline Switzerland

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