Banken kurz vor dem neuen Zeitalter der Überweisungen

Aerial view of a dam, symbolizing the two sides of the CSDR coin: data quality for cash penalty calculation and reconciliation for settlement reporting, highlighted in the "Two Sides of the CSDR Coin" webinar.

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

6 Juni 2024

Lesezeit

Minuten

Eine WhatsApp-Meldung erreicht den Adressaten unmittelbar nach dem Versand. Eine Zahlungsverarbeitung via Onlinebanking dagegen kann mehrere Stunden dauern und bei einer Kreditkartentransaktion kann die Gutschrift beim Händler sogar erst nach mehreren Tagen erfolgen. Einzig Bargeld ermöglicht einen Übertrag in Echtzeit, final und unwiderruflich. Ab 20. August 2024 er­lauben auch Instant-Zahlungen diese unmittelbare Verfügbarkeit und Finalität.

Im Folgenden sind die Erfahrungen von sechs führenden Schweizer Finanzinstituten zusammengefasst, die sich in der letzten Vorbereitungsphase für die Einführung von Instant-Zahlungen befinden. Diese Banken decken über 90 % des Zahlungsverkehrs in der Schweiz ab und sind bereit, die Art und Weise, wie wir über Geldtransaktionen denken, nachhaltig zu verändern.

Kundenorientierte Strategien

Die Banken haben verschiedene Strategien entwickelt, um den Kundenbedürfnissen im Zusammenhang mit Instant-Zahlung gerecht zu werden und ein reibungsloses Kundenerlebnis zu gewährleisten. Zentrale Aspekte sind die Einhaltung von Bearbeitungszeiten und die Minimierung von Zahlungsablehnungen. Dies ist besonders wichtig, da die Transaktionsgeschwindigkeit bei Instant-Zahlungen erhöht ist.

Eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung und die nahtlose Integration der Instant-Zahlungsfunktion in bestehende Onlinebanking-Plattformen sind entscheidend, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen und der Kundschaft einen echten Mehrwert zu bieten.

Die Banken legen grossen Wert auf die Einbindung der Marktakteure. So stellen sie sicher, dass die Innovationen von der Ideenfindung bis zur Einführung den Kundenbedürfnissen entsprechen. Durch den nationalen und internationalen Erfahrungsaustausch können sie von Best Practices lernen und diese in ihre eigenen Prozesse integrieren.

Die intuitive Integration der Instant-Zahlungen in das Onlinebanking ermöglicht es den Kundinnen und Kunden, diese Funktion leicht zu finden und zu nutzen. Eine klare und effektive Kommunikation über ein- und ausgehende Instant-Zahlungen stärkt das Vertrauen und schafft Transparenz.

Die sofortige Ausführbarkeit und Bestätigung von Zahlungen bieten Flexibilität und Sicherheit. Die Banken erkennen die Vielfalt der Anwendungen, die Instant-Zahlungen unterstützen können, und die damit verbundenen Vorteile für ihre Kundinnen und Kunden.

Die meisten Banken führen zum Start von Instant-Zahlungen im Schweizer Zahlungsverkehr im August 2024 ein Basisangebot für den Versand solcher Zahlungen im Mobilebanking ein. Sie führen vorab Gespräche mit Kunden, um Bedürfnisse zu verstehen und Anwendungsfälle zu identifizieren. Weitere wichtige Aspekte sind die nahtlose Integration des Instant-Zahlungsservice in die bestehenden Customer Journeys sowie die kontinuierliche Verbesserung der Benutzererfahrung und des Kundenfeedbacks.

Geschäftsmodelle

Banken sehen Instant-Zahlungen als das neue Normal im Zahlungsverkehr und entwickeln Geschäftsmodelle, die auf Anwendungsfälle mit einem klaren Kundenmehrwert abzielen. Dieser Mehrwert kann sich in Form von Effizienzsteigerungen sowie einer schnelleren und sichereren Transaktionsabwicklung manifestieren.

Die Rentabilität von Instant-Zahlungen stellt eine Herausforderung dar, insbesondere die Überwälzung von Investitions- und Betriebskosten, da die Kundenakzeptanz für zusätzliche Gebühren gering ist. Es besteht also ein Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und der Zahlungsbereitschaft der Kundschaft. Banken legen grossen Wert auf einfache und kundenorientierte Prozesse und integrieren Instant-Zahlungen in bestehende Bezahlverfahren. Dabei nutzen sie die Möglichkeiten der Technologie, um die Sicherheit und Effizienz der Zahlungsprozesse zu gewährleisten und gleichzeitig ein positives Kundenerlebnis zu schaffen. Dazu gehört auch, dass einige Banken ihre Kundinnen und Kunden fragen, ob sie ihre Zahlungen wirklich sofort ausführen lassen wollen. Insgesamt erkennen die Banken die Herausforderungen, die mit der Einführung dieser neuen Zahlungsmethode verbunden sind, sowie die Notwendigkeit, die Akzeptanz und das Volumen zu steigern, um eine nachhaltige Profitabilität zu erreichen. Derzeit gehen die Banken davon aus, dass sie etwa 5 bis 10 % ihres Zahlungsverkehrs instant abwickeln werden.

Wettbewerbsposition und Kundenbindung

Zum Zeitpunkt der Einführung wird die neue Funktion die Wettbewerbsposition der Banken nicht wesentlich beeinflussen, da sie – angesichts des zunächst zu erwartenden geringen Transaktionsvolumens – in der Regel mit einem minimalen Produktangebot starten.

Mittelfristig, d.h. nach der stufenweisen Einführung bis November 2026, dürften sich Instant-Zahlungen jedoch zu einem Standardangebot entwickeln. Insbesondere mit der Erweiterung der Funktionen, wie zum Beispiel dateibasierte Zahlungen für Geschäftskunden, erwarten die Banken konkrete Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit und -bindung, die ihre Wettbewerbsposition beeinflussen können. Sie gehen davon aus, dass Instant-Zahlungen zum neuen Marktstandard im Banking-Angebot und damit langfristig zu einem «Muss» für jede Bank werden. Dies vor allem auch deshalb, weil nicht nur die grössten, sondern alle Zahlungsverkehrsbanken in der Schweiz über einen Zeitraum von zwei Jahren in der Lage sein müssen, Instant-Zahlungen zu akzeptieren. Eine derart hohe Marktdurchdringung dürfte für die Kundinnen und Kunden einen echten Mehrwert darstellen. Entsprechend investieren die Banken frühzeitig in die Bereitstellung ihrer Kundenlösungen.

Integration in bestehenden Systeme

Die Banken nutzen zwar bereits Instant-Messaging-fähige Kernapplikationen ihrer Softwarelieferanten und verbinden diese standardisiert mit weiteren internen Applikationen, die für die Abwicklung notwendig sind. Zum Beispiel mit dem Onlinebanking. Hier ist die Zahlungserfassung aufgrund der «Always-on-Betragsautorisierung» ein kritischer Punkt für ein reibungsloses und kundenfreundliches Erlebnis. Dies erfordert eine möglichst schlanke und intuitive Lösung. Die Integration von Instant-Zahlungsfunktionen in bestehende Systeme und Prozesse erfordert daher auch neue Prozesse, wobei der Fokus insbesondere auf Risiken, Schnittstellen und nachgelagerten Prozessschritten liegt.

Die Implementierung der Instant-Infrastruktur verursacht Investitionen, die weit über die Kosten eines normalen Releases hinausgehen: für zusätzliche Server, Anbindungen und Applikationen, die nicht in die bestehende Infrastruktur integriert werden können. Die Anforderung, den Service rund um die Uhr zur Verfügung zu stellen, hat zudem direkte Auswirkungen auf die Organisation des Betriebs und führt zu zusätzlichem Aufwand.

Unterstützungsmassnahmen

Die Banken haben verschiedene Schulungs- und Unterstützungsmassnahmen für die Einführung von Instant-Zahlungen vorgesehen. Das Personal wird durch Fachschulungen in Bereichen wie Liquiditätsmanagement, Backoffice und Compliance vorbereitet. Die Kundschaft wird sie durch Kommunikationsmassnahmen mit dem neuen System vertraut machen.

Einige Banken entwickeln bereits spezifische Inhalte wie FAQs für den Support und Informationskampagnen für ihre Kundschaft. Der Schwerpunkt der Schulungen liegt auf dem neuen Kanal, den zeitlichen Anforderungen und den möglichen Ablehnungsgründen für Zahlungen.

Die Benutzerführung soll intuitiv sein, und die Nutzer sollen im Hinblick auf Risiken und Besonderheiten, wie Betrugsrisiken und Liquiditätsmanagement, geschult werden. Für die Kundinnen und Kunden soll der neue Instant-Zahlungsservice selbsterklärend sein, unterstützt durch Produktdatenblätter und Benutzungsanleitungen.

Die Vorbereitung der Mitarbeitenden und die Aufklärung der Kunden sind entscheidend, um eine effektive Nutzung des neuen Systems zu gewährleisten.

Technische Herausforderungen

Die Banken standen bei der Umstellung vor zahlreichen technischen Herausforderungen. Eine nahezu permanente Verfügbarkeit und eine schnelle Verarbeitung bildeten dabei zentrale Anforderungen. Die Implementierung des Instant-Zahlungsprozesses erforderte ein Redesign der Verarbeitungsschritte, die nun parallel statt sequenziell ablaufen müssen.

Die Integration neuer Technologien und Anwendungen für die Sanktionsprüfung und Microservices für Instant-Zahlungen stellten weitere Hürden dar. Kommunikationsprobleme, unklare Absprachen und fehlende Ressourcen führten an einigen Stellen zu Engpässen in der Umsetzung.

Anpassungen an zahlreichen Anwendungen und Schnittstellen waren notwendig, auch unter Einbeziehung externer Softwareanbieter. Die Unsicherheit über die zu erwartenden Latenzzeiten zu Beginn des Projekts erschwerte die Planung.

Für die Integration von Instant-Zahlungen mussten die Banken ihre Zahlungsverkehrsprozesse grundlegend überarbeiten. Dies betraf sowohl die technische Architektur als auch die Kundenanforderungen. Die Integration der neuen Instant-Zahlungsplattform mit den bestehenden Systemen war eine besondere Herausforderung, da bei der End-to-End-Verarbeitung jede Sekunde zählt und bereits geringe Verzögerungen zu Timeouts führen können.

Weitere Hindernisse waren die fehlende Unterstützung in bestehenden Messaging-Produkten, ein noch im Aufbau befindlicher Markt für solche
Technologien und ein Kommunikationsprotokoll, das noch nicht für Echtzeit optimiert ist. Die zeitliche Kopplung von Sender, Clearing und Empfänger erwies sich als komplex, da bei Instant-Zahlungen die Kunden und nicht die Banken die Verarbeitungslast und -spitzen steuern.

Sicherheit und Compliance

Banken setzen verschiedene Strategien ein, um Sicherheitsrisiken zu minimieren und Betrug bei Instant-Zahlungen zu verhindern. Bei Auffälligkeiten werden Zahlungen sofort zurückgewiesen und später erneut geprüft. Kontoprüfungen, Anomalieerkennung in Echtzeit, künstliche Intelligenz und biometrische Authentifizierungsverfahren erhöhen die Sicherheit. Auch die Aufklärung der Kundschaft und die Zusammenarbeit mit dem Finanzplatz sind wichtige Aspekte. Die Banken betonen, dass ihre Sicherheitsmassnahmen dem aktuellen Branchenstandard entsprechen und laufend weiterentwickelt werden.

Darüber hinaus haben die Banken ihre Compliance-Mechanismen angepasst, um den regulatorischen Anforderungen auch bei einer schnellen Abwicklung gerecht zu werden. Dazu gehören insbesondere Anpassungen im Bereich der Sanktionsprüfung.

Empfehlungen für Nachzügler

Banken, die derzeit Instant-Zahlungen implementieren, betonen die Bedeutung einer gründlichen Vorbereitung und Planung. Instituten, die die Implementierung noch vor sich haben, empfehlen sie, den Zeitbedarf insbesondere für die Vorbereitung nicht zu unterschätzen. Das heisst, frühzeitig mit internen Abklärungen zur Produktdefinition zu beginnen und mögliche Anwendungsfälle durchzuspielen. Das bedeutet zum Beispiel auch, frühzeitig mit den Softwarelieferanten die Auswirkungen auf die bestehenden Prozesse zu analysieren, insbesondere im Hinblick auf Architektur und Technologie.

Es lohnt sich, sich auf die wesentlichen Liefergegenstände zu konzentrieren und das Zusammenspiel von Organisation, Prozessen und Systemen zu berücksichtigen. Auch für die Pilotphase, das Testen verschiedener Anwendungsfälle und eventuelle Optimierungsmassnahmen ist ausreichend Zeit einzuplanen.

Schlüsselbotschaft

Die Einführung von Instant-Zahlungen ist der Beginn einer Entwicklung mit vielen Vorteilen für die Kundschaft. Es handelt sich um einen gemeinsamen Prozess, der sich auf relevante Themen konzentriert, die einen Kundenmehrwert bieten. Die Verbesserung der Geschwindigkeit von Bankzahlungen ist ein bedeutender Fortschritt, der den Anschluss an europäische Standards ermöglicht. Dies ist ein wichtiger Schritt für den Finanzplatz Schweiz, der damit zu Dienstleistungen aufschliessen kann, bei denen die ständige Verfügbarkeit bereits zum Standard gehört.

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