Bancomat-Pooling oder die Balance zwischen Effizienz und Bargeldversorgung

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

5 September 2024

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Minuten

Bargeld als Zahlungsmittel verliert an Bedeutung – insbesondere seit der Corona-Pandemie. Entsprechend gehen die Bargeldbezüge zurück: Anfang 2020 gab es in der Schweiz rund 7200 Geldautomaten, heute sind es laut der Schweizerischen Nationalbank noch 6120. Gleichzeitig spielt Bargeld jedoch eine wichtige Rolle für die Wirtschaft und ist für die Mehrheit der Bevölkerung unentbehrlich. Deshalb muss der Zugang zu Bargeld sichergestellt sein. Dazu braucht es Geldautomaten, aber nicht zu viele. Sonst wird das Geschäft für die Betreiber, die Banken, unrentabel. Die Lösung für dieses Dilemma liegt im sogenannten Pooling, also der Idee, dass Banken ihre Geräte unter einem Dach zusammenfassen und so den Betrieb zentralisieren, um Kosten zu sparen und die Serviceverfügbarkeit sicherzustellen. In der Schweiz, wo rund 240 Finanzinstitute eigene Geldautomaten betreiben, ist das Synergiepotenzial gross.

Je weniger bargeldabhängig, desto einfacher

Während die Pooling-Lösungen der Marktführerin im Bancomaten-Netzwerk SIX in der Schweiz erst jetzt Fahrt aufnehmen, werden sie in anderen Ländern bereits seit einiger Zeit erfolgreich praktiziert. So etwa in Schweden, wo bereits 2011 fünf der grössten Banken ankündigten, ihre Geldautomaten in eine separate Gesellschaft namens Bankernas Automatbolag auszulagern. Ähnliche Entwicklungen gab es auch in Finnland, wo seit den 1990er-Jahren alle Geldautomaten von einer einzigen Outsourcing-Organisation betrieben werden. In den Niederlanden sind die drei grössten Banken dabei, ihre Geräte auf das Geldmaat-Netzwerk umzustellen. Allen diesen Ländern gemeinsam ist die geringe Abhängigkeit von Bargeld, die es den Banken erleichtert, Pooling-Vereinbarungen zu treffen.

Dynamische Prozesse

In diesen Ländern wird deutlich, dass das Pooling eine sinnvolle Strategie ist, um den Betrieb der Geldautomaten effizienter zu gestalten und gleichzeitig den Zugang zu Bargeld zu gewährleisten. In Belgien geht das Modell in die entgegengesetzte Richtung. Dort wird nicht abgebaut, sondern ausgebaut. Seit Jahren nimmt die Anzahl der Automaten rapide ab. Im vergangenen Jahr gab es weniger als halb so viele wie noch vor zehn Jahren. Kein Wunder, dass die Beschwerden über Schwierigkeiten beim Geldabheben zunehmen. Grund genug für die belgische Regierung, im vergangenen Jahr mit dem Bankenverband zu vereinbaren, die Zahl der rund 1000 ATM-Pooling-Geräte mehr als zu verdoppeln und bis 2027 den Betrieb von insgesamt mindestens 4000 Automaten sicherzustellen.

In der aktuellen Diskussion zeichnet sich also ein Perspektivenwechsel ab. Während es früher eine Bewegung hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft gab, führen Bedenken hinsichtlich Datenschutz, finanzieller Inklusion und Notfallvorsorge zu einer Neubewertung. Der Gedanke, dass Bargeld nicht völlig verschwinden sollte, gewinnt an Unterstützung. Jedes Land muss seine eigene ideale Verteilung von Geldautomaten finden. Dies hängt unter anderem von der Bevölkerungsdichte, der wirtschaftlichen Aktivität, der Geografie, technologischen Trends oder der Regulierung ab.

 

Gabriel Juri
SIX

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