Welche Zukunft hat die intelligente Banknote?

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

5 Dezember 2023

Lesezeit

Minuten

Tokengeld ist eine Geldform, die auf der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) basiert. Wie Buchgeld kann Tokengeld sowohl von Privaten als auch von Notenbanken ausgegeben werden. Bei privaten Emittenten spricht man von Stablecoins, bei Zentralbanken von Central Bank Digital Currencies (CBDCs). Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Mitte Oktober 2023 die Vorbereitungsphase für eine CBDC im Euroraum, den digitalen Euro, gestartet.

Die bisherigen Erfahrungen mit CBDCs, die auf den Bahamas, in Jamaika und in Nigeria unter der Bevölkerung zirkulieren, waren nicht von Erfolg gekrönt. Im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Land Afrikas benutzt kaum jemand die Währung. Der Widerstand speist sich aus einer Vielzahl von Argumenten. So hat der US-Kongress der Zentralbank die Ausgabe einer CBDC untersagt, weil er die Bürgerrechte durch Überwachung und Kontrolle gefährdet sieht. Der amerikanische Bankenverband wiederum befürchtet, dass die Rolle der Banken als Finanzintermediäre untergraben wird. Und schliesslich wollen grosse Teile der Bevölkerung, vor allem in traditionellen «Bargeldländern» wie der Schweiz und in Deutschland, einfach nicht auf die Banknoten verzichten. 

Das eine schliesst das andere nicht aus

Im Idealfall geht beides Hand in Hand: die physische Banknote kombiniert mit der digitalen. Dass dies technisch möglich ist, zeigt der Schweizer Banknotenhersteller Orell Füssli 2021 mit dem Entwurf einer hybriden Geldform. Diese intelligente Banknote fühlt sich an wie ein normaler Geldschein und erfüllt auch alle Funktionen des physischen Zahlungsmittels. Gleichzeitig lässt sie sich jederzeit in eine digitale Geldbörse übertragen, indem man den unter einem Rubbelfeld verborgenen QR-Code mit dem Private Key scannt. Sobald das Smartphone die Banknote erfolgreich authentifiziert hat, wird ihr Wert in einer Blockchain gespeichert und der Geldschein wird entwertet. Ob die physische Banknote noch den aufgedruckten Wert hat oder bereits als digitaler Vermögenswert registriert ist, kann man durch das Scannen des zweiten QR-Codes mit dem Public Key feststellen.

Diese Option wurde in einem Handbuch für Offline-Zahlungen mit CBDC aufgeworfen, das die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im Rahmen ihres Polaris-Projekts im Mai 2023 veröffentlicht hat. In einem ebenfalls im Mai publizierten Bericht der Zentralbank von Kenia, der den Stand ihrer CBDC-Diskussionen auch mit Ländern wie den USA, Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz zusammenfasst, findet sich folgender Hinweis: «Es wurde vorgeschlagen, dass eine intelligente Banknote den gleichen Zweck wie eine CBDC erfüllen könnte, ohne dass Ressourcen in diesem Umfang eingesetzt werden müssten.» Die kenianische Notenbank kam zum Schluss, dass dieser Vorschlag weiter geprüft werden sollte. Es bleibt abzuwarten, ob andere Zentralbanken diesem Beispiel folgen werden.

 

Gabriel Juri
SIX

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