Autor/-in
Veröffentlicht am
6 September 2023
Lesezeit
In der schnelllebigen Welt von heute suchen Konsumentinnen und Konsumenten in allen Lebensbereichen nach Komfort und Einfachheit, möglichst in Echtzeit. Der Zahlungsverkehr bildet da keine Ausnahme. Der Handel wiederum ist zunehmendem Kostendruck ausgesetzt und erwartet niedrige Gebühren – nicht zuletzt darum, weil erst Wenigen bewusst ist, dass die Bargeldverwaltung mit Kosten verbunden ist. Die Nachfrage nach nahtlosen Zahlungserlebnissen hat dazu geführt, dass Zahlungsdienstleister zunehmend unter Druck stehen, neue und innovative Zahlungsmethoden zu entwickeln. In den meisten Fällen ist dies jedoch mit einer Zunahme der Komplexität und der Kosten verbunden, die es ihnen erschweren, die von den Händlern erwartete Gebührensenkung anzubieten. Letztlich werden sich wohl die Entwicklungen durchsetzen, die dieses Paradoxon am besten auflösen. Alle Studien zum Zahlungsverhalten und – noch aussagekräftiger – zu Zahlungspräferenzen in unterschiedlichsten Kontexten zeigen ein klares Bild: Einfaches, schnelles und sicheres Bezahlen wird für die Kundschaft, die Banken und den Handel immer wichtiger.
Bei allem Optimismus wird allerdings oft unterschätzt, dass die technische Innovation zwar immer schneller voranschreitet, die Konsumentinnen und Konsumenten aber nach wie vor an alten Gewohnheiten festhalten. Das Erreichen einer kritischen Masse hängt daher von verschiedenen Faktoren ab, die sich nicht immer direkt beeinflussen lassen. Ein typisches Beispiel ist das kontaktlose Bezahlen, dessen Siegeszug in vielen europäischen Ländern während der Corona-Pandemie begann. Die äusseren Umstände haben dazu geführt, dass auch nicht kartenaffine Menschen die Einfachheit und Bequemlichkeit dieser Bezahlmethode unmittelbar wahrgenommen haben. Auch wenn der Trend wieder etwas abgeflacht ist, können wir davon ausgehen, dass er nachhaltig ist. Kontaktloses Bezahlen, sei es mit Karte, Handy oder Smartwatch, ist zum Standard geworden. Ein deutliches Zeichen dafür ist, dass dieser Trend mittlerweile generationenübergreifend feststellbar ist, also bei weitem nicht nur bei den «Digital Natives». Lediglich das verwendete Medium ist noch generationenabhängig – so sind Wearables derzeit noch deutlich häufiger bei Trendsettern der jüngeren Generation anzutreffen.
Je weiter man sich jedoch von etablierten Verhaltensmustern entfernt und je futuristischer das Szenario ist, desto grösser werden die Unterschiede in der Akzeptanz zwischen Altersgruppen oder verschiedenen kulturellen Hintergründen. So löst beispielsweise die Vorstellung, einen Laden zu verlassen, ohne sichtbar zu bezahlen, in manchen Kulturen Unbehagen aus und wird fast schon als Diebstahl empfunden. Das Teilen einer Rechnung unter Freunden, wie es in der Schweiz mit TWINT üblich geworden ist, gilt in Südeuropa noch immer als Bruch mit einer sozialen Norm.
Immer mehr Kundengruppen bevorzugen das digitale Bezahlen. Dennoch will ein Teil der Bevölkerung – darunter vor allem ältere Menschen – nicht auf Bargeld verzichten. Die Entwicklung verläuft in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich: In Skandinavien liegt der Anteil der Bargeldfans sogar unter 5 % – Gesetzgeber und die Zentralbank mussten bereits Massnahmen ergreifen, um die Bargeldversorgung sicherzustellen. Diskussionen in den Medien zeigen, dass der «Glaubenskamp» noch in vollem Gange ist – etwa, wenn Festivalorganisatoren darauf bestehen, nur noch Bargeld zuzulassen. Wir bezeichnen diese Entwicklung auch als «Digital Divide»: die Kluft zwischen denen, die sich mit Begeisterung oder notgedrungen an die Digitalisierung der Welt gewöhnt haben und jenen, die diese Entwicklung aus unterschiedlichen Gründen nicht mitmachen wollen oder können. In beiden Fällen darf die Entwicklung nicht zur Ausgrenzung einzelner Gruppen führen. Hier ist auch die Zahlungsverkehrsbranche gefordert, soziale Verantwortung zu übernehmen.
Die grösste Herausforderung besteht darin, die notwendigen Technologien in den Dienst eines positiven Kundenerlebnisses zu stellen: Authentifizierungslösungen müssen einfach und intuitiv zu handhaben sein, während die Technologie so unsichtbar wie möglich sein sollte. Der vielversprechendste Ansatz ist hier die intelligente Nutzung von Biometrie. Was vor einigen Jahren noch völlig futuristisch erschien, ist heute bereits Standard – vom Fingerabdruck bis zur Sprach- und Gesichtserkennung. Gut integrierte Multi-Faktor-Authentifizierungsverfahren können zudem dazu beitragen, bisher von der Digitalisierung ausgeschlossene oder gar benachteiligte Nutzergruppen zu bedienen, indem sie die umständliche Eingabe von 16-stelligen Kartennummern und das Merken und Eingeben von PINs überflüssig machen.
Auch auf der Akzeptanzseite hat die Digitalisierung nicht haltgemacht: Mit Lösungen wie «Tap on Mobile» wird das Android-Smartphone zum mobilen Terminal für Kartenzahlungen mit PIN-Eingabe bei höheren Beträge inklusive digitaler Quittung mit QR-Code. Die Entwicklung ist hier in vollem Gange für den weiteren Einsatz beim Bezahlen im Auto, im Hotel, am Selbstbedienungskiosk oder am Ticketautomaten.
Weltweit gibt es zahlreiche Lösungen für das mobile Bezahlen. Wenn wir jedoch die nationalen Grenzen überschreiten, stellen wir fest, dass die Interoperabilität zwischen den Lösungen noch nicht gegeben ist – eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.
Kontobasierte Zahlungsmethoden und Echtzeitzahlungen gewinnen zunehmend an Bedeutung und entwickeln sich zumindest im E-Commerce oder im inländischen Zahlungsverkehr zu einer Alternative zur Kartenzahlung. Bei Auslandzahlungen im Präsenzgeschäft haben die grossen Schemes durch ihr über Jahrzehnte optimiertes globales Netzwerk nach wie vor einen nicht zu unterschätzenden Marktvorteil. Nicht zuletzt bieten kartenbasierte Zahlungen mit ihrem bewährten Betrugsmanagement ein hohes Mass an Konsumentenschutz. Dennoch ist eine zunehmende Konvergenz der Zahlungsmittel zu erwarten, die durch entsprechende Technologien unterstützt wird.
Beispiele aus einigen grossen Märkten wie China (WeChat Pay und Alipay), Südostasien (eigene Schemes) oder Indien zeigen, dass QR-Code-basierte Lösungen grosse Erfolgschancen für eine breite Marktdurchdringung haben. Trotz der noch weitgehend auf den inländischen Zahlungsverkehr beschränkten Nutzungsmöglichkeit haben insbesondere die Superapps dort zum Teil bereits erhebliche Marktanteile gewonnen. In Südostasien arbeiten die Akteure bereits an der Interoperabilität dieser Länderlösungen. Smartphones sind in den Schwellenländern mittlerweile weit verbreitet, das Zahlungserlebnis ist einfach, sie sind schnell eingerichtet und sowohl im Distanzgeschäft als auch im Handel einsetzbar.
Grade die Beispiele TWINT in der Schweiz, SWISH in Schweden oder IDEAL in den Niederlanden zeigen, dass sich solche Lösungen bei hoher Akzeptanz in Geschäften, Restaurants und Onlineshops relativ schnell zu einem unverzichtbaren Instrument des bargeldlosen Zahlungsverkehrs entwickeln und den Trend zum mobilen Bezahlen massgeblich unterstützen können. Der europäische Zahlungsdienstleister Worldline geht beispielsweise davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren weltweit bereits 10 % aller Zahlungen Konto-zu-Konto-Zahlungen sein werden.
Mit der zunehmenden Verbreitung des Internet der Dinge ist zu erwarten, dass es immer mehr Zahlungslösungen geben wird, bei denen die Zahlung von einem Gerät oder einer Softwarelösung ausgelöst wird. Solche Zahlungen nennt man autonome Zahlungen. Diese lassen sich vielleicht kostengünstiger betreiben, bringen aber eine hohe Komplexität für die Zahlungsinfrastruktur mit sich. Zahlungsdienstleister müssen kontinuierlich in Technologie und Infrastruktur investieren, um die mit autonomen Zahlungen verbundene Komplexität effektiv bewältigen zu können. Nur so können sie einen effizienten und reibungslosen Betrieb ihrer Zahlungssysteme gewährleisten und ihrer Kundschaft ein Höchstmass an Servicequalität bieten.
Bereits heute ist der Bezahlvorgang selbst in vielen Fällen völlig unsichtbar, da er im Hintergrund abläuft und somit aus der Wahrnehmung der Konsumentin oder des Konsumenten verschwunden ist. Dies begegnet uns im Alltag etwa bei der regelmässigen Bezahlung abonnierter Dienste (z. B. Netflix, Amazon, LinkedIn). Autonomes Bezahlen wird diesen Trend noch beschleunigen, was sowohl Händler als auch Banken vor völlig neue Herausforderungen stellt. Diese Entwicklung zeigt sich bereits heute in den Superapps.
Aufkommende Zahlungstrends versuchen, den Herausforderungen des heutigen Zahlungssystems zu begegnen. Sie zielen darauf ab, den Komfort für Konsumentinnen und Konsumenten zu erhöhen, die Komplexität der Zahlungsinfrastruktur zu reduzieren und nicht zuletzt die Kosten für die Händler zu senken.
Vor diesem Hintergrund werden Instant Payments zwangsläufig an Bedeutung gewinnen. Noch sind sie nicht in der Phase, in der sie den globalen Zahlungsverkehr dominieren, aber es wird viel getan, um ihre Akzeptanz zu fördern. Dazu gehören verschiedene Faktoren, wie beispielsweise die Benutzerfreundlichkeit, die zwar ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz digitaler Zahlungen ist, aber allein nicht ausreicht. Das Gleiche gilt für digitale Zentralbankwährungen (Central Bank Digital Currencies, CBDCs), an denen mehr als 100 Zentralbanken aktiv forschen und arbeiten. Für die Europäische Zentralbank entwickelt Worldline einen Prototyp, um Privatpersonen die Möglichkeit von Offline-Transaktionen mit dem digitalen Euro zu gewährleisten.
Ob CBDC, Karte oder kontobasiert: Entscheidend für den Erfolg bestimmter Zahlungslösungen sind die Vorteile und Anreize, die die Konsumentinnen und Konsumenten sowie die Händler wahrnehmen. Die Bedürfnisse und Präferenzen der Zielgruppe zu verstehen und ihr ein überzeugendes Nutzenversprechen zu bieten, kann die Akzeptanz fördern und eine nachhaltige Nutzung unterstützen. Ebenso wichtig ist die Technologie: Sie muss digitale Zahlungen ermöglichen, aber nahtlos und unsichtbar bleiben. Der Fokus muss auf der Sicherheit und Verlässlichkeit der Transaktionen liegen. Dies schafft Vertrauen und führt zu einer höheren Akzeptanz und Nutzung.
Panorama
Im deutschen E-Commerce-Handel fallen bei einigen Zahlungsverfahren hohe Prozesskosten an. Im Durchschnitt kostet es 10 Euro, wenn bei einem Kauf- und Bezahlvorgang etwas schief läuft. Jede 20. Überweisung per Vorkasse und Zahlung auf Rechnung erfordert eine händische Bearbeitung.
8 Juli 2026
Experts
Der Standard PCI DSS 4.0 schützt Kreditkartendaten durch erweiterte Sicherheitsmassnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung und risikobasierte Ansätze. Diese Massnahmen erhöhen die Sicherheit und Transparenz im Zahlungsverkehr.
Ein einziges Land betreibt sowohl ein CBDC als auch ein Instant Payments-System, um die finanzielle Inklusion und Effizienz zu erhöhen. Unterschiedliche Standards und Technologien erschweren jedoch die Interoperabilität. Einige Länder erwägen stattdessen Wholesale CBDCs.
Talk
Professor Thomas Ankenbrand von der HS Luzern betont die Bedeutung der Sicherheit bei Zahlungslösungen. In einer Studie zeigt sein Team, dass eBill bei allen elf untersuchten Kriterien gut abschneidet. Das geschlossene System von eBill vermeidet Medienbrüche und erschwert so Betrug.
5 Dezember 2024
Ältere Menschen nutzen zunehmend digitale Zahlungsmittel. In der DACH-Region stieg die Nutzung kontaktloser Zahlungen bei über 65-Jährigen von 20 % im Jahr 2017 auf über 60 % im Jahr 2023. Der Trend weg vom Bargeld hin zu digitalen Zahlungen ist weltweit unaufhaltsam, auch bei Senioren.
Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz hat grosse Fortschritte gemacht, insbesondere durch die Einführung von ISO 20022. Globale Initiativen wie die Swift-Migration und G20-Massnahmen unterstützen diesen Trend. Herausforderungen bestehen in der Regulierung und den Kosten.
5 September 2024
PAY NEWSLETTER
Treten Sie unserer Community bei und verpassen Sie keine Updates mehr!
Rubriken