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5 Dezember 2024
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Mit bLink verfügt die Schweiz über standardisierte Schnittstellen, die einen sicheren und effizienten Datenaustausch zwischen Finanzinstituten und Fintechs ihrer Endkundschaft im Zahlungsverkehr und in der Vermögensverwaltung ermöglichen. Diese Infrastrukturdienstleistung ist marktgetrieben und nicht gesetzlich verankert. Anders in der EU. Die EU-Kommission wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die FiDA-Verordnung (Financial Data Access framework) verabschieden. Diese verpflichtet alle Anbieter von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in der EU, sich gegenseitig Zugang zu Kundendaten zu gewähren.
FiDA erweitert damit den Anwendungsbereich der PSD2 und PSD3, der sich auf Zahlungskonten beschränkt. Beispielsweise könnte ein Versicherungsanbieter, der Zugang zu umfassenden Finanzdaten hat, künftig die finanziellen Verpflichtungen und Vermögenswerte seiner Kundinnen und Kunden analysieren, um eine Versicherungspolice zu erstellen, die genau auf die Bedürfnisse und Risiken der Kundschaft zugeschnitten ist. Oder eine Finanzberatung, die Zugang zu einer umfassenden Datenbank ihrer Kundinnen und Kunden hat, könnte diese Informationen nutzen, um eine ganzheitliche Finanzstrategie zu entwickeln, die sowohl Investitionen als auch Versicherungen berücksichtigt.
Auf dem Papier klingt die Regelung vielversprechend. Eine erfolgreiche Umsetzung ist jedoch kein Selbstläufer. Einheitliche Standards und Serviceverträge, klare Zertifizierungsprozesse und ein angemessenes Kompensationssystem für die hohen Implementierungskosten der Datenlieferanten sind einige der Herausforderungen in der Praxis. Kernstück der Open-Finance-Verordnung ist jedoch die obligatorische Zustimmung der Privatpersonen zur Weitergabe ihrer Daten. Hier stellt sich nicht nur die Frage des Datenschutzes, sondern auch, ob die Haushalte überhaupt bereit sind, ihre Daten mit Drittanbietern zu teilen. Studien zufolge sind weltweit rund 40 % der Befragten bereit, ihre Finanzdaten mit Drittanbietern zu teilen, wenn sie dafür einen Mehrwert erhalten, und etwa 30 %, wenn sie im Gegenzug personalisierte Dienstleistungen erhalten. Es ist also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, vor allem in Ländern wie Deutschland, wo nach Angaben der Deutschen Versicherungswirtschaft 56 % der Haushalte noch nicht bereit sind, ihre Daten mit Drittanbietern zu teilen.
In einem Punkt sind sich die Beobachter einig. FiDA wird den internationalen Wettbewerb im Finanzsektor – innerhalb und ausserhalb der EU – mit der Zeit erheblich beeinflussen. EU-Finanzdienstleister könnten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Finanzplätzen wie der Schweiz oder Grossbritannien erlangen, da die EU ein einheitliches Regelwerk bietet, das Fintechs anzieht und Innovations-Cluster fördert. Dies ermöglicht umfassendere und wettbewerbsfähigere Dienstleistungen sowie eine leichtere Expansion innovativer Finanztechnologie-Firmen. Die britische Regierung hat bereits ein neues Gesetz angekündigt. Die Schweiz steht vor der Herausforderung, einen eigenen Weg zu finden, um im internationalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten und gleichzeitig ihre marktwirtschaftlichen Prinzipien zu wahren.
Gabriel Juri SIX
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