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Veröffentlicht am
7 Dezember 2022
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Interview mit Dr. Ruth Wandhöfer, Geschäftsleitungsmitglied des britischen Fintechs Gresham und Professorin am London Institute of Banking & Finance
ISO 20022 wird mit der TARGET2/T2S-Konsolidierung der unangefochtene Massstab im europäischen Zahlungsverkehr. Wie schlägt sich der Standard im globalen Kontext? Er findet weltweit immer mehr Verbreitung und Umsetzung. Gerade aus der internationalen Zahlungsverkehrspraxis ist ISO 20022 nicht mehr wegzudenken.
Welche konkreten Vorteile bringt der ISO-Standard?
Mehr angereicherte Daten in den Zahlungsmeldungen haben den schönen Nebeneffekt, dass das Compliance- und Risikomanagement bei Banken und Unternehmen mit Blick auf die Betrugsbekämpfung effektiver und wirtschaftlicher arbeiten kann. Stichwort hier unter anderem: endgültiger Zahlungsempfänger. Der Hauptvorteil dieses standardisierten Datenaustauschs liegt aber zweifelsohne in der Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen. Swift beispielsweise erlaubt mit ihren gpi-Services grenzüberschreitende Transaktionen in Echtzeit. Dank ISO 20022 können Zahlungen markiert und durchgängig von der Bank bis in die Buchhaltungssoftware beim Firmenkunden identifiziert werden.
Es heisst allgemein, Marktinfrastrukturen würden sich in den kommenden Jahren radikal ändern. Worauf müssen sich die Banken einstellen?
Marktinfrastrukturen müssen mit der Zeit gehen. Das Cyberrisiko ist beispielsweise eine Herausforderung, der sich die Betreiber laufend stellen müssen. Genauso verändert sich die Art des Gelds und wie Menschen Zahlungen tätigen. Kryptowährungen, Stablecoins und CBDCs sind Innovationen, die letztendlich auch über regulierte Marktinfrastrukturen abgewickelt werden. Veränderung ist also Programm. Auch für Banken und andere regulierte Institutionen, die Zugang zu diesen Infrastrukturen haben. Sie müssen sich darauf einstellen, dass der zugelassene Kreis der Marktteilnehmer immer weiterwächst, die Marktanteile kleiner werden und dadurch der Wettbewerb unter den Zahlungsverkehrsanbietern härter wird.
Was passiert mit den herkömmlichen Zahlungsplattformen wie beispielsweise TARGET-Services, wenn digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) zum Mainstream werden?
Es stellt sich die Frage, ob das neue Zahlungsinstrument CBDC überhaupt über TARGET abgewickelt werden muss. Sollten Smart Contracts auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie implementiert werden, findet das Settlement der Zahlung technisch auf dem Ledger statt. Relevante Regulierungen wie beispielsweise die Zahlungsdiensterichtlinie oder die Finalitätsrichtlinie müsste die EU dann überarbeiten und angleichen, um Rechtssicherheit zu schaffen. CBDCs könnten auch Wettbewerbsprobleme für Nicht-Banken verursachen. Darüber hinaus ist zurzeit unklar, wie Privatpersonen und der Handel dazu motiviert werden können, solche CBDCs zu nutzen.
Welche Rolle kommt Fintechs dabei zu?
Fintechs spielen eine wichtige Rolle in der Wertschöpfungskette. Sie können sogar durchaus systemisch relevant sein. Regulatoren sind bereits so weit, dass sie in Erwägung ziehen, diese Institutionen ebenfalls unter ihre Aufsicht zu stellen. Deshalb wird der nächste Reformschritt gewiss kommen.
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