DeFi statt CeFi?

Autor/-in

Gabriel Juri

Veröffentlicht am

6 Juni 2024

Lesezeit

Minuten

Zentralisierte Finanzdienstleistungen (CeFi für Centralized Finance), wie sie Banken, Börsen, Versicherungen oder Broker – oder wie Krypto-Begeisterte sagen: die alte Welt – vermitteln, haben Tradition. Bei der Kontoführung, der Zahlungsabwicklung, der Kreditvergabe, der Hypothekenfinanzierung oder dem Wertschriftenhandel müssen Privat- und Firmenkunden mit Finanzintermediären interagieren, um Zugang zu den Dienstleistungen zu erhalten. Nicht so in der neuen Welt von DeFi-Fonds, DeFi-Versicherungen, DeFi-Krediten oder DeFi-Leasing. Hier stellen Blockchain-basierte Plattformen diese dezentralen Finanzdienstleistungen (DeFi) bereit, ohne dass jemand zwischen Angebot und Nachfrage vermittelt. Diese zentrale Rolle übernimmt der Smart Contract auf der Blockchain. In ihm sind die Vertragsbedingungen zwischen den Vertragsparteien programmiert und unveränderlich und für alle Seiten transparent. Sind die festgelegten Bedingungen erfüllt, führt der Smart Contract die entsprechenden Aktionen automatisch und unwiderruflich aus.

Aufstrebende Branche

Die Umsätze in den DeFi-Ökosystemen sind vergleichsweise klein und volatil: Im Jahr 2023 wurden weltweit rund 100 Milliarden US-Dollar über DeFi-Protokolle gehandelt. Marktführend in diesem dynamischen Umfeld ist derzeit die Open-Source-Blockchain-Plattform Ethereum, von einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in der Schweiz getragen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 12 Milliarden Franken folgt die US-amerikanische Avalanche. In Expertenkreisen geht man davon aus, dass neue Marktakteure und Anwendungsfälle entstehen werden und dass DeFi ein grosses Potenzial hat. Bei DeFi-Transaktionen ist die «Geldseite» zwar häufig eine Kryptowährung, es gibt jedoch auch Stablecoins oder tokenisierte Vermögenswerte, deren Wert traditionelle Aktien, Anleihen, Indizes, Rohstoffe oder Währungen repräsentiert. Sie bilden somit eine Brücke zwischen der Welt der Kryptowährungen und der traditionellen Finanzwelt.

Dynamisches Regulierungsumfeld

Die Risiken sind: die Volatilität der Krypto-märkte, Sicherheitsbedenken, aber auch das regulatorische Umfeld. Dieses steckt noch in den Kinderschuhen und ist regional sehr unterschiedlich: Während die USA noch nach klaren Richtlinien suchen, hat die EU einige regulatorische Ansätze eingeführt. So hat die Bankenaufsicht Anti-Geldwäscherei-Richtlinien veröffentlicht, die ab dem 30. Dezember 2024 gelten. Diese betreffen auch DeFi und zielen beispielsweise auf die Regulierung von Hosted Wallets ab. Die Schweiz geht ihren eigenen Weg und verfolgt dabei einen offenen Ansatz: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA behandelt DeFi-Anfragen unter Berücksichtigung der bestehenden Regeln, abstrahiert von spezifischen Technologien oder Prozessen und wendet die gleichen Regeln an wie für Intermediäre im traditionellen Finanzmarkt. Dieser pragmatische Ansatz hat die Schweiz zu einem attraktiven Standort für DeFi-Projekte gemacht und fördert die Innovation im Finanzsektor.

 

Gabriel Juri
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