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5 September 2024
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Haben Sie schon einmal einen Flug gebucht und gleichzeitig eine Reiseversicherung abgeschlossen? Hier kommt Embedded Finance ins Spiel. Die Reiseplattform ermöglicht es, nicht nur Flugtickets zu buchen, sondern auch eine Versicherung abzuschliessen – ohne die Website zu verlassen. Dies geschieht nahtlos, da die Versicherungsleistung direkt in den Buchungsprozess eingebettet ist. Diese Praxis gewinnt weltweit und über die Reisebranche hinaus immer mehr an Bedeutung. Gemäss einer neuen Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern erzielte die Embedded-Finance-Branche in der Schweiz bis Ende 2023 einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Unter der Annahme einer jährlichen Wachstumsrate von 22 % soll der Umsatz bis 2029 auf 3,3 Milliarden US-Dollar ansteigen, während der Weltmarkt bis 2032 auf 623 Milliarden US-Dollar anwachsen soll. Wie gross das Potenzial ist, lässt sich nur erahnen.
Laut Studienleiter Thomas Ankenbrand sind solche Lösungen in der Schweiz bisher nur «vereinzelt implementiert». Ein Beispiel im Schweizer Zahlungsverkehr ist die Partnerfunktion «Parkieren» in der Bezahl-App TWINT. Sie ermöglicht es, freie Parkplätze zu finden, die gewünschte Parkdauer auszuwählen und direkt über die App zu bezahlen. Ähnliche Dienstleistungen werden auch in anderen Teilen Europas angeboten. EasyPark beispielsweise ist in mehr als 1500 Städten in 20 Ländern aktiv. In den USA wickelte die ParkMobile-App 2023 mehr als 134 Millionen Parkvorgänge ab.
Diese Zahlen verdeutlichen die wachsende Bedeutung von «eingebetteten» Dienstleistungen, die sich nicht nur auf das Bezahlen beschränken. Ein Beispiel hierfür ist das «Embedded Lending», bei dem es sich zwar um Finanzdienstleistungen handelt, die jedoch in Plattformen oder Anwendungen ausserhalb des traditionellen Bankenumfelds integriert sind und über dieselbe Schnittstelle Zugang zu Kreditvergabefunktionen bieten. E-Commerce-Plattformen tun dies, um grössere Anschaffungen zu erleichtern. So kann beispielsweise beim Kauf eines neuen Smartphones der Kaufpreis über mehrere Monate gestreckt werden. «Jetzt kaufen, später bezahlen» hat in Ländern wie Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland weltweit den höchsten Marktanteil und ist damit eine beliebte Alternative zu herkömmlichen Kreditkarten.
Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass dieses Konzept in den nächsten Jahren in der Bankenwelt eine Rolle spielen wird. Der Schweizer Finanzsektor messe dem Thema jedoch generell (noch) keine grosse Bedeutung bei. Dies sei laut den Autoren gefährlich, da sich mit der Zeit auch Nichtbanken dazu entschliessen könnten, Finanzlösungen direkt und ohne Banken anzubieten. Für die Banken sei es daher unerlässlich, sich an diese veränderte Situation anzupassen, wenn sie ihre Marktposition behaupten wollen. Es wird sich zeigen, ob die Finanzinstitute den Embedded-Finance-Himmel erobern können.
Gabriel Juri SIX
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