Digitale Vermögenswerte halten Einzug in den Mainstream
Die Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten wächst exponentiell – und nichts deutet darauf hin, dass dieser Trend sich umkehren könnte.
Der Markt für tokenisierte Vermögenswerte, der derzeit ein Volumen von 17 Milliarden US-Dollar aufweist, wird laut Citi bis 2030 voraussichtlich auf USD 5,5 Billionen und USD 8,2 Billionen anwachsen. [1] Durch die Erleichterung von Intraday-Kreditaufnahme, -Kreditvergabe und -Finanzierung sowie durch sofortige Abwicklungen und mehr Transparenz könnte die Tokenisierung Banken und anderen Finanzinstituten ermöglichen, zusätzliche Einnahmequellen zu erschliessen. [2]
Laut «The Value Exchange» könnte die Mobilisierung bisher gebundener Sicherheiten durch Tokenisierung den führenden Finanzinstituten zu zusätzlichen Zinserträge in Höhe von USD 346 Millionen verhelfen. [3]
Das eigentliche Potenzial digitaler Vermögenswerte liegt nicht nur in der Steigerung der Effizienz durch kostengünstigere Abwicklungen, sondern auch in der Unterstützung einer besseren Bilanzoptimierung,
erklärte Marco Kessler, Head of Product and Business Development for Digital Assets, SIX, in seiner Rede am TNF.
Digitale Vermögenswerte werden jedoch in absehbarer Zeit die traditionellen Vermögenswerte nicht ersetzen.
Die Annäherung von traditionellen und digitalen Vermögenswerten schreitet voran, aber sie werden noch einige Zeit nebeneinander bestehen, weil sie jeweils unterschiedliche Vor- und Nachteile haben. Die Entscheidung, Vermögenswerte on-chain zu bringen, muss auf rein wirtschaftlichen Erwägungen beruhen und darf nicht von technologischer Ideologie bestimmt sein. Digitale Vermögenswerte bieten zahlreiche Vorteile, insbesondere im Bereich der Programmierbarkeit und der automatisierten Verarbeitung. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis sich diese Vorteile in allen Ebenen des Finanzsystems bemerkbar machen; daher müssen wir uns auf das Nebeneinander von digitalen und traditionellen Vermögenswerten einstellen,
so Kessler weiter.
Da sich immer mehr Kunden für digitale Vermögenswerte interessieren, müssen Post-Trade-Anbieter neue Lösungen entwickeln.
Unser Ziel bei SIX ist es, dazu beizutragen, dass sich die Kapitalmärkte von einem fragmentierten, sequenziellen Arbeitsablauf hin zu einem integrierten und besser programmierbaren Arbeitsablauf entwickeln
fuhr Kessler fort.
Anstatt die bestehende Infrastruktur gänzlich zu ersetzen, entwickelt sich ein Hybridmodell, das traditionelle und digitale Vermögenswerte innerhalb eines vertrauenswürdigen, regulierten Rahmens verbindet.
Nach der Genehmigung durch die FINMA wurde SIX Digital Exchange kürzlich in die grössere Geschäftseinheit Securities Services von SIX integriert. Somit bietet SIX ihren Kunden nun einen zentralen Zugang sowohl zu digitalen als auch zu traditionellen Vermögenswerten bieten kann – ein Prinzip, das auch als «One Plug, Two Worlds» bezeichnet wird.
Dies bedeutet, dass SIX digitale Vermögensverwaltungsfunktionen wie Tokenisierung, Sicherheitenmobilität, und DLT-basiertes Asset Servicing für das gesamte Spektrum der von SIX verwalteten Vermögenswerte anbieten kann.
Wir möchten unseren Kunden einen sicheren und nahtlosen Zugang sowohl zu ihren traditionellen Vermögenswerten auch zu digitalen Vermögenswerten bieten. Bereits jetzt beobachten wir eine steigende Nachfrage nach Services im Bereich digitale Vermögenswerte, insbesondere hier in der Schweiz seitens der grösseren Banken. Das klare und effektive Schweizer Regulierungsumfeld hatte wesentlichen Anteil daran, dass SIX die Marktinfrastruktur bereitstellen kann, die als Einstiegspunkt für digitale Vermögenswerte für die Beteiligten dient,
unterstrich Kessler.
EU-Aufsichtsbehörden wollen mehr Wettbewerb unter den zentralen Gegenparteien (CCPs)
Laut den Experten am TNF setzt die EU zur Steigerung der grenzüberschreitenden Investitionen verstärkt auf das Marktintegrationspaket (Market Integration and Supervision Package, MISP), einen zentralen Bestandteil der umfassenderen Wettbewerbs- und Integrationsagenda im Rahmen der Spar- und Investitionsunion (SIU).
Neben der Ausweitung der Aufsichtsfunktion der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) über zentrale Gegenparteien (CCPs) soll das MISP auch den Rechtsrahmen für CCPs vereinfachen.
Europa strebt integriertere, wettbewerbsfähige Kapitalmärkte an. Die heutige Clearing-Landschaft ist nach wie vor fragmentiert und zeichnet sich durch eine Mischung aus Silo-Modellen, Preferred Clearing und Interoperabilität aus. Mit dem MISP wird das Ziel verfolgt, sowohl regulatorische als auch operative Hindernisse zu beseitigen und den offenen Zugang zwischen Handelsplätzen und zentralen Gegenparteien (CCPs) zu stärken,
erklärte Michael Gort, Head of Clearing bei SIX.
Auch wenn einige politische Entscheidungsträger in der EU eine weitere Konsolidierung der Finanzmarktinfrastrukturen (FMI) begrüssen würden, wird das MISP zumindest die Nachfrage nach skalierbaren, europaweiten zentralen Gegenparteien (CCPs) steigern, bei denen Interoperabilität im Vordergrund steht.
Die Interoperabilität ist erwiesen. Seit fast zwei Jahrzehnten wird es in Europa sicher und effizient eingesetzt. Aus wirtschaftlicher Sicht ist dies attraktiv, da dadurch Netting-Kosten gesenkt, die Anforderungen an Sicherheiten verringert und der Wettbewerb gefördert werden. Das grösste Hindernis ist nicht die Technologie oder das Risiko, sondern die Anreize. Bei einigen vertikal integrierten Modellen besteht nach wie vor nur ein begrenzter Anreiz zur Öffnung. Sie ziehen es vor, den Zugang zu ihrer internen CCP zu beschränken. Indem sie dieses Clearing-Monopol erhalten, können sie eine höhere Marge erzielen, was zu höheren Kosten für die Nutzer führt. Deshalb gewinnt die Regulierung – insbesondere im Rahmen der SIU – zunehmend an Bedeutung und wird möglicherweise sogar unverzichtbar,
sagte Gort.
Im Dezember 2025 kündigte SIX an, ihre beiden CCPs – SIX x-clear in der Schweiz und BME Clearing in Spanien – zu einer gemeinsamen Einheit, SIX Clearing, mit Sitz in Madrid und Niederlassungen in Zürich und Oslo zusammenzuführen. Der Zusammenschluss soll 2027 abgeschlossen sein.
Diese einzige CCP verbindet das interoperable paneuropäische Cash-Equity-Modell von SIX x-clear mit den Multi-Asset-Stärken von BME Clearing und schafft so eine internationale, skalierbare, offene und wettbewerbsfähige Alternative für das Clearing aller Anlageklassen in Europa. Dadurch wird SIX zudem in eine starke Position versetzt, um künftig in neue Anlageklassen zu diversifizieren.
Indem wir die Anzahl der CCPs reduzieren, mit denen die Kunden verbunden sind, können wir durch Kostenoptimierung und niedrigere Gebühren einen zusätzlichen Mehrwert schaffen, was im Einklang mit den Zielen steht, die die Aufsichtsbehörden mit dem MISP verfolgen,
erklärte Gort.
Da digitale Vermögenswerte immer beliebter werden und die EU-Aufsichtsbehörden die Branche zu mehr Interoperabilität drängen, ist SIX dank ihres umfassenden Fachwissens im Bereich digitaler Vermögenswerte und ihres interoperablen CCP-Modells besser als die meisten anderen Unternehmen in der Lage, ihre Kunden zu unterstützen.
[1] Citi – June 1, 2026 – Tokenization 2030: Wall Street on Chain
[2] The Value Exchange – Making the case for tokenized collateral
[3] The Value Exchange – Making the case for tokenized collateral