Der jährliche Bericht, der zwischen Mai und Juni 2026 erstellt wurde, umfasst Antworten von 73 Buy-Side- und Sell-Side-Unternehmen. Diese stammen aus den USA, Grossbritannien und Europa, darunter Vermögensverwalter, Vermögensberater und Privatbanken sowie Investmentbanken und Broker-Dealer. Die «Market Data Study», wurde nun bereits zum vierten Mal durchgeführt. Sie untersucht, wie sich die Anforderungen an die Nutzung, Beschaffung und Bereitstellung von Marktdaten verändern.

Vertrauenswürdige Daten sind für die Einführung von KI unerlässlich

Der Einsatz von KI ist bereits weit verbreitet: 86% der Befragten nutzen KI bereits in ihren Arbeitsabläufen oder prüfen derzeit deren Verwendung. Fast neun von zehn Befragten (88 %) sind der Meinung, dass Marktdatenanbieter dazu beitragen können, die Genauigkeit und Zuverlässigkeit künstlicher Intelligenz (KI) sicherzustellen. Da Unternehmen zunehmend auf den praktischen Einsatz zusteuern, deuten die Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass auch die Anforderungen an die diesen Systemen zugrunde liegenden Daten immer höher werden. Rund 73% der Befragten nennen qualitativ hochwertige, genaue und umfassende Daten als einen der wichtigsten Wege, wie Marktdatenanbieter die Marktteilnehmer bei der Einführung von KI unterstützen können. Gleichzeitig verweisen 62 % auf eine transparente Datenbeschaffung und Methodik.

KI-Systeme benötigen zudem genügend Kontext, um zu interpretieren, was die Daten darstellen, wie sie klassifiziert wurden und innerhalb welcher Parameter sie verwendet werden sollten. Ohne diesen Rahmen können selbst genaue Basisdaten zu irreführenden Ergebnissen führen. Dies gewinnt an Bedeutung, da Unternehmen neue Möglichkeiten erkunden, KI-Anwendungen direkt mit Daten zu verknüpfen. Rund 58% erwägen den Einsatz des Model Context Protocol (MCP) oder nutzen es bereits. Dabei nutzen oder testen 57% derjenigen, die es bereits einsetzen, einen MCP-Server. MCP könnte den Zugriff erleichtern, erhöht aber auch die Anforderungen daran, dass die bereitgestellten Informationen gut strukturiert, geregelt und angemessen in einen Kontext eingebettet sind.

Marktdatenanbieter sehen sich zunehmendem Leistungs- und Kostendruck ausgesetzt

Die Beschaffung und Bereitstellung von Marktdaten wird immer vielfältiger. Zwar sind Anbieter und Weiterverteiler nach wie vor die häufigste Quelle und werden von 67% der Befragten genutzt, doch 60% kaufen auch direkt bei den Börsen ein. Auch die Bereitstellungsmodelle entwickeln sich weiter: Streaming-APIs werden mittlerweile von 84% der Befragten genutzt, während 86% in den nächsten drei bis fünf Jahren einen direkteren Zugriff auf Marktdaten über die Cloud erwarten. Dies erfordert von den Anbietern, dass sie eine breitere Palette an Zugangsmodellen und Infrastrukturanforderungen unterstützen.

Parallel zu diesem Wandel nehmen auch die Erwartungen an die Leistung zu. 56% nutzen den ganzen Tag über Echtzeitdaten. Dabei stellt die Handelsausführung mit 67% den häufigsten Anwendungsfall dar, während 78% bereit sind, für eine geringere Latenz zu zahlen. 60% gehen davon aus, dass die Budgets für Marktdaten steigen werden. Dennoch stellt der Bericht fest, dass die Kosten zunehmend an Bedeutung gewinnen, da die Marktteilnehmer den Nutzen genauer unter die Lupe nehmen und gleichzeitig hohe Leistung erwarten.

Veränderungen der Marktstruktur schaffen neue Datenanforderungen

Die europäische Marktstruktur verändert auch den Datenbedarf der Unternehmen. 70% der Befragten erwägen, ihren bestehenden Marktdaten-Mix, um einen europäischen Konsolidierungsdienstleister zu erweitern. Dabei zählen eine verbesserte Markttransparenz und ein gestärktes Anlegendenvertrauen zu den erwarteten Vorteilen. Fast die Hälfte ist zudem der Ansicht, dass grössere Transparenz im Laufe der Zeit zu einer stärkeren paneuropäischen Handelsaktivität und höheren Handelsvolumina beitragen könnte. Dies deutet auf eine breitere Nachfrage nach Datensätzen hin, die klarere und detailliertere Einblicke in die Marktaktivität bieten.

Insgesamt deuten die Ergebnisse auf immer vielfältigere Anforderungen hinsichtlich des Zugriffs auf und der Bereitstellung von Marktdaten hin. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Qualität, Latenz und Mehrwert weiterhin hoch. Dies erhöht den Druck auf die Anbieter, verschiedene Anwendungsfälle – einschliesslich KI-Workflows – und Infrastrukturmodelle zu unterstützen, ohne dabei Abstriche bei der Leistung zu machen.

Matthew Nurse, Head Market Data, Financial Information, SIX betont: «Die KI rückt verstärkt in den Fokus, wie vertrauenswürdige Marktdaten in der Praxis aussehen müssen. Genauigkeit bleibt von grundlegender Bedeutung, doch Unternehmen müssen auch wissen, woher die Daten stammen, wie sie verwaltet werden und in welchem Kontext sie interpretiert werden sollten. Da KI-Anwendungen durch Technologien wie MCP zunehmend direkter mit Marktdaten verknüpft werden, wird es immer wichtiger, diese Grundlagen richtig zu gestalten. Ebenso müssen Anbieter den immer vielfältigeren Kundenanforderungen hinsichtlich Datenqualität, Latenz und Art des Datenzugriffs gerecht werden und gleichzeitig den Mehrwert der Daten unter Beweis stellen. All diese Faktoren schaffen eine dynamischere und offenere Marktdatenlandschaft, in der sich Anbieter zunehmend durch Vertrauen, Qualität und Flexibilität auszeichnen werden.»

David Easthope, CFA, Head of FinTech, Market Structure & Technology, Crisil Coalition Greenwich fügt hinzu: «Die diesjährige Studie zeigt, wie hohe Erwartungen Unternehmen mittlerweile an Marktdatenanbieter stellen – von der Unterstützung von KI-Anwendungen bis hin zur Erfüllung der Anforderungen des Echtzeithandels. Da Unternehmen ihre Vorgehensweise bei der Beschaffung und dem Zugriff auf Daten neu bewerten, müssen Anbieter auf sich ändernde Bedürfnisse hinsichtlich Leistung und Kosten reagieren. Gleichzeitig können sie die Chancen nutzen, die sich aus den Veränderungen in der europäischen Marktstruktur ergeben.»

Weitere Informationen sind in der vollständigen Marktdatenstudie (Englisch) verfügbar.


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