SIX als Venture Capitalist


SIX als Venture Capitalist

Um die Wettbewerbsfähigkeit des schweizerischen und spanischen Finanzplatzes zu stärken, unterstützt SIX Start-ups mit SIX FinTech Ventures und dessen Corporate-Venture-Capital-Fonds. Dabei konzentriert sich SIX auf die FinTech-Branche. Was ein Venture-Capital-Geschäft beinhaltet und wie der Investitionsprozess bei SIX abläuft, wird in diesem Beitrag erklärt.

Ins TV-Sendeformat «Die Höhle der Löwen» wagen sich Gründerinnen und Gründer mit ihren Start-ups, in der Hoffnung, renommierte Unternehmerinnen und Unternehmer für eine Investition zu begeistern und mit ihnen die nächsten Schritte zu gehen. Ähnlich, aber doch anders, gestaltet sich der Investitionsprozess bei SIX FinTech Ventures, dem Venture-Capital-Arm von SIX. In der Realität sind es die Investierenden selbst, die um gute Deals bei den Start-ups werben, denn der Wettbewerb im Venture-Capital-Geschäft ist hart. So geht das Team von SIX FinTech Ventures selbst auf die Suche nach geeigneten Gründerinnen und Gründern, vornehmlich in der Schweiz, in Spanien sowie im restlichen Westeuropa, und unterstützt beispielsweise KMU-Lösungen für Zahlungen, Open Banking, ESG oder aufkommende Technologielösungen basierend auf Blockchain oder künstlicher Intelligenz.

Wie funktioniert das Venture-Capital-Geschäft?

Venture Capital bedeutet übersetzt Wagniskapital oder auch Risikokapital. Mit Eigenkapital unterstützen Venture-Capital-Gesellschaften Gründerinnen und Gründer dabei, neuartige Ideen umzusetzen, die aufgrund des hohen Risikos von keiner Bank über Fremdkapital finanziert würden. SIX FinTech Ventures investiert ab 300’000 Schweizer Franken bis zu einem Betrag von 2 Millionen Schweizer Franken im sogenannten Early-Stage-Segment. Start-ups haben hier typischerweise bereits ein Produkt sowie erste Kunden und wachsen schnell.

Das Team von SIX FinTech Ventures unterstützt die Start-ups neben dem finanziellen Investment mit Erfahrung und Know-how in diversen Managementthemen wie Strategie, Marketing, HR oder Geoexpansion. Zusätzlich arbeitet das Team immer in enger Zusammenarbeit mit den anderen Investoren. Das hohe Risiko eines Investments in Start-ups wird in den Venture-Capital-Beteiligungen einkalkuliert. SIX baut ein Portfolio auf und arbeitet mit der Annahme, dass nur wenige Start-ups langfristig erfolgreich sein werden, aber mit den erfolgreichen dann sehr hohe Gewinne verbucht werden können. Das bedeutet, dass erfolgreiche Start-ups schnell wachsen müssen, um die Misserfolge der anderen Investments wieder auszugleichen. Eine Faustregel besagt, dass zwei von zehn Start-ups erfolgreich sein sollten.

SIX investiert nie allein in ein Start-up, sondern immer gemeinsam mit anderen Investoren. «Typischerweise gibt es neben uns noch zwei bis drei weitere neue Investoren in der Finanzierungsrunde sowie bereits existierende Investoren aus vorherigen Finanzierungsrunden wie beispielsweise sogenannte Business Angels», erklärt Maximilian Spelmeyer, Senior Investment Manager bei SIX. Business Angels sind Investoren, die schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in Start-ups investieren. Für SIX ist es wichtig, das Risiko zu teilen sowie einen höheren Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Der Entscheidungsprozess im Venture-Capital-Geschäft

«Am Anfang und am Ende eines Investmentprozesses spielt das Bauchgefühl eine wichtige Rolle. Man bekommt anfangs meist sehr schnell ein gutes oder schlechtes Gefühl in einer Investmentanfrage. Und am Ende, kurz vor der Entscheidung, muss man an das Unternehmen glauben und vom Erfolg überzeugt sein», sagt Maximilian Spelmeyer. Dazwischen liegt meist ein langer Weg. Viel Recherche und eine Due-Diligence-Prüfung validieren oder widerlegen das gute Gefühl zu Beginn.

Bei der Due Diligence schaut sich das Team von SIX FinTech Ventures unter anderem das Segment, in dem sich das Start-up bewegt, aus einer Makroperspektive an und versucht, Trends zu verstehen. In der Mikroperspektive durchleuchtet SIX FinTech Ventures die Einzelheiten wie beispielsweise die Finanzen, das Team, die Technologie oder vorhandene Verträge des Unternehmens. Auf das Team wird dabei ein Fokus gelegt: «Das Team setzt die Ideen um. Wer die weltbeste Idee, aber nicht das richtige Team für die Umsetzung hat, wird scheitern», ist Maximilian Spelmeyer überzeugt.

Die finale Investitionsentscheidung wird im Investment Committee getroffen, das aus drei Mitarbeitenden und den Investment Managers von SIX FinTech Ventures als Beisitzerinnen und Beisitzern besteht. Das Komitee kommt einmal pro Monat zusammen. Das ermöglicht einen schnellen Entscheidungsprozess. Ein typischer Investitionsprozess vom Kennenlernen bis zum Closing, also der Überweisung des Investitionsbetrags, dauert zwischen sechs und neun Monaten.

Für welche Unternehmen eignet sich die Finanzierung über Venture Capital?

Start-ups, in die SIX FinTech Ventures investiert, müssen das Potenzial aufweisen, eigenständig und stark zu wachsen. Das sind Unternehmen, die ohne Bezug zum Kerngeschäft von SIX sind, an das Kerngeschäft angrenzen oder es ergänzen. Start-ups, die stark von SIX abhängen oder einen Wettbewerbsvorteil für SIX darstellen, kommen für SIX FinTech Ventures nicht infrage. «Kooperationen mit solchen Start-ups erfordern eine stärkere Kontrolle als eine Venture-Capital-Minderheitsbeteiligung. Ein Joint Venture, eine strategische Zusammenarbeit, eine Mehrheitsbeteiligung oder eine Übernahme eignen sich da besser», führt Maximilian Spelmeyer aus.

SIX unterstützt Start-ups sowohl mit SIX FinTech Ventures und dessen eigenem Corporate-Venture-Capital-Fonds, als auch über den F10 FinTech Incubator & Accelerator, bei dem SIX Gründerin, Unternehmensmitglied und Hauptsponsorin ist. Die Start-ups im F10 befinden sich ganz am Anfang ihrer Entwicklungsphase, wogegen sich die Start-ups bei SIX FinTech Ventures bereits einen Schritt weiter in der Produktentwicklung befinden oder allenfalls erste Kunden und Umsätze aufweisen. Die Zusammenarbeit mit F10 bietet gute Synergien und schon manch ein Start-up aus dem F10 landete bei SIX FinTech Ventures.

SIX FinTech Ventures investiert nur in Start-ups, die das Potenzial haben, sehr gross und im besten Fall ein Unicorn zu werden. Ob eine Idee und das Investment funktionieren, weiss man aber erst nach ein paar Jahren am Ende des Investitionsprozesses, beim Exit. «Wenn man am Anfang von einem Start-up überzeugt war und es hat nicht funktioniert, kann man nicht sagen, dass es eine schlechte Entscheidung war. Scheitern ist bei uns in der Strategie eingepreist», sagt Maximilian Spelmeyer.

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