Wie kommen die aktuellen Börsenkurse ins Fernsehen?


Wie kommen die aktuellen Börsenkurse ins Fernsehen?

Jeden Wochentag, kurz vor der Tagesschau, präsentiert das Schweizer Fernsehen in der Sendung «SRF Börse» die aktuellen Börsenkurse. Woher kommen eigentlich diese Kurse? Und wie gelangen sie ins Fernsehen?

Was an der Börse geschieht, geht alle an. Egal, ob man in Aktien oder andere Wertpapiere investiert oder nicht. Auch wer kein Depot besitzt, ist zumindest durch seine Vorsorgegelder in irgendeiner Form an der Börse investiert.

Deshalb ist es wichtig, dass die Medien die Öffentlichkeit über das Börsengeschehen informieren. Im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ist dafür jeden Wochentag um 19.25 Uhr ein Sendeplatz reserviert. In SRF Börse informiert die Wirtschaftsredaktion des SRF kurz nach Börsenschluss über aktuelle Themen aus dem Umfeld der Börse. Einer, der dabei regelmässig vor die Kamera tritt, ist Andi Lüscher. Seit mehr als zehn Jahren ist er als Moderator und Redaktor bei SRF tätig, erst im Radio – und seit 2018 im Fernsehen bei SRF Börse.

«Wirtschaftsthemen sind extrem wichtig und spielen in allen Bereichen des Lebens eine Rolle. Die Börse ist dabei ein essenzieller Teil der Wirtschaft. Wir sind alle in irgendeiner Form an der Börse investiert. Deshalb sind die Themen hochrelevant. Unsere Aufgabe bei SRF Börse ist es, das Ganze auch interessant und verständlich rüberzubringen», sagt Andi Lüscher.

Dafür bleiben ihm jeden Wochentag etwas mehr als zwei Minuten, zur besten Sendezeit, kurz vor der Tagesschau. Während Lüscher die Sendung moderiert, sieht das Publikum unten im Bild die aktuellen Börsenkurse eingeblendet. Gezeigt werden die Kurse für einzelne Aktien, wichtige Indizes wie der SMI – oder auch für Edelmetalle und Rohstoffe wie Gold oder Öl. Aber wie kommen diese Kurse dahin? Und auf welche anderen Finanzdaten kann die Wirtschaftsredaktion des SRF bei der Recherche zugreifen?

Woher kommen die Börsenkurse?

Die Kursdaten für die Sendung stammen von SIX. SIX normalisiert, konsolidiert und validiert Daten von mehr als 30 Millionen Finanzinstrumenten. Die Daten bezieht SIX aus über 1800 Quellen weltweit, beispielsweise von anderen Börsen- und Handelsplätzen wie der Deutschen Börse oder der New York Stock Exchange, von Banken und Brokern oder aus unstrukturierten Quellen wie Produktprospekten oder Aktionärspublikationen.

Wie verarbeitet SIX die Daten?

Die Kursdaten, die SRF bei der Berichterstattung braucht, werden mit Datenfeeds an SIX übermittelt. Das bedeutet, dass ein riesiger Strom an Daten permanent bei SIX einfliesst. Und obwohl es gewisse Richtlinien bezüglich Standardisierung dieser Daten gibt, so treffen sie trotzdem in den unterschiedlichsten Formaten ein. Aufgabe von SIX ist es, diese Daten zu normalisieren. Einfach gesagt bedeutet das: SIX vereinheitlicht alle Daten zu einem einzigen Format, ehe sie an die Kunden weitergegeben werden. Dieser ganze Prozess spielt sich innerhalb von Millisekunden ab. Denn jeden Tag werden bei SIX ca. 16 Milliarden Preisupdates zu Finanzinstrumenten verarbeitet. Das entspricht im Schnitt etwa 185’000 Updates pro Sekunde.

100-mal die Woche im Radio

Die Kursdaten von SIX werden bei SRF nicht nur im Fernsehen verwendet. Auch im Radio werden mehrmals täglich die Börsenkurse verlesen. Die Worte «… und nun zu den Börsendaten von SIX» haben Sie vielleicht auch schon gehört. Sie fallen nämlich mehr als 100-mal die Woche. Immer dann, wenn auf einem von sechs verschiedenen Radiosendern von SRF die aktuellen Börsenkurse vermeldet werden.

SIX iD als Recherchetool

Sind die Daten einmal gesammelt, normalisiert, konsolidiert und validiert, werden sie an die Kunden übermittelt. Im Fall von SRF geschieht das mit zwei verschiedenen Produkten: SIX iD und apiD. Das «iD» in SIX iD steht für Intelligent Display. Dabei handelt es sich um eine Anzeigeapplikation, welche die Kursdaten effizient darstellt. Also so etwas wie eine eigene Website, auf der die SRF-Redaktion Kursdaten wie auch Referenzdaten recherchieren kann.

SIX iD diene der Redaktion vor allem zu Recherchezwecken, hält Andi Lüscher fest: «Bei der Erstellung einer Story sind die historischen Kursdaten sehr wichtig für uns. Damit können wir das ganzheitliche Bild zeichnen. Und nicht nur das tagesaktuelle.» Abgesehen davon liefert SIX iD auch noch andere Daten wie beispielsweise Stammdaten oder Corporate Actions. «Hin und wieder brauche ich auch andere Informationen für eine Story. Beispielsweise will ich wissen, wer die grössten Aktionäre eines Unternehmens sind – oder wie viel Dividende eine Firma zahlt», sagt Andi Lüscher.

apiD für die Einblendung am TV

Das zweite Produkt, das SRF verwendet, nennt sich apiD. Dabei handelt es sich um eine programmierbare Schnittstelle, die wie ein Intermediär zwischen SIX und SRF funktioniert. Mithilfe von apiD gewährt SIX dem SRF Zugriff auf ihre Finanzdaten.

Anschliessend ist SRF in der Lage, seine Systeme so zu programmieren, dass die richtigen Daten im richtigen Layout aus dem Programm gezogen werden können. Auf diese Weise werden einerseits die Kurse eingeblendet, die während der Sendung unten auf dem Banner zu sehen sind, andererseits kann die Redaktion auch Grafiken und Chartverläufe mit nur wenigen Klicks im SRF-Layout erstellen.

Die Börse: ein hektisches Umfeld

Die Kurse von SIX erscheinen stets in Echtzeit – und nicht wie auf vielen anderen Plattformen üblich mit 15 Minuten Verzögerung. Für SRF Börse sei das eminent wichtig, erklärt Andi Lüscher: «Wir warten nach Börsenschluss immer noch fünf Minuten ab, bis auch die letzten Trades abgewickelt sind. Dann zeichnen wir sofort die Sendung auf. Für uns ist es wichtig, dass wir gleich nach Börsenschluss loslegen können. Denn spätestens um 18.00 Uhr müssen wir fertig sein. Dann kümmert sich die Regie um die Folgesendungen.»

An eine gewisse Hektik sind sich Andi Lüscher und sein Team gewohnt. Denn es liegt in der Natur der Börse und des tagesaktuellen Journalismus, dass sich in wenigen Augenblicken vieles verändern kann. Das führe hin und wieder auch zu kurzfristigen Änderungen im Programm, erzählt er: «Manchmal kommt es vor, dass im Lauf des Tages etwas Unerwartetes geschieht. Ich hatte letztens eine Sendung über Kryptowährungen geplant. Dann sackte aber plötzlich der SMI um 3,8 Prozent ab. Und wenn das am Tag passiert, können wir am Abend nicht über Kryptos berichten. Also mussten wir das Programm umstellen und einen Analysten suchen, den wir dazu interviewen konnten. Die Krypto-Story haben wir dann zwei Tage später gebracht.»

Das Komplexe einfach machen

Die Hektik an den Börsen ist eine der Herausforderungen, mit der die Redaktion von SRF Börse täglich konfrontiert ist. Eine weitere ist, die häufig sehr komplexen Vorgänge an der Börse für ein breites Publikum verständlich zu machen – auch wenn bei SRF Börse durchaus auch Cracks wie Bankanalysten einschalten. «Die schauen aber hauptsächlich zu, weil es ihre Kunden auch schauen. Dann wissen sie am nächsten Tag, wovon diese reden», relativiert Andi Lüscher. «Aber ein wirklich börsenaffines Publikum macht nur einen kleinen Teil aus. Der Grossteil unserer Zuschauerschaft ist einfach generell an News interessiert und schaltet fünf Minuten vor der Tagesschau ein, damit sie noch etwas zur Wirtschaft mitkriegen.»

Dementsprechend wirft SRF Börse nicht mit Fachbegriffen und Zahlen um sich. «Hinter den vielen Zahlen und den komplizierten Medienmitteilungen steckt irgendwo eine Geschichte. Und die versuchen wir dem Publikum auf einfache Art und Weise zu erzählen. Das ist unsere Aufgabe.» Und mit SIX hat SRF eine verlässliche Partnerin für alle relevanten Daten, die für das Erzählen dieser Geschichten notwendig sind.  

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