Vermögensverwaltung im Wandel: 4 Kompetenzen, die die Branche für die Zukunft aufbauen muss


Vermögensverwaltung im Wandel: 4 Kompetenzen, die die Branche für die Zukunft aufbauen muss

Wie andere Geschäftsfelder auf dem Schweizer Finanzplatz steht auch die Vermögensverwaltung vor grossen Herausforderungen. Welche Anpassungen des Geschäftsmodells sind nötig? Erfahren Sie, welche Kompetenzen im Zusammenhang mit Daten und Technologie hilfreich sein werden.

Die Vermögensverwaltung gilt als eines der bedeutendsten Geschäftsfelder der Schweizer Finanzbranche, in der Billionen Schweizer Franken an Privatvermögen von einheimischen Banken verwaltet werden. Die digitale Transformation, veränderte Kundenbedürfnisse, ein dynamischer Regulierungsrahmen und der Markteintritt von Mitbewerbern schaffen jedoch Ungewissheit bezüglich der zukünftigen Ausrichtung.

Wie gross ist die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche?

Der Schweizer Finanzplatz mit seinen über 240 Banken und vielen weiteren Akteuren wie Family Offices und unabhängigen Vermögensverwaltern bietet eine breite Palette an Finanzdienstleistungen und ist für die Schweizer Wirtschaft von grosser Bedeutung. Ein wesentlicher Teil davon ist die Vermögensverwaltung: 2019 werden bei Schweizer Banken 3,7 Billionen Schweizer Franken an Privatvermögen verwaltet. Dies entspricht rund 46 % des gesamten von den Banken in der Schweiz verwalteten Vermögens. Davon stammen 2,3 Billionen Schweizer Franken aus dem Ausland. Die Schweiz ist damit das weltweit führende Zentrum für die grenzüberschreitende Vermögensverwaltung.

Im Whitepaper «Future of Wealth Management: Harvesting the Power of Data and Technology» hat SIX zusammen mit der Hochschule Luzern vier wesentliche Auswirkungen des Wandels auf die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche abgeleitet. Hier müssen Vermögensverwalter Kompetenzen für die Zukunft aufbauen:

1. Daten und Analysen als Grundlage für eine ganzheitliche Vermögensverwaltung

Die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche schöpft das Potenzial von Daten noch nicht voll aus. Daten und Analysen ermöglichen neue Geschäftsmodelle und neue Wege, damit in der Vermögensverwaltung Mehrwert generiert werden kann. Allerdings besteht der Datenpool von Vermögensverwaltern heute in der Regel nur aus intern in der Kundeninteraktion gesammelten Informationen und extern beschafften Marktdaten. Eine Anreicherung dieser Daten mit externen finanziellen und nichtfinanziellen kundenspezifischen Daten würde eine ganzheitliche Vermögensverwaltung ermöglichen.

Voraussetzung hierfür ist jedoch die Verfügbarkeit hochwertiger Daten und eine robuste Infrastruktur, was bei den meisten Vermögensverwaltern noch nicht gegeben ist. Ein weiterer entscheidender Faktor, damit Vermögensverwalter das Potenzial von Daten ausschöpfen können, ist die Datensicherheit. Dies betrifft insbesondere den Schutz von Daten.

2. Die Vermögensverwaltung als Teil eines Ökosystems

Um ein ganzes Finanzökosystem und damit neue Kundensegmente zu erschliessen, bedarf es einer modernen Denkweise bezüglich der Infrastruktur. Eine Möglichkeit, das umzusetzen, sind «As-a-Service»-Lösungen, die von einem externen Anbieter entwickelt, aber vom Vermögensverwalter selbst genutzt oder angeboten werden. Solche Lösungen werden am effizientesten über Open-Finance-Plattformen wie zum Beispiel bLink vertrieben. Sie erleichtern die Interaktion und den Datenaustausch zwischen einer grossen Zahl von Teilnehmenden.

Für die Vermögensverwaltung könnten Open-Banking-Plattformen dabei helfen, methodische und konzeptionelle Dienstleistungen zu beziehen, zum Beispiel hinsichtlich künstliche Intelligenz oder Big Data. Die Teilnahme an einem Ökosystem kann jedoch nicht nur dazu dienen, fehlende Ressourcen und Kompetenzen extern zu beschaffen, sondern auch dazu, die hohen Personalkosten zu senken – eine der grössten Herausforderungen der Branche. Für den zukünftigen Erfolg einer Ökosystem-orientierten Schweizer Vermögensverwaltung entscheidend ist jedoch der Einsatz von zeitgemässen Programmierschnittstellen.

3. Zugang zu hochwertigen ESG-Daten für die Vermögensverwaltung

Nachhaltiges Investieren ist auf dem Vormarsch und wird aufgrund der sich ändernden Anforderungen der Anlegerinnen und Anleger sowie des regulatorischen Drucks weiter zunehmen. Um solide und gute Anlageentscheidungen treffen zu können, müssen ESG-Kriterien heutzutage Teil der Vermögensverwaltung sein. Qualitativ hochwertige ESG-Daten stellen jedoch nach wie vor eine grosse Herausforderung dar. Diese Herausforderung beginnt mit der vagen Definition von Nachhaltigkeit, die unterschiedliche Interpretationen zulässt. Heute sind die meisten ESG-Daten über bestimmte Unternehmen Selbstangaben und können nicht überprüft werden. Darüber hinaus erschweren uneinheitliche Methoden zur Erhebung und Ableitung von Daten und deren Quellen den Vergleich. Und schliesslich erweist sich auch die sinnvolle Verknüpfung der Daten mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung als komplex.

Das Volumen der ESG-Daten wächst und in Zukunft wird es nicht nur von Unternehmen gemeldete Daten geben, sondern auch ESG-Daten aus alternativen Quellen. Ein wichtiger Faktor, der die Generierung genauer und zuverlässiger ESG-Daten fördert, ist die Regulierung. In mehreren Rechtsräumen, zum Beispiel in der EU, werden Vorschriften die Nachhaltigkeit betreffend entwickelt. Die Regulierung erhöht nicht nur den Druck auf die Unternehmen, ihre ESG-Daten zu melden, sondern trägt auch dazu bei, Greenwashing zu verhindern. Hochwertige ESG-Daten sollten für jeden Vermögensverwalter von grosser Bedeutung sein.

4. Regulierung als Chance und Herausforderung für die Vermögensverwaltung

Die Regulierung wird zunehmen, insbesondere die datengetriebene Regulierung wird in den Mittelpunkt rücken. Die Regulierung und die Verfügbarkeit von Daten in Verbindung mit dem gestiegenen Kundeninteresse sind eine grosse Chance zur Innovation, aber nicht einfach zu handhaben für Vermögensverwalter. Bei der Umsetzung werden alle relevanten Parteien – von der Geschäftsleitung, über das Business und die IT bis zur Rechtsabteilung und der Compliance – involviert sein müssen. Datenspezialisten, aber auch Drittanbieter werden darum eine entscheidende Rolle spielen bei der Weiterentwicklung der Branche.

Wie kann die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche ihre Führungsrolle behalten?

Für die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche ist es unerlässlich, die Treiber des Wandels kontinuierlich zu beobachten und die notwendigen Kompetenzen aufzubauen, damit sie in einem derart dynamischen Umfeld wettbewerbsfähig sein kann. Nur wenn Vermögensverwalter frühzeitig entsprechende Anpassungen an ihren Geschäftsmodellen vornehmen, können sie den Wandel als Chance wahrnehmen. Gelingt das, kann die Schweiz weiterhin als einer der führenden Standorte für die Vermögensverwaltung agieren.

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