Mit Eltern, Schule und Social Media zu mehr Financial Literacy bei Jugendlichen

Mit Eltern, Schule und Social Media zu mehr Financial Literacy bei Jugendlichen

Financial Literacy, die Finanzkompetenz, ist bei den Jungen und den Älteren in der Bevölkerung am niedrigsten. Erfahren Sie, wie Unternehmen mit Social Media Jugendliche für Finanzthemen begeistern können.

Eltern als Vorbild im Umgang mit Finanzen

Bei der Vermittlung von Financial Literacy an Jugendliche kommt den Eltern eine wichtige Vorbild- und Vermittlerrolle zu: Sie ermöglichen ihren Kindern erste Erfahrungen mit Geld, können sie ermutigen, ihr Finanzwissen durch Bücher, Websites und Kurse zu erweitern. Vor allem leben sie ihren Kindern den Umgang mit Geld vor.

Finanzbildung macht noch keine Schule

Ebenso wichtig ist es, dass die obligatorische Schule Finanzkompetenz thematisiert und vermittelt. Verschiedene globale Studien belegen, dass die finanzielle Bildung von Kindern und Jugendlichen nicht nur für deren eigene finanzielle Absicherung im Erwachsenenalter eine Rolle spielt, sondern auch weitreichende Folgen für die nationale und globale Wirtschaftslage haben kann. Selbst in Ländern mit hoch entwickelten Finanzmärkten wie der Schweiz ist das durchschnittliche Niveau der Finanzbildung tiefer als erwartet.

Was ist Financial Literacy?

Financial Literacy ist die Fähigkeit, verschiedene Finanzthemen zu verstehen und das Wissen effektiv zu nutzen. Dies macht Financial Literacy zu einer wichtigen Fähigkeit für Menschen jeden Alters, einschliesslich junger Menschen. Finanzielle Allgemeinbildung ist ein kontinuierlicher Prozess. Es ist wichtig, jungen Menschen diese Konzepte frühzeitig zu vermitteln, damit sie fundierte Entscheidungen in Geldfragen treffen, gute finanzielle Gewohnheiten entwickeln und sich auf eine finanziell sichere Zukunft vorbereiten können. 

Förderung von Financial Literacy durch Unternehmen

Nicht nur Eltern und Schulen können Kindern und Jugendlichen Finanzwissen vermitteln, auch Unternehmen können sich engagieren. Das von SIX unterstützte Schweizer Finanzmuseum hat sich zum Ziel gesetzt, die finanzielle Bildung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Seit Jahren bietet das Schweizer Finanzmuseum Workshops über Geld für Kinder an oder beteiligt sich zusammen mit SIX an der Swiss Money Week. Doch wie viele andere Museen steht auch das Finanzmuseum vor der Herausforderung, die Zielgruppe der 16- bis 20-Jährigen zu erreichen. Gerade bei dieser Zielgruppe, die schon eigenes Geld verdient, wäre es aber wichtig, das Wissen um Finanzen zu stärken. 

TikTok für Financial Literacy

Das Schweizer Finanzmuseum hat für sich einen Weg gefunden, um die Welt des Geldes und das Museum für Besucherinnen und Besucher im Alter zwischen 16 und 20 Jahren interessanter zu machen. Die Idee dafür kam von der Zielgruppe selbst: Die 17-Jährige Nicole Hrdina, seit Sommer 2022 Lernende bei SIX und im Schweizer Finanzmuseum, überzeugte die Leiterin des Schweizer Finanzmuseums, Andrea Weidemann, einen TikTok-Kanal für das Museum einzurichten. «Ich wollte junge Menschen dort erreichen, wo sie sich täglich mehrere Stunden aufhalten, nämlich online», erzählt Nicole Hrdina. 

Finanzwissen von Jugendlichen für Jugendliche

«Soziale Medien und der digitale Raum schaffen auch für kulturelle Institutionen wie Museen viele neue Möglichkeiten, die diese nutzen können, um neue Zielgruppen anzusprechen», sagt Andrea Weidemann. Die Gesamtverantwortung für das TikTok-Projekt hat das Museumsteam zwei Lernenden übertragen: Nicole Hrdina selbst sowie Fabian Winkler. «Es ist sehr untypisch für ein Museum oder ein Unternehmen, seine Social-Media-Kanäle jungen Leuten zu überlassen. Aber unser Motto war ‹Von Jugendlichen für Jugendliche›. Ausserdem hätte unser Museumsbudget nicht ausgereicht, um eine externe Agentur zu bezahlen», erklärt Andrea Weidemann und ergänzt: «Dass wir als Museumsteam dabei auch ein Stück Kontrolle abgeben mussten, war für uns gelebte Unternehmenskultur: Wir vertrauen unseren Lernenden.»

Die meisten der TikTok-Videos sind speziell für junge Menschen in Ausbildung konzipiert und haben damit einen engen Bezug zu den beiden Protagonisten. «Da wir selbst Lernende sind, können wir Finanzwissen und das Schweizer Finanzmuseum authentisch und glaubwürdig präsentieren», sagt Nicole Hrdina. Neben den Erklärvideos greifen die beiden Lernenden auch Trends von TikTok auf und verbinden diese mit ihrem Alltag bei SIX. Bereits das dritte Video ist mit über 100’000 Views viral gegangen. 

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4 finanzielle Grundlagen, die Jugendliche kennen sollten

  1. Budgetierung: Jugendliche sollten lernen, wie man ein Budget aufstellt und verwaltet. Dazu gehört das Verständnis von Einnahmen und Ausgaben sowie die Bedeutung der Ausgabenkontrolle. Die Erstellung eines Budgets hilft jungen Menschen, Prioritäten bei ihren Ausgaben zu setzen und Geld zu sparen.
  2. Sparen und Investieren: Es ist wichtig, Jugendlichen den Wert des Sparens und die Kraft des Zinseszinseffekts zu vermitteln. Sie sollten verstehen, wie sie einen Teil ihres Einkommens oder ihres Taschengeldes auf ein Sparkonto oder in ein Anlageinstrument wie einen Aktienindexfonds einzahlen können. 
  3. Bankwesen: Jugendliche sollten wissen, wie man grundlegende Bankdienstleistungen in Anspruch nimmt, zum Beispiel ein Bankkonto eröffnet, Geld einzahlt und abhebt und ein Girokonto verwaltet. Sie sollten auch die Gebühren für Geldautomaten und Überziehungskredite kennen und wissen, wie sie die Überziehung des Kontos vermeiden können. 
  4. Kredite und Schulden: Junge Menschen sollten wissen, was ein Kredit ist und wie er funktioniert. Sie sollten verstehen, wie wichtig es ist, eine gute Kreditwürdigkeit zu haben, und welche Fallstricke die Anhäufung von Schulden mit hohen Zinsen wie beispielsweise Kreditkartenschulden mit sich bringen kann. 
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Die TikTok-Stars

Das Schweizer Finanzmuseum hat mit seinem TikTok-Kanal den «Silver Award» in der Kategorie «Marketing to Youth» beim Digital Communication Award 2023 gewonnen. Aber viel wichtiger: Es konnte im ersten Halbjahr 2023 über 80 % mehr Eintritte von 13- bis 18-Jährigen verzeichnen als im Vorjahr. «Fabian und ich freuen uns sehr, dass wir über unseren TikTok-Kanal jungen Menschen das Museum näherbringen und sie über finanzielle Themen aufklären können», sagt Nicole Hrdina. Fabian Winkler ergänzt: «Wir hoffen, dass das Projekt weiterhin so gut läuft und wir immer mehr Jugendliche ansprechen können.»