Die grösste Änderung betrifft die erwähnte Zunahme der Datenfülle, speziell bei den sogenannten alternativen Daten. Der Begriff steht in Abgrenzung zu traditionellen Finanzdaten, welche die Unternehmen selbst als Teil ihrer Berichterstattung veröffentlichen: Umsatz, Gewinn, Schuldenlast, ausstehende Verbindlichkeiten und so weiter. Im Gegensatz dazu sind alternative Daten meist keine Finanzdaten, sondern betreffen beispielsweise den Verkehr, das Wetter, die Kommunikation oder den Energieverbrauch. Sie können aus verschiedensten Quellen stammen wie Social Media oder Satellitenbilder, Verkehrsteilnehmer oder Sensoren. Diese Daten enthalten entweder selbst interessante Informationen oder sie erlauben es, bestehende Daten neu auszuwerten.
Klingt abstrakt? Ein konkretes Beispiel: Foursquare ist eine App, bei der die Nutzer virtuell «einchecken», wenn sie sich an Orten aufhalten wie einem Flughafen oder einem Restaurant. Vor ein paar Jahren konnte der CEO von Foursquare so die Quartalszahlen einer Restaurantkette ziemlich genau voraussagen. Der Umsatzeinbruch um 30 Prozent hatte sich im Verhalten der App-Nutzer bereits abgezeichnet.
Das Beispiel illustriert, warum in der Finanzwelt alternative Daten derzeit so hoch gehandelt werden. So schreibt der «Economist », diese bärgen das Potenzial, den Wissensvorsprung auszugleichen zwischen Unternehmens- Insidern und normalen Anleger. In Blogs ist zu lesen, wie man mit alternativen Daten «den DAX schlagen» könne, für die Privatbank Pictet sind «alternative Daten der Schlüssel zu mehr Alpha in der Zukunft », also zu mehr Rendite. Und das Finanz-Marktforschungsunternehmen Optima schätzt den Markt für alternative Daten bereits auf USD 7 Milliarden für 2020.
Individueller Nachhaltigkeitsindikator
Für die Erhebung von ESG werden alternative Daten besonders wichtig. «Das grösste Hindernis für Investitionen ist, dass sich die meisten Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen nicht an Anleger, sondern an andere Stakeholder richten», so die «Harvard Business Review ». Bis heute fehlen ESG-Daten meist in den Quartals- und Jahresberichten. Vordringlicher Grund dafür sei übrigens nicht, dass die Unternehmen diese Daten nicht publizieren wollen, sondern dass sie diese schlicht nicht erheben oder nicht erheben können.
In der Zukunft wird es diese Einschränkung nicht mehr geben. Das White Paper von SIX sieht eine Welt voraus, in der die Informationsmenge und -tiefe fast keine Grenzen mehr kennt und in der Anleger ihre Investitionen ganz nach den eigenen Präferenzen zusammenstellen können: Ein Anleger möchte vielleicht nur in Unternehmen investieren, die sich stark für Gleichstellung einsetzen, eine Anlegerin setzt sich für den Umweltschutz und den Klimawandel ein. Andere Anleger möchten Waffen- oder Kohleunternehmen vermeiden.