Börsengang als KMU: Xlife Sciences zeigt, was mit Sparks möglich ist


Börsengang als KMU: Xlife Sciences zeigt, was mit Sparks möglich ist

Die Kotierung von Xlife Sciences war die Initialzündung für das neue, regulierte Börsensegment Sparks an SIX Swiss Exchange. Lesen Sie, wie es Oliver R. Baumann, CEO von Xlife Sciences, als Pionier ergangen ist und was KMUs von der Schweizer Börse erwarten dürfen.

Am 11. Februar kurz nach 15.00 Uhr ist der Funke das erste Mal gesprungen. Der Börsengang von Xlife Sciences an SIX Swiss Exchange war gleichbedeutend mit dem Startschuss von Sparks, dem neuen, regulierten KMU-Segment an der Schweizer Börse. «Vielleicht empfanden wir an diesem Tag darum das Scheinwerferlicht im SIX ConventionPoint als besonders hell und den Klang der traditionellen Kuhglocke der Schweizer Börse als besonders laut», erinnert sich der CEO von Xlife Sciences, Oliver R. Baumann, schmunzelnd.

Ein Börsengang macht sichtbar

Scheinwerferlicht und Glockengeläut – oder mit anderen Worten Aufmerksamkeit – ist sicher einer der Gründe, wieso sich Unternehmen überhaupt für einen Börsengang entscheiden. Oliver R. Baumann verwendet in diesem Zusammenhang gerne auch das Wort «Transparenz», etwas, dass privaten Unternehmen häufig fehle.

Ein privates Unternehmen ist Xlife Sciences schon seit Ende 2019 nicht mehr. Vor dem Wechsel an die Schweizer Börse war die Aktie im Freiverkehr der Börse München gehandelt worden. Die Sichtbarkeit sei jetzt aber noch einmal ungleich höher, sagt Oliver R. Baumann: «Gerade auf dem Schweizer Markt, wo viele unserer derzeitigen – und potenziellen – Investierenden zu Hause sind, wirkt die Kotierung an SIX Swiss Exchange sowohl als vertrauensbildende Massnahme als auch als Verstärker.» Dies sei umso wichtiger, weil das Geschäftsmodell von Xlife Sciences ein paar Besonderheiten aufweise.

CEO Oliver R. Baumann feiert die Kotierung von Xlife Sciences an SIX Swiss Exchange mit David Deck, Founder and Head Senior Advisor.

CEO Oliver R. Baumann (rechts) feiert die Kotierung von Xlife Sciences an SIX Swiss Exchange mit David Deck, Founder and Head Senior Advisor.

Wie verdient Xlife Sciences Geld?

Xlife Sciences entwickelt Forschungsprojekte der Biowissenschaft von Universitäten und anderen Einrichtungen weiter und kommerzialisiert sie typischerweise nach zwei bis drei Jahren. Das Schweizer Unternehmen sieht sich deshalb als Incubator und Accelerator und nicht als Beteiligungsgesellschaft. «Wir gründen die Projektgesellschaften selbst und führen sie aktiv, statt uns nur an Unternehmen zu beteiligen», erklärt Oliver R. Baumann. «Wir ermöglichen es, in die Frühphase von Unternehmen zu investieren. Normalerweise ist das der Private Equity Community vorbehalten, deren Investitionen zudem zwischen sieben und zehn Jahren gebunden sind.»

Darüber hinaus mache der diversifizierende Charakter des Geschäftsmodells Xlife Sciences speziell. Nur schon die unterschiedlichen Grössen und die Anzahl der Projektgesellschaften – zurzeit sind es 23 – helfe den Investierenden, das Risiko zu streuen. Dazu komme das Branchenspektrum, das sich von Technologieplattformen über BioTech und MedTech bis zur künstlichen Intelligenz für Life Science und Health Management auffächert.

SIX wollte uns nie etwas verkaufen, sondern war von Anfang an Sparringspartnerin.

Oliver R. Baumann, CEO Xlife Sciences

Was sind die Vorteile von Sparks?

Gemäss Oliver R. Baumann sei so ein Geschäftsmodell nicht zuletzt für institutionelle Anleger interessant. Und diese schätzen die Vorteile eines regulierten Marktes. Die Möglichkeit, sich in einem regulierten Börsensegment zu kotieren, war für Xlife Sciences auch der Hauptgrund für den Börsengang bei Sparks.

Die Anforderungen an die Emittenten bei Sparks sind geringer als am Hauptaktienmarkt. Jedoch unterliegen alle an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen den gleichen Reporting-Anforderungen und der gleichen regulatorischen Aufsicht. Vergleichbare europäische KMU-Märkte sind als multilaterale Handelssysteme strukturiert und dementsprechend keine regulierten Börsensegmente. «Hätte es Sparks nicht gegeben, hätten wir noch zugewartet und uns dann im Hauptsegment kotiert», stellt Oliver R. Baumann klar. Das Ziel von Xlife Sciences sei immer gewesen, eine liquide Anlagemöglichkeit zu schaffen.

Die Liquidität der gehandelten Aktien wird bei Sparks auch durch ein verkürztes Handelsfenster hochgehalten, optimiert für Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Investierende profitieren von einer verbesserten Preisfindung und Ausführung. Aktien wie die von Xlife Sciences können bei Sparks durchgehend von 15.00 bis 17.20 Uhr gehandelt werden. Dazu kommen die Schlussauktion und Trading-at-Last bis 17.40 Uhr.

Was ist Trading-at-Last?

Trading-at-Last (TAL) ist eine zusätzliche Handelsperiode für in der Schweiz an SIX Swiss Exchange kotierte Aktien. Diese beginnt nach der Schlussauktion und erlaubt den Teilnehmenden, Aktien zum offiziellen Schlusskurs der Schweizer Börse zu kaufen und zu verkaufen. Das ist für alle nützlich, die die Gelegenheit verpasst haben, erfolgreich an der Schlussauktion teilzunehmen, oder dank zusätzlicher Liquidität zum offiziellen Schlusskurs handeln möchten.

Oliver R. Baumann macht keinen Hehl daraus, dass trotz des effizienten Wegs zu Kapital durch Sparks der Aufwand gestiegen sei: «Investor Relations macht in der derzeitigen Anfangsphase – und in Zeiten globaler Krisen – etwa 50 % der Arbeit des Management-Teams aus.» Auch die Vorbereitung auf den Börsengang sei intensiv gewesen, trotz «Vorsprung» aus dem Freiverkehr. «Sie hat uns aber als Unternehmen weitergebracht und hat uns gezwungen, unser Daten- und Kommunikationsmanagement zu standardisieren.»

Whitepaper: Die Zukunft der KMU-Finanzierung

KMUs haben manchmal Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Finanzmitteln. Wie das kürzlich veröffentlichte Whitepaper «Die Zukunft der KMU-Finanzierung» darlegt, könne sich die Mittelbeschaffung aus verschiedenen Gründen als schwierig erweisen: So würden beispielsweise viele Investierende zögern, die potenziellen Risiken zu übernehmen, die mit einem Engagement in KMUs verbunden sind. Gleichzeitig würde in anderen Fällen den KMUs das Wissen über die ihnen zur Verfügung stehenden Finanzierungsmöglichkeiten fehlen. In Zukunft würden wahrscheinlich mehr KMU in der Lage sein,  von Wachstumsvorteilen zu profitieren, prognostiziert das Whitepaper. Der Grund seien der technologische Fortschritt und Programme wie Stage oder Börsensegmente wie Sparks von SIX.

SIX hat das White Paper in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen der Universität St. Gallen erstellt.

Lesen Sie das ganze Whitepaper «Die Zukunft der KMU-Finanzierung».

SIX als Sparringspartnerin beim Börsengang

Dank der Professionalität von SIX und des warmen Empfang sei trotz der Arbeit viel Raum für Vorfreude geblieben, fährt der CEO von Xlife Sciences begeistert fort. «SIX wollte uns nie etwas verkaufen, sondern war von Anfang an Sparringspartnerin, gehörte genauso zum Team wie unsere Anwältinnen und Anwälte und unsere Hausbank. Wir fanden nicht nur ein Produkt ohne jegliche Kinderkrankheiten vor, sondern ein regelrechtes Ökosystem für Start-ups und KMUs.»

Tatsächlich bietet SIX zukünftigen Emittenten E-Learnings sowie Workshops und unterhält unterstützende Programme. Dazu gehören Stage, das durch unabhängigen Research die Visibilität verbessert, und Bridge, das Emittenten mit Anlegerinnen und Anlegern zusammenbringt.

«Ich kann nur jedem Unternehmen, das Wachsen oder seine Bekanntheit steigern will, empfehlen, möglichst früh auf SIX zuzugehen und die angebotenen Tools zu nutzen. Gleichzeitig sind wir bei Xlife Sciences bereit, unsere Erfahrungen anderen KMUs und Start-ups weiterzugeben», unterstreicht Oliver R. Baumann und wirkt dabei wie ein regelrechter Botschafter von Sparks. «Wir machen das gerne, die Pionierrolle verpflichtet», sagt er begeistert.

Gut möglich, dass er bald selbst für weitere Kotierungen bei Sparks sorgen wird. Das Geschäftsmodell von Xlife Sciences ist nämlich auch bezüglich Exitszenarien diversifizierend. Denkbar ist neben dem Verkauf einer Projektgesellschaft oder einem Joint Venture und der Lizenzierung von Patenten eben auch die Kotierung an einem passenden Börsenplatz.

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