Was ist eigentlich dieses Metaverse? Und was bedeutet es für Banken?


Was ist eigentlich dieses Metaverse? Und was bedeutet es für Banken?

Spätestens seit der Namensänderung von Facebook ist der Begriff in aller Munde: das Metaverse. Was hat es damit auf sich? Was haben NFTs damit zu tun? Und was bedeutet das alles für die Banken?

Kennen Sie «Ready Player One»? Im 2011 erschienenen Science-Fiction-Bestseller von Ernest Cline ist die reale Welt verelendet. Doch die Menschheit hat einen Zufluchtsort: Die «Oasis», eine virtuelle Welt, welche die Protagonisten des Buchs mit Virtual-Reality-Brillen und haptischen Anzügen betreten. Dort verbringen die Menschen den Grossteil ihrer Zeit. Sie arbeiten, gehen zur Schule, treffen Freunde oder spielen Spiele.

Das Buch war so erfolgreich, dass es im Jahr 2018 gar von Steven Spielberg verfilmt wurde. Ernest Cline scheint mit seiner Idee einer virtuellen Parallelwelt einen Nerv getroffen zu haben. Oder hat er lediglich unsere Zukunft verschriftlicht?

Welche Unternehmen arbeiten am Metaverse?

In unserer nicht fiktiven Welt heisst diese virtuelle Welt nicht Oasis, sondern Metaverse. Dieser Begriff ist Ihnen vielleicht eher bekannt. Schliesslich hat der amerikanische Tech-Gigant Facebook im Oktober 2021 seinen Namen gewechselt. Jetzt heisst der Konzern «Meta» – und will so etwas wie eine Oasis bauen. Dafür schafft das Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre allein in Europa 10’000 Stellen und investiert Milliarden von US-Dollar in Forschung und Entwicklung.

Doch Facebook, beziehungsweise Meta, ist nicht der einzige Player bei der Erschaffung einer neuen virtuellen Welt. Auch Microsoft baut mit «Vortex» an seinem eigenen Metaverse, das Fortnite-Studio Epic Games gab ebenfalls bekannt, ein Metaverse erschaffen zu wollen – und in dezentralisierten Krypto-Games wie Sandbox oder Decentraland werden bereits heute virtuelle Grundstücke für Unsummen verkauft. Hinzu kommen weitere grosse Tech-Firmen sowie etliche Start-ups und kleinere Studios, die alle entweder ein Metaverse erschaffen wollen oder an der Technologie dafür arbeiten.

Was ist das Metaverse?

Aber nochmal von vorn: Was ist überhaupt ein Metaverse? Eine allgemeingültige Definition des Begriffs gibt es noch nicht. Die ursprüngliche Idee dafür kommt aber ebenfalls aus einem Science-Fiction-Roman. Der Begriff Metaverse wurde mit dem 1992 erschienenen Buch «Snow Crash» von Neal Stephenson erschaffen. Auch in diesem Buch gibt es neben der echten Welt eine ultrarealistische Online-Welt, das Metaverse.

Und wie stellt man sich das Metaverse in der Realität vor? Nun ja, ziemlich genau so wie in den Büchern. Mit einfachen Worten: Ein Metaverse ist ein begehbares Internet, das mit einem Avatar betreten werden kann. Meta-CEO Mark Zuckerberg beschreibt es als ein «embodied internet». User schauen sich das Internet dann nicht nur auf Bildschirmen an, sondern sie befinden sich darin – wie in einem Videospiel. Das Metaverse ist dabei nicht nur eine einzige Welt, sondern etliche verschiedene Welten, die alle parallel und in Echtzeit nebeneinander existieren. Und dank Virtual oder Augmented Reality sollen sich diese Welten irgendwann so echt anfühlen, dass sie kaum mehr von der Realität zu unterscheiden sind. Zuckerberg sagte in einem Video, das Meta zur Namensänderung veröffentlichte: «Wir werden in der Lage sein, uns präsent zu fühlen. Als wären wir mit anderen Menschen am selben Ort, egal wie weit entfernt voneinander wir tatsächlich sind.»

Was haben NFTs mit dem Metaverse zu tun?

Metaverse ist der Begriff der Stunde. Doch wer sich dazu informieren möchte, kommt um einen anderen Hype-Begriff kaum herum: NFTs. Kurz erklärt repräsentieren NFTs Echtheitszertifikate für digitale Vermögenswerte (eine lange Erklärung finden Sie hier). Wie in der realen Welt, wo die Menschen reale Dinge besitzen, werden Menschen auch in der virtuellen Welt virtuelle Dinge besitzen. Hier kommen NFTs ins Spiel.

Filtert man auf der grössten NFT-Plattform Opensea nach «Virtual Worlds» – also nach allen NFTs, die Gegenstände in einer virtuellen Welt repräsentieren, weist die Plattform bereits heute ein Volumen von mehreren Milliarden aus. Der neuste Trend: Leute kaufen sich virtuelle Immobilien – und sie geben viel Geld dafür aus. Im Dezember hat beispielsweise jemand stolze 450’000 US-Dollar hingeblättert, um im Sandbox-Metaverse der Nachbar von Rapper Snoop Dogg zu sein. Auch bekannte Fashion-Brands wie Balenciaga, Gucci, H&M, Nike und zuletzt Adidas wagen bereits erste Schritte im Metaverse und versuchen sich – meist mit NFTs – ein neues und profitables digitales Standbein aufzubauen.  

Bankfilialen im Metaverse

Und die Banken? Auch sie nähern sich allmählich an. Letzten Herbst leisteten einige südkoreanische Banken Pionierarbeit. Die Shinhan Bank aus Seoul arbeitet beispielsweise an ihrer eigenen Metaverse-Plattform. Und die KB Kookmin Bank, die grösste Bank Südkoreas, hat eine virtuelle Filiale errichtet, in der Kunden als Avatare Finanzdienstleistungen abrufen können.

Im Februar kam dann auch die amerikanische Grossbank J.P. Morgan dazu. In der virtuellen 3-D-Welt Decentraland hat J.P. Morgan ein Stück Land gekauft und die Onyx-Lounge eröffnet, in der man der Kundschaft auch in der virtuellen Welt mit Beratungen zur Seite stehen will. Gemäss dem jüngst veröffentlichten Bericht «Opportunities in the Metaverse» geht die Grossbank gar davon aus, dass in den nächsten Jahren jeder Sektor in irgendeiner Form mit dem Metaverse zu tun haben wird. Die Möglichkeiten sind laut J.P. Morgan riesig. Die jährlichen Gesamtumsätze innerhalb des Metaverse könnten auf mehr als eine Billion US-Dollar heranwachsen.

Chancen und Risiken für Banken

Sollte J.P. Morgan mit seinen Prognosen recht behalten, tun Banken gut daran, sich jetzt mit dem Metaverse auseinanderzusetzen. Digitale Filialen eröffnen den Banken eine neue Kundenschnittstelle. Aber das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die sich mit dem Voranschreiten des Metaverse ergeben würden. Wenn immer mehr Brands ihre Produkte in digitaler Form anbieten, entstehen immer mehr Transaktionen. Irgendjemand muss diese Zahlungen orchestrieren.

Zudem boomen dieser Tage digitale Grundstücke und Immobilien. Setzt sich dieser Trend weiter fort, wird auch der Bedarf an Hypotheken und Krediten immer grösser. Oder anders gesagt: Damit die Leute in der virtuellen Welt, virtuelle Gegenstände finanzieren können, brauchen sie auch jemanden, der ihnen das Geld dafür leiht. Denn bereits heute werden pro Jahr gut 54 Milliarden US-Dollar für virtuelle Güter ausgegeben. Und das, obwohl das Metaverse bislang nur in Ansätzen existiert.

Falls das Metaverse kommt – und dafür gibt es gute Gründe –, verlagert sich ein grosser Teil der Wertschöpfung in die virtuelle Welt. Traditionelle Player tun gut daran, aufmerksam zu bleiben, um im Metaverse nicht den Anschluss zu verpassen.

Wann kommt das Metaverse?

Ob das Metaverse kommt, wann es kommt und in welcher Form , das steht in den Sternen. Es gibt durchaus Gründe, die dagegen sprechen. Etwa die äusserst aufwendige Infrastruktur, Probleme mit der Nachhaltigkeit oder regulatorische Unsicherheiten. Aber es gibt auch viele Gründe, die dafür sprechen, etwa dass das Unternehmen Meta und viele andere viel Geld in die Technologie stecken. Oder dass im Silicon Valley massenhaft Talente zu Unternehmen strömen, die am Metaverse arbeiten. Oder dass der Zeitpunkt stimmt. Virtual oder Augmented Reality sind längst keine Neuheiten mehr. Die Covid-19-Pandemie hat das Bedürfnis nach virtueller Nähe trotz räumlicher Trennung stark befeuert. Und der NFT- und Krypto-Boom des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass die Welt bereit für die Blockchain-Technologie ist. Letztendlich gilt wie bei jedem Trend: Man sollte ihn kurzfristig nicht über- und langfristig nicht unterschätzen.

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