Instant Payments: Wie und ab wann geht Sofortbezahlen in der Schweiz «sofort»?


Instant Payments: Wie und ab wann geht Sofortbezahlen in der Schweiz «sofort»?

Auch wenn es sich für die Konsumentinnen und Konsumenten anders anfühlen mag, Instant Payments warten in der Schweiz noch auf ihre Einführung. Gesehen, gekauft, bezahlt – lesen Sie, ab wann das Bezahlen in der Schweiz so simultan ablaufen wird, wie dieser Dreiklang des Shoppings heute schon den Anschein macht.

Dem globalen E-Commerce sei Dank geht Konsumieren rund um die Uhr und mit dem Smartphone auch von überall. Öffnungszeiten haben keine Bedeutung im digitalen Raum: Shoppen und Streamen, alles ständig und alles sofort.

Wann kommt meine Zahlung eigentlich beim Empfänger an?

Klar müssen wir im Gegenzug auch die Rechnung für die erworbenen Produkte und Dienstleistungen begleichen. Aber wie schnell geht diese Bezahlung eigentlich vonstatten? Mental haben wir das ausgegebene Geld unmittelbar «abgebucht». In unserer Wahrnehmung gehört es jetzt schon dem Zahlungsempfänger. In Tat und Wahrheit kommt in der Schweiz der geschuldete Betrag aber zeitversetzt auf dessen Konto an. Das kann wenige Stunden nach dem Kauf der Fall sein, am nächsten Tag oder aber noch später – je nachdem, ob ich tagsüber oder in der Nacht, unter der Woche oder am Wochenende, werktags oder an einem Feiertag in Kauflaune bin.

Ermöglicht TWINT Instant Payments?

Diese Verzögerung entsteht nicht nur beim E-Commerce, sondern auch an der Kasse im Laden oder bei der Überweisung im E-Banking. Selbst bei der Schweizer Mobilbezahllösung TWINT, mit der ich Geld bis zu einer bestimmten Limite direkt an andere Nutzerinnen und Nutzer senden kann, ist die Unmittelbarkeit nur simuliert. Das Geld kommt nicht in Echtzeit bei der Bank der Zahlungsempfängerin, des Zahlungsempfängers an. Diese geht sozusagen in Vorleistung und zeigt den fraglichen Betrag im Kundenkonto vorzeitig als Guthaben an.

In der EU zum Beispiel sind im Gegensatz dazu «echte» Echtzeitüberweisungen schon Realität. Das Verfahren SEPA Instant Credit Transfer bildet seit 2017 die Grundlage für sogenannte Instant Payments in Euro.

Was sind Instant Payments?

Instant Payments werden während 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr abgewickelt. Der geschuldete Betrag landet dabei in Echtzeit auf dem Konto der Zahlungsempfängerin oder des Zahlungsempfängers und steht sofort zur Verfügung. Echtzeit bedeutet im Fall von Instant Payments wenige Sekunden. In der Schweiz werden Instant Payments ab 2024 über das von SIX im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank betriebene Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC) abgewickelt. SIC selbst verarbeitet die Transaktion sogar in 0,2 Sekunden – mehr Echtzeit geht fast nicht.

SIX ermöglicht Instant Payments ab 2024

Der heute in der Schweiz gültige Zahlungsprozess läuft sicher, effizient und – wie oben beschrieben – für die Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel unbemerkt und zu deren vollen Zufriedenheit ab. Die Verbindung zwischen den Bankkonten stellt das von SIX im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank betriebene Zahlungssystem Swiss Interbank Clearing (SIC) her. Technisch ist SIC schon seit Jahrzehnten in der Lage, Zahlungen in Echtzeit abzuwickeln. Damit jedoch Instant Payments über die gesamte Zahlungskette hinweg funktionieren, sind auch Anpassungen im Betrieb und in der Organisation der Schnittstellen zwischen den Banken und SIX notwendig.

Mit der Veröffentlichung der fünften Generation von SIC Ende 2023 legt SIX den Grundstein für Instant Payments analog zum europäischen Standard SEPA Instant Credit Transfer. Ab August 2024 müssen die grössten Schweizer Banken fähig sein, Instant Payments zu verarbeiten, bis 2026 sollen die restlichen folgen.

Vorteile von Instant Payments

Ab dem Moment, in dem die Banken ihren Kundinnen und Kunden Instant Payments anbieten, ergeben sich aus Konsumentensicht folgende Vorteile:

  • Geschäftszeiten beziehungsweise Wochenenden und Feiertage haben keinen Einfluss mehr auf den Abwicklungszeitpunkt einer Zahlung.
  • Zahlungspflichtige erhalten sofort eine Zahlungsbestätigung.
  • Zahlungsempfängerinnen und -empfängern steht das geschuldete Geld sofort zur Verfügung.
  • Keine der beiden Seiten geht ein Kreditrisiko ein.
  • Konsumentinnen und Konsumenten können Dienste (z.B. eine Ad-hoc-Versicherung) sofort nutzen, weil der Zahlungseingang beim Dienstleister unmittelbar erfolgt.
  • Im Vergleich zu TWINT sind höhere Direktüberweisungen möglich.
  • Neue Dienste und Automatisierungen werden möglich – zum Beispiel in Verbindung mit Request to Pay, einer elektronischen Zahlungsaufforderung durch den Dienstleister oder Händler.

 

Werden Instant Payments zum Standard?

Auch nach der technischen Einführung von Instant Payments im Schweizer Zahlungsverkehr wird es wohl noch eine Weile dauern, bis diese zum Standard werden. In der EU, die mit SEPA Instant Credit Transfer bereits fünf Jahre Erfahrung hat, liegt der Anteil an Echtzeitüberweisungen per Ende 2021 bei etwa 10 %. Es besteht allerdings für die Banken auch keine Verpflichtung zu Instant Payments.

Die Infrastruktur ist das eine, die Bereitschaft, diese zu nutzen, das andere. Der zukünftige Erfolg von Instant Payments hängt somit auch mit der Innovationskraft der Konsumgüter- und Dienstleistungsbranchen zusammen. Instant Payments gehen weit über Zahlungen im Mobile- und E-Banking hinaus, man denke nur an das Internet of Things: wenn der Kühlschrank dann nicht nur die fehlende Milch bestellt, sondern sie auch gleich in Echtzeit bezahlt.

Gefällt Ihnen dieser Inhalt?

0
0