Die Finanzwelt bleibt geprägt von Unsicherheit – aber das ist nichts Schlechtes

Die Finanzwelt bleibt geprägt von Unsicherheit – aber das ist nichts Schlechtes

Anfang 2026 traf sich das Führungsteam von SIX, um gemeinsam einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben. Die Diskussion machte deutlich, dass Volatilität, Fragmentierung und regulatorische Komplexität auch weiterhin ein fester Bestandteil der Finanzbranche bleiben werden. Erfahren Sie im Video, warum das den Bedarf für eine robuste integrierte Finanzmarktinfrastruktur schafft.

Anstatt das Jahr 2026 als ein Jahr der zu befürchtenden Umbrüche darzustellen, bezeichnete das Podium es als ein Jahr des selektiven Wachstums, des strukturellen Wandels und der Chancen für diejenigen, die bereit sind zu handeln.

Sehen Sie sich die gesamte Podiumsdiskussion im folgenden Video an, um mehr zu diesen Themen zu erfahren. Hören Sie sich die Meinungen derjenigen an, die die Finanzmarktinfrastruktur von 2026 mitgestalten werden.

Marktvolatilität als Wachstumsmotor, nicht als Bremse

Marktvolatilität, geopolitische Spannungen und komplexe regulatorische Rahmenbedingungen prägten das Jahr 2025 – und Bjørn Sibbern, CEO SIX, geht davon aus, dass diese Bedingungen auch 2026 bestehen bleiben werden. Die anderen Diskussionsteilnehmenden stimmten zu: Volatile Märkte treiben das Wachstum voran. Die erhöhte Unsicherheit bietet Chancen für Handelsvolumina, den Nachhandel, die Datennutzung und das Risikomanagement.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Volatilität die Kapitalbeschaffung nicht beeinträchtigt habe: Die IPO-Pipelines in der Schweiz und in Spanien seien weiterhin gut gefüllt. Dazu gehöre auch eine starke Dynamik im KMU-Segment.

Die Botschaft war eher pragmatisch als optimistisch um des Optimismus willen: Märkte brauchen keine Ruhe, um zu funktionieren – sie brauchen eine zuverlässige Infrastruktur.

Marktfragmentierung erfordert Integration

Eines der am häufigsten wiederkehrenden Themen war die Fragmentierung – über Handelsplätze, Nachhandelsinfrastruktur, Regulierung und Datenstandards hinweg. Die Marktstruktur Europas, die durch jahrzehntelange wettbewerbsorientierte Regulierung geprägt ist, hat zu Komplexität, Ineffizienz und operativen Risiken geführt.

Die Podiumsteilnehmer argumentierten überzeugend, dass es 2026 weniger um eine zunehmende Fragmentierung gehen wird, sondern vielmehr darum, wie intelligent damit umgegangen wird:

  • Konsolidierung, wo Grösse zählt
  • Interoperabilität, wo Auswahl wichtig ist
  • Europäische Lösungen, wo nationale Silos keinen Sinn mehr machen

Rafael Moral Santiago, Head Securities Services von SIX, positionierte die Integration von Handel, Clearing, Settlement und Verwahrung als Wettbewerbsvorteil und nicht nur als Effizienzsteigerung.

Hochwertige Daten werden geschäftskritisch

In einem Umfeld, das von Sanktionen, regulatorischen Unterschieden und schnelllebigen Märkten geprägt ist, hat das Vertrauen in Daten an Wichtigkeit gewonnen. Marion Leslie, Head Financial Information von SIX, betonte, dass die explosionsartige Zunahme von sanktionierten Wertschriften und regulatorischen Verpflichtungen dazu geführt hat, dass hochwertige, gut verwaltete Daten heute genauso unverzichtbar sind wie Strom oder Wasser.

Künstliche Intelligenz (KI) spielt hier eine immer wichtigere Rolle, ist jedoch kein Allheilmittel. Der wahre Wert der KI liegt in ihrer Geschwindigkeit, ihrer Skalierbarkeit und ihrer Personalisierbarkeit: frühere Verfügbarkeit von Daten, bessere Abstimmung, genauere Erkenntnisse und erhebliche Effizienzsteigerungen bei der Compliance und Überwachung. Zusammengefasst: Die Grundlagen bleiben unverändert – Genauigkeit, Vollständigkeit, Aktualität –, aber die Art und Weise, wie Daten bereitgestellt und genutzt werden, entwickelt sich rasant weiter.

Zahlungsverkehr, Betrug und der Aufstieg der intelligenten Automatisierung

Christoph Müller, Head Banking Services von SIX, geht davon aus, dass der Zahlungsverkehr im Jahr 2026 von Instant-Zahlungen, KI-gestützter Betrugsprävention und Plattformausbau geprägt sein wird. Die Diskussion machte deutlich, dass Betrug nicht mehr ein regelbasiertes Problem ist, sondern ein Wettlauf zwischen KI-Angreifern und KI-Verteidigern. Die Zusammenarbeit zwischen Banken und Infrastrukturanbietern werde dabei von entscheidender Bedeutung sein.

Über Betrug hinaus verbessere die KI-gesteuerte Automatisierung die Servicequalität und senke gleichzeitig die Kosten, vom mehrsprachigen Kundensupport bis zur Echtzeit-Transaktionsüberwachung. Gleichzeitig verfolge der Finanzplatz aufmerksam neue Zahlungsinstrumente, darunter Stablecoins und kryptobasierte Lösungen, ohne dabei die Zuverlässigkeit und das Vertrauen aus den Augen zu verlieren. 

Digitale Vermögenswerte: Vom Experiment zur Integration

Das Podium betrachtete digitale Vermögenswerte, Tokenisierung und Stablecoins nicht als Randinnovationen, sondern als strukturelle Erweiterungen der Marktinfrastruktur. Die institutionelle Akzeptanz werde sich 2026 beschleunigen, angetrieben durch Regulierung, Kundennachfrage und Effizienzsteigerungen.

Die entscheidende Veränderung sei die Integration: die Verbindung von digitalen und traditionellen Vermögenswerten vom Settlement über die Verwahrung bis zum Collateral Management. Stablecoins seien eine potenzielle Grundlage für eine rund um die Uhr verfügbare Marktinfrastruktur – mit erheblichen Auswirkungen auf Liquiditäts- und Abwicklungsmodelle.

Öffentliche und private Märkte: keine Konkurrenten, sondern Komplementäre

Obwohl private und öffentliche Märkte häufig als Konkurrenten dargestellt werden, lehnte das Podium diese Sichtweise ab. Stattdessen hat es öffentliche Märkte als natürlicher Entwicklungsschritt im Lebenszyklus eines Unternehmens positioniert, der Transparenz, Liquidität, Sichtbarkeit und Zugang zu einem breiteren Pool von Anlegerinnen und Anlegern bietet.

Tomas Kindler, Global Head Exchanges von SIX, hob die Börsenkotierungen von KMU, insbesondere in Spanien, als Beweis dafür hervor, dass öffentliche Märkte relevant und attraktiv bleiben, wenn das Wertversprechen klar kommuniziert wird. Die Förderung der Beteiligung von Privatanlegerinnen – und Anleger sowie die Vermittlung der langfristigen Wertschöpfung einer Kotierung werde im Jahr 2026 und darüber hinaus zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Die Finanzbranche in 2026

Der Ausblick auf das Jahr 2026 in der Finanzbranche lässt sich auf wenige klare Signale reduzieren:

  • Die Unsicherheit wird anhalten,
  • die Komplexität wird zunehmen,
  • die Integration wird sich beschleunigen,
  • und diejenigen, die in eine widerstandsfähige, skalierbare und kundenorientierte Infrastruktur investieren, werden gewinnen.

Anstatt auf eine Rückkehr zur Stabilität zu setzen, kam das Podium zu einem realistischeren – und überzeugenderen – Schluss: Die Branche lernt, wie sie unter permanenter Unsicherheit agieren, wachsen und innovativ sein kann.