Clearing und Settlement: Das Rückgrat moderner Finanzmärkte

Clearing und Settlement: Das Rückgrat moderner Finanzmärkte

Ein abgeschlossener Trade ist nur der Beginn eines längeren Prozesses. Mehrere grundlegende Schritte sorgen dafür, dass beide Handelsparteien genau das erhalten, was sie vereinbart haben. Erfahren Sie, wie Clearing und Settlement Vertrauen, Stabilität und Genauigkeit in den Finanzmärkten gewährleisten.

Was ist Clearing?

Clearing bezeichnet die Gesamtheit der Nachhandelsprozesse, die nach der Ausführung eines Geschäfts und vor dessen Abwicklung (Settlement) stattfinden. Nachdem sich kaufende und verkaufende Partei auf ein Geschäft geeinigt haben, muss dieses validiert, abgeglichen, auf das Risiko geprüft und garantiert werden.

Diese Aufgaben werden von einer zentralen Gegenpartei (Central Counterparty, CCP) übernommen. Eine CCP wird zum Käufer für jeden Verkäufer und zum Verkäufer für jeden Käufer und reduziert damit das Kontrahentenrisiko erheblich. Indem sie garantiert, dass jede Partei ihre Verpflichtungen erfüllt, stellt die CCP sicher, dass Geschäfte auch dann abgeschlossen werden können, wenn eine Seite ausfällt. Ein Ausfall kann verschiedene Gründe haben wie Zahlungsunfähigkeit, technische Probleme oder dass der Verkäufer die Wertpapiere nicht (mehr) besitzt.

Clearing umfasst mehrere zentrale Funktionen:

  • Prüfung und Abgleich der Geschäftsdetails
  • Zusammenführung von Geschäften durch Netting
  • Risikobewertung und Festlegung von Margin-Anforderungen
  • Geschäftsgarantie

Was ist Settlement?

Settlement ist die letzte Phase des Handelsprozesses – der Moment, in dem Wertpapiere und Geld ausgetauscht werden und die Eigentumsverhältnisse offiziell im zentralen Register aktualisiert werden.

Die zentrale Wertpapierverwahrung (Central Securities Depository, CSD) ist für die Führung des Registers der handelbaren Wertpapiere in Form von Bucheinträgen verantwortlich. Die CSD überträgt die Wertpapiere vom Konto des Verkaufenden auf das Konto des Kaufenden und stellt sicher, dass der entsprechende Geldbetrag in die entgegengesetzte Richtung fliesst.

In Europa erfolgt das Settlement derzeit nach dem T+2-Standard, das heisst zwei Geschäftstage nach dem Handelstag. Während des Settlements:

  • werden Wertpapiere auf das Konto des Kaufenden übertragen
  • wird Geld zur Abwicklung des Geschäfts überwiesen
  • erfolgen Lieferung und Zahlung gleichzeitig (Delivery versus Payment)
  • werden die endgültigen Eigentumsverhältnisse aktualisiert

Allerdings steht den europäischen Finanzmärkten ein bedeutender Wandel bevor: Ab 2027 werden die meisten Wertpapiere bereits einen Tag nach dem Handel abgewickelt.

T+1-Settlement: Ein struktureller Wandel in den europäischen Märkten

Der Übergang zu einem T+1-Settlement-Zyklus in der gesamten EU, in der Schweiz und in Grossbritannien, wirksam ab dem 11. Oktober 2027, stellt eine der bedeutendsten Veränderungen der Nachhandelsinfrastruktur im letzten Jahrzehnt dar und ist ein wichtiger Schritt zur Harmonisierung internationaler Post-Trade-Prozesse. Die Verkürzung des Abwicklungszyklus auf einen Geschäftstag erhöht die Markteffizienz, reduziert Risiken und stärkt das Vertrauen der Investierenden.

Unter T+1 müssen Unternehmen Validierungen, Abgleich, Zuteilungen und die Liquiditätsvorbereitung innerhalb eines deutlich engeren Zeitfensters abschliessen. Prozesse, die traditionell über zwei Tage verteilt waren, müssen nahezu in Echtzeit erfolgen.

Wie Clearing und Settlement zusammenwirken

Clearing und Settlement sind unterschiedliche Funktionen, deren enge Koordination jedoch entscheidend für den reibungslosen Abschluss jedes Geschäfts ist. Clearing bereitet die Transaktion vor, indem Verpflichtungen validiert, Risiken bewertet und die Erfüllung garantiert werden. Settlement schliesst den Prozess anschliessend durch die Übertragung von Wertpapieren und Geld ab.

Das Zusammenspiel dieser Prozesse schafft erheblichen Mehrwert für den Markt:

  • Risikominderung: Clearing schafft Sicherheit, bevor das Settlement beginnt, reduziert das Risiko fehlgeschlagener Lieferungen und schützt die Marktintegrität.
  • Operative Effizienz: Durch die Trennung von Handelsprüfung und endgültigem Vermögenstransfer können Märkte hohe Volumen schnell und präzise verarbeiten.
  • Marktvertrauen: Marktteilnehmer wissen, dass ein im Clearing bestätigtes Geschäft wie vereinbart abgewickelt wird. Dieses Vertrauen unterstützt Liquidität und geordnete Märkte.
  • Systemische Stabilität: Koordiniertes Clearing und Settlement helfen, Störungen einzudämmen und ihre Ausbreitung im Finanzsystem zu verhindern.

Clearing schafft die Voraussetzungen für eine sichere Übertragung – Settlement vollendet sie. Ihre Integration in den Prozess ermöglicht es den Märkten, effizient, sicher und zuverlässig zu funktionieren.

Warum Clearing und Settlement wichtig sind

Clearing und Settlement bilden das Rückgrat sicherer und effizienter Finanzmärkte. Sie gewährleisten, dass Geschäfte korrekt, fristgerecht und mit minimalem Risiko abgewickelt werden. Ohne diese Mechanismen könnten selbst einzelne Ausfälle systemweit verstärkt werden.

Ihre Bedeutung zeigt sich auch in den zusätzlichen Vorteilen:

  • Transparente und geordnete Nachhandelsprozesse: Strukturierte Prüf- und Abstimmungsprozesse verhindern Fehler und Streitigkeiten.
  • Unterstützung hoher Handelsvolumen: Moderne Märkte benötigen eine Infrastruktur, die Tausende von Transaktionen pro Tag bewältigen kann.

Clearing und Settlement sind daher grundlegend für die Integrität und die Widerstandsfähigkeit der Finanzmärkte.

Die Zukunft von Clearing und Settlement

Clearing und Settlement entwickeln sich rasant weiter, da sich die Märkte in Richtung höherer Geschwindigkeit, stärkerer Automatisierung und besser integrierter Infrastrukturen bewegen. Mehrere Entwicklungen werden die nächste Phase der Post-Trade-Services prägen:

  • Kürzere Zyklen und neue Betriebsmodelle: Der Übergang zu T+1 ist nur der erste Schritt. Bestimmte Anlageklassen könnten sich in Richtung T+0 bewegen, auch wenn eine Echtzeitabwicklung in grossem Massstab neue Liquiditätsrahmen erforderten.
  • Digitale Vermögenswerte und Tokenisierung: Distributed-Ledger-Technologien ermöglichen eine programmierbare «Delivery versus Payment» und eine effizientere Nutzung von Sicherheiten. Die Einführung hängt von regulatorischer Koordination und Interoperabilität ab.
  • Stärkere marktübergreifende Integration: CCPs und CSDs werden ihre Interoperabilität voraussichtlich vertiefen, um die Fragmentierung zu reduzieren und grenzüberschreitende Aktivitäten zu erleichtern.
  • Liquiditäts- und Cash-Lösungen der nächsten Generation: Wholesale Central Bank Digital Currencies (digitales Zentralbankgeld für den institutionellen Gebrauch) werden als Instrumente zur Vereinfachung von Settlement und Intraday-Liquidität geprüft.
  • Fortschrittlicheres Risikomanagement: CCPs werden Stresstests, Margin-Methoden und Default-Management-Instrumente weiterentwickeln, da Volatilität und Verarbeitungsgeschwindigkeit zunehmen.

Die Richtung ist klar: Post-Trade-Services bewegen sich hin zu schnelleren, stärker automatisierten und besser vernetzten Modellen, die widerstandsfähige und effiziente Finanzmärkte unterstützen.

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