Alles, was Sie über Dividenden wissen sollten

Alles, was Sie über Dividenden wissen sollten

Dividenden gehören nach wie vor zu den klassischen Wegen, wie Unternehmen ihre Aktionärinnen und Aktionäre am Erfolg beteiligen. Auch wenn sie auf den ersten Blick einfach wirken, folgt jede Ausschüttung einem klar geregelten, technisch strukturierten Ablauf. In diesem Blog beleuchten wir, was Dividenden sind und welche Vorteile sie bieten.

Was ist eine Dividende?

Eine Dividende ist der Teil des Unternehmensgewinns, den ein Unternehmen an seine Aktionärinnen und Aktionäre ausschüttet. Erwirtschaftet ein Unternehmen Gewinn, kann es diesen reinvestieren, als Reserve einbehalten oder einen Teil davon an seine Eigentümerinnen und Eigentümer weitergeben. Dividenden stellen damit eine direkte Verbindung zwischen der Ertragskraft eines Unternehmens und der Vergütung seiner Aktionärinnen und Aktionäre her.

Dividenden können in unterschiedlicher Form ausgeschüttet werden. Obwohl jede Art einem spezifischen unternehmerischen Zweck dient, benötigen sie alle eine formelle Genehmigung und müssen über die entsprechende Marktinfrastruktur abgewickelt werden.

Welche Dividendenarten gibt es?

In der Schweiz kotierte Unternehmen können verschiedene Arten von Dividenden einsetzen:

  • Ordentliche Dividenden sind Teil der regulären Aktionärsvergütungspolitik eines Unternehmens und werden an der ordentlichen Generalversammlung (GV) beschlossen, die üblicherweise zwischen März und Mai stattfindet.
  • Ausserordentliche Dividenden stehen im Zusammenhang mit einmaligen Ereignissen, etwa dem Verkauf eines Geschäftsbereichs, und werden an einer ausserordentlichen Generalversammlung auf Basis des bereits genehmigten Jahresabschlusses beschlossen.
  • Zwischendividenden ermöglichen die Ausschüttung von Gewinn aus dem laufenden Geschäftsjahr auf Basis eines geprüften Zwischenabschlusses. Sie wurden mit der Revision des Schweizer Obligationenrechts im Jahr 2023 formell ins Schweizer Recht eingeführt.
  • Wahldividenden (Optional Dividends) räumen den Aktionärinnen und Aktionären die Wahl ein, eine Bardividende, neue Aktien oder einen gleichwertigen Sachwert zu erhalten.

Jede Alternative hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Unternehmensbilanz und die Anlagestrategie der Investorinnen und Investoren.

Wie wird eine Dividende ausbezahlt?

Für die Aktionärinnen und Aktionäre ist der Erhalt einer Dividende so einfach wie eine Gutschrift auf dem Konto. Hinter dieser Einfachheit steckt jedoch eine koordinierte Abfolge von Schritten. Zunächst muss die Dividende von der Generalversammlung oder – im Fall von Zwischendividenden – vom Verwaltungsrat genehmigt werden. Das Unternehmen gibt anschliessend eine öffentliche Bekanntmachung mit allen relevanten Informationen heraus. Der Schweizer Zentralverwahrer ermittelt anhand des Record Date, welche Aktionärinnen und Aktionäre anspruchsberechtigt sind, und leitet die Zahlungen an die Teilnehmer weiter, die sie ihrerseits ihren Kundinnen und Kunden gutschreiben.

Welche Termine sind beim Dividendenzahlungsplan relevant?

Zu verstehen, wann und wie Dividenden ausgeschüttet werden, ist für Anlegerinnen und Anleger essenziell. Der Prozess folgt einer Reihe von Schlüsselterminen, die bestimmen, wer anspruchsberechtigt ist und wann die Zahlung eingeht. Nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Termine:

Ankündigungsdatum (Declaration Date):

  • Das Unternehmen gibt offiziell den Dividendenbetrag, die Zahlungsart (bar oder Aktien) sowie die relevanten Termine bekannt.
  • Dies erfolgt in der Regel nach der Genehmigung anlässlich der Generalversammlung.

Ex-Dividenden-Datum (Ex-Date):

  • Ab diesem Tag verbrieft die Aktie keinen Anspruch mehr auf die Dividende.
  • Wer die Aktie an oder nach diesem Datum kauft, erhält die Dividende nicht mehr.
  • In der Schweiz liegt das Ex-Dividenden-Datum in der Regel einen Handelstag vor dem Stichtag.

Stichtag (Record Date):

  • An diesem Tag stellt das Unternehmen fest, welche Aktionärinnen und Aktionäre anspruchsberechtigt sind.
  • Wer bei Handelsschluss des Vortages als Aktionärin oder Aktionär eingetragen ist, erhält die Zahlung.

Zahlungsdatum (Payment Date):

  • Dies ist der Tag, an dem die Dividende dem Konto gutgeschrieben wird.
  • Das Zahlungsdatum kann Tage oder Wochen nach dem Ex-Dividenden-Datum liegen.

Wie wirkt sich die Dividende auf den Aktienkurs aus?

Es ist wichtig, zu verstehen, wie der Ex-Dividenden-Tag den Kurs beeinflusst, um fundierte Anlageentscheidungen treffen zu können.

Am Tag, an dem die Aktie «ex-dividende» gehandelt wird (ohne Recht auf die Dividende), fällt ihr Kurs in der Regel ungefähr um den Dividendenbetrag. Beispiel: Notiert eine Aktie bei CHF 10.00 und schüttet CHF 0.50 Dividende aus, kann sie am Ex-Dividenden-Tag bei rund CHF 9.50 eröffnen.

Warum geschieht das? Der Dividendenwert wird abgezogen, weil die neue Käuferin oder der neue Käufer diese Zahlung nicht mehr erhält. Das ist für Anlegerinnen und Anleger wichtig: Wer kurz vor dem Ex-Dividenden-Datum kauft, erhält zwar die Dividende, muss aber mit einem entsprechenden Kursrückgang rechnen. Wer eine Dividendenrendite-Strategie verfolgt, sollte diese Kursanpassung in seiner Planung berücksichtigen.

Warum schütten Unternehmen Dividenden aus?

Dividendenzahlungen sind unternehmerische Ermessensentscheide. Unternehmen schütten aus verschiedenen Gründen Dividenden aus: Sie möchten Aktionärinnen und Aktionäre mit einer stabilen und sichtbaren Rendite vergüten, finanzielle Stärke signalisieren oder die Ansammlung übermässiger, renditeschwacher Liquidität vermeiden. Dividenden können zudem die Attraktivität eines Unternehmens am Markt steigern – insbesondere für institutionelle Anleger, die stabile Vergütungspolitiken priorisieren.

Eine gleichbleibende oder wachsende Dividende wird häufig als Zeichen des Vertrauens in die langfristigen Perspektiven und die Qualität des Managements interpretiert.

Welche Vorteile bieten Dividenden für Anlegerinnen und Anleger?

Dividenden bieten mehrere Vorteile, die besonders für Anlegerinnen und Anleger relevant sind, die planbare oder wiederkehrende Erträge anstreben. Sie ermöglichen einen regelmässigen Cashflow, der von kurzfristigen Kursbewegungen unabhängig ist, und können zur Portfoliostabilität beitragen, da dividendenzahlende Unternehmen häufig ein beständigeres Finanzverhalten aufweisen. Zudem fördern Dividenden in den Unternehmen, die sie ausschütten, eine gewisse finanzielle Disziplin und begünstigen eine umsichtige Kapitalallokation. Langfristig ist die Wiederanlage von Dividenden ein wesentlicher Treiber der Gesamtmarktrendite.

Dividenden sind jedoch nicht garantiert und können in Zeiten wirtschaftlicher Belastung oder wenn Unternehmen Liquidität schonen müssen, gekürzt oder ausgesetzt werden.

Wie werden Dividenden in der Schweiz besteuert?

Dividenden, die von Schweizer Unternehmen ausgeschüttet werden, unterliegen der Verrechnungssteuer von 35 %, die direkt an der Quelle durch die Eidgenössische Steuerverwaltung erhoben wird. In der Schweiz ansässige Anlegerinnen und Anleger können diesen Betrag über die Steuererklärung vollständig zurückfordern; anschliessend wird die Dividende als ordentliches Einkommen zum massgeblichen Bundes- und Kantonssteuersatz besteuert. Die effektive Steuerbelastung hängt daher vom Wohnsitz und von der Steuerklasse der Anlegerin bzw. des Anlegers ab.

Eine wichtige Ausnahme gilt für Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven: Sie sind von der Verrechnungssteuer befreit und für in der Schweiz ansässige Personen auch einkommenssteuerlich nicht belastet. Für kotierte Unternehmen gilt die sogenannte 50/50-Regel: Mindestens die Hälfte jeder Ausschüttung muss aus steuerbaren Reserven stammen.

Für ausländische Anlegerinnen und Anleger kann die Verrechnungssteuer von 35 % im Rahmen anwendbarer Doppelbesteuerungsabkommen reduziert werden, wobei das Ausmass der Entlastung je nach Land und Art der Aktienverwahrung variiert.

Ein fundiertes Verständnis der steuerlichen Behandlung ist zentral für die Beurteilung der Nettorendite dividendenzahlender Anlagen in der Schweiz.

Dividenden: Ein Grundpfeiler der Corporate Governance

Dividenden spielen eine grundlegende Rolle in der Beziehung zwischen Unternehmen und ihren Aktionärinnen und Aktionären. Sie dienen nicht nur als Vergütungsmechanismus, sondern auch als Signal für finanzielle Stärke, strategisches Vertrauen und das Bekenntnis zum Investorenwert.

Der regulatorische und infrastrukturelle Rahmen der Schweiz stellt sicher, dass Dividenden mit Transparenz, Sorgfalt und operativer Zuverlässigkeit genehmigt und ausgeschüttet werden. In einem Umfeld, in dem Klarheit und finanzielle Disziplin zunehmend an Bedeutung gewinnen, bleiben Entscheide im Zusammenhang mit der Dividendenpolitik ein wesentlicher Bestandteil einer soliden Corporate Governance.