Inhaltsverzeichnis
- Was ist eine Anleihe?
- Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
- Wie funktioniert eine Anleihe in der Praxis?
- Warum investieren Privatanlegende in Anleihen?
- Welche Risiken müssen Anlegende bei Anleihen beachten?
- Die wichtigsten Anleihentypen im Überblick
- Worauf sollten Sie vor einem Investment achten?
Anleihen (engl. Bonds) gehören zu den klassischen Anlageinstrumenten an den Finanzmärkten und spielen in langfristig ausgerichteten Anlagestrategien eine zentrale Rolle.
Was ist eine Anleihe?
Stellen Sie sich vor, ein Staat oder ein Unternehmen benötigt Kapital, etwa für den Bau einer Autobahn, die Errichtung eines neuen Produktionsstandorts oder die Refinanzierung bestehender Schulden. Statt einen Bankkredit aufzunehmen, kann der Emittent (also der Herausgeber) eine Anleihe am Kapitalmarkt herausgeben. Anlegende stellen ihm Kapital zur Verfügung und erhalten im Gegenzug regelmässige Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der Laufzeit.
Eine Anleihe ist also im Kern ein standardisierter Kredit:
- Anlegende leihen einem Emittenten einen bestimmten Betrag.
- Der Emittent verpflichtet sich, regelmässig Zinsen (Coupons) zu bezahlen.
- Am Ende der Laufzeit erhält der Anlegende den Nennwert (Nominalbetrag) zurück, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt.
Im Unterschied zu einem klassischen Bankkredit ist eine Anleihe in Wertpapierform verbrieft und in der Regel börsengehandelt. Das heisst: Anlegende können die Anleihe auch vor Ende der Laufzeit über die Börse kaufen oder verkaufen.
Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
Damit Sie Anleihen wirklich verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die gängigen Fachbegriffe:
1. Nennwert (Nominalwert)
Der Nennwert ist der Betrag, auf den sich die Anleihe bezieht – zum Beispiel 1000 Schweizer Franken pro Stück. Auf diesen Betrag werden die Zinsen berechnet. Am Laufzeitende wird in der Regel genau dieser Nennwert zurückgezahlt.
2. Coupon (Zinssatz)
Der Coupon ist der fest vereinbarte Zinssatz, den der Emittent pro Jahr auf den Nennwert bezahlt, etwa 2 % oder 3,5 %. Bei einem Nennwert von 1000 Schweizer Franken und einem Coupon von 3 % erhält der Anlegende pro Jahr 30 Schweizer Franken als Zinsen, beispielsweise in einer oder zwei Tranchen (jährlich oder halbjährlich) – daher auch der Begriff Fixed Income.
3. Laufzeit
Die Laufzeit gibt an, wie lange die Anleihe bis zur Endfälligkeit läuft. Sie reicht von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahrzehnten. Typische Laufzeiten für klassische Staats- und Unternehmensanleihen liegen zwischen zwei und zehn Jahren.
4. Emittent
Der Emittent ist der Herausgeber der Anleihe – zum Beispiel ein Staat, ein Kanton, eine Stadt oder eine Bank.
5. Bonität
Die Bonität (Kreditwürdigkeit) ist ein zentraler Risikotreiber einer Anleihe. Sogenannte Rating-Agenturen prüfen die Bonität und bewerten sie mit Buchstaben von AAA (höchste Sicherheit) bis D (Zahlungsausfall). Je besser das Rating, desto tiefer sind in der Regel die Zinsen.
6. Kurs (Preis)
An der Börse wird eine Anleihe in Prozent des Nennwertes gehandelt. Handelt diese bei 100 %, entspricht das ihrem Nennwert (CHF 1000 Nominalwert = CHF 1000 Kurswert). Ein Kurs von 98 % bedeutet, dass Sie die Anleihe mit einem Abschlag von 2 % unter dem Nennwert kaufen (Disagio). Ein Kurs von 105 % steht für einen Aufpreis von 5 % über dem Nennwert (Agio).
7. Rendite bis Laufzeitende (Yield to Maturity)
Die Rendite bis zur Endfälligkeit ist eine Kennzahl, die den Coupon, den aktuellen Kurs und die Restlaufzeit kombiniert. Sie zeigt, welche jährliche Rendite Investierende voraussichtlich erzielen, wenn sie die Anleihe zum aktuellen Marktpreis kaufen, bis zum Ende halten und alle Zahlungen wie geplant erfolgen. Sie weicht oft vom Coupon ab – insbesondere, wenn die Anleihe nicht genau bei 100 % gekauft wurde.
Wie funktioniert eine Anleihe in der Praxis?
Ein einfaches Beispiel macht das Prinzip greifbar:
Sie kaufen eine Unternehmensanleihe mit folgenden Eckdaten:
- Nennwert: 1000 Schweizer Franken, gekauft bei 100 %
- Coupon: 5 % p.a. (per annum)
- Laufzeit: 6 Jahre
- Rückzahlung: 100 % des Nennwertes zum Laufzeitende
Solange Sie die Anleihe halten und der Emittent nicht ausfällt, also zahlungsunfähig wird, passiert Folgendes:
- Jedes Jahr erhalten Sie 50 Schweizer Franken als Zinsen (5 % von 1000 Schweizer Franken).
- Nach 6 Jahren zahlt der Emittent Ihnen zusätzlich zum letzten Coupon den Nennwert von 1000 Schweizer Franken zurück.
Ihre Rendite setzt sich hauptsächlich aus den über die Jahre erhaltenen Couponzahlungen (Zinsen) zusammen. Die Rückzahlung des Nennwerte s am Laufzeitende ist in der Regel kein Ertrag im Sinn eines Gewinns, sondern die Rückgabe Ihres eingesetzten Kapitals. Einen zusätzlichen Einfluss auf Ihre Gesamtrendite hat der Kaufpreis: Haben Sie die Anleihe unter dem Nennwert gekauft, entsteht am Laufzeitende ein Kursgewinn – haben Sie sie über dem Nennwert gekauft, entsprechend ein Kursverlust. Abzüglich allfälliger Gebühren und Steuern ergibt sich daraus Ihre Gesamtrendite.
Wird die Anleihe an der Börse gehandelt, ist ihr Kurs nicht statisch. Wenn die Marktzinsen steigen oder fallen oder sich die Einschätzung der Bonität des Emittenten ändert, kann sich der Preis Ihrer Anleihe im Depot täglich bewegen. Sie können sie während der Laufzeit jederzeit mit Gewinn oder Verlust im Vergleich zu ihrem ursprünglichen Kaufpreis verkaufen.
Warum investieren Privatanlegende in Anleihen?
Aktien gelten als Renditetreiber im Portfolio, da sie langfristig attraktive Chancen bieten; aber ihr Kurs kann stark schwanken. Anleihen erfüllen oft eine andere Funktion: Sie sollen Stabilität und Planbarkeit bringen. Typische Gründe, warum Privatanlegende Anleihen nutzen, sind:
Planbare Erträge
Durch feste Coupons wissen Anlegende bereits zum Zeitpunkt des Kaufes, mit welchen Zinszahlungen sie, unter der Annahme der Zahlungsfähigkeit des Emittenten, rechnen können. Das erleichtert die Planung, etwa für regelmässige Ausgaben oder zur Ergänzung des Einkommens im Ruhestand.
Geringere Schwankungen als Aktien
Anleihenkurse schwanken in der Regel weniger stark als Aktienkurse. Das gilt insbesondere für kurzlaufende Anleihen von Emittenten hoher Bonität. Sie können daher helfen, die Gesamtvolatilität des Portfolios zu reduzieren.
Diversifikation
Anleihen reagieren häufig anders auf wirtschaftliche Entwicklungen als Aktien. In Schwächephasen an den Aktienmärkten können hochwertige Anleihen die Verluste im Portfolio teilweise abfedern. Aktien reagieren vor allem auf Gewinn‑ und Wachstumserwartungen, während hochwertige Anleihen stärker von Zinsen und dem Sicherheitsbedürfnis der Anlegenden beeinflusst werden. In wirtschaftlichen Abschwüngen können sinkende Zinsen und die Flucht in sichere Anlagen die Kurse hochwertiger Anleihen stützen oder sogar steigen lassen, während Aktien unter Druck geraten. Die Mischung verschiedener Anlageklassen, darunter Anleihen, ist ein Kernelement moderner Portfoliotheorie.
Liquidität
Im Gegensatz zu einem klassischen Leihgeschäft (als Gläubiger) können viele Anleihen über die Börse jederzeit gehandelt werden. Das ermöglicht den Anlegenden, bei Bedarf vorzeitig zu reagieren: Sie können verkaufen, um Liquidität zu beschaffen oder Umschichtungen im Portfolio vornehmen.
What Risks Do Investors Need to Be Aware of with Bonds?
Anleihen haben wie alle Investments aber auch Risiken, die sich an den Finanzmärkten zwar verringern, aber nie komplett eliminieren lassen. Diese Risiken müssen Anlegende kennen:
Bonitätsrisiko
Das wichtigste Risiko: Der Emittent könnte in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Im Extremfall können die Zinsen nicht mehr bedient oder der Nennwert am Ende der Laufzeit nicht vollständig zurückgezahlt werden. Je schwächer die Bonität, desto höher ist dieses Risiko – und desto höher sind typischerweise die geforderten Zinsen der Anlegenden.
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Emittenten mit Noten wie AAA, BBB oder B. Anleihen mit sehr guter Bonität werden als Investment Grade bezeichnet. Anleihen mit niedrigerer Einstufung (High Yield oder Junk Bonds) locken mit höheren Zinsen, tragen aber deutlich höhere Ausfallrisiken.
Zinsänderungsrisiko
Anleihen reagieren empfindlich auf Veränderungen des Zinsniveaus. Steigen die Marktzinsen, werden bestehende Anleihen mit niedrigerem Coupon im Vergleich weniger attraktiv – ihre Kurse fallen. Sinkt das Zinsniveau dagegen, steigen die Kurse älterer Anleihen mit höherem Coupon.
Ein Beispiel:
- Sie besitzen eine Anleihe mit 2 % Coupon.
- Die Marktzinsen für vergleichbare Neuanleihen steigen auf 4 %.
- Anlegende bekommen bei neuen Emissionen 4 %. Ihre 2-%-Anleihe wird damit weniger attraktiv, was sich in fallenden Kursen widerspiegelt – sofern Sie Ihre Anleihe an der Börse verkaufen wollen.
Besonders stark betroffen sind langlaufende Anleihen: Je länger die Restlaufzeit, desto sensibler reagiert der Kurs auf Zinsänderungen.
Inflationsrisiko
Die Coupons und der Rückzahlungsbetrag einer klassischen Anleihe sind nominal fix. Steigt die Inflation deutlich, verliert ihr Zinsertrag real an Kaufkraft. Eine Anleihe mit 2 % Coupon wirkt bei einer Inflationsrate von 1 % attraktiv – bei einer Inflation von 4 % hingegen ist die reale Rendite negativ, also minus 2 %.
Liquiditätsrisiko
Nicht jede Anleihe wird täglich in hohem Volumen gehandelt. Gerade bei kleineren Emittenten oder sehr speziellen Strukturen kann die Liquidität begrenzt sein. Zudem kann das zu grösseren Spreads, also die Differenzen zwischen An- und Verkaufskurs, führen und den raschen Ausstieg erschweren.
Wechselkursrisiko
Ist eine Anleihe in einer Fremdwährung wie beispielsweise US-Dollar ausgegeben, spielen Wechselkursschwankungen eine zusätzliche Rolle: Sinkt der Wert des Dollars gegenüber dem Franken, erhalten Sie bei der Rückzahlung weniger Geld zurück.
Die wichtigsten Anleihentypen im Überblick
Der Begriff Anleihe ist ein Oberbegriff. Für Privatanlegende ist insbesondere die Unterscheidung nach Emittenten und Art der Anleihe relevant. Dabei sind vor allem folgende Kategorien zu beachten:
Staatsanleihen
Staaten nutzen Anleihen, um ihre laufenden Ausgaben und Investitionen zu finanzieren. Anleihen wirtschaftlich und politisch stabiler Länder gelten traditionell als vergleichsweise sicher, jedoch ist die Höhe der Coupons oft moderat. In vielen Portfolios dienen Staatsanleihen als Stabilitätsanker. Doch selbst bei Staatsanleihen können politische Entscheidungen die Märkte kräftig durchrütteln.
Unternehmensanleihen (Corporate Bonds)
Unternehmen geben Anleihen aus, um Investitionen zu finanzieren, Fusionen zu stemmen oder ihre Kapitalstruktur zu optimieren. Die Spannbreite reicht von globalen Konzernen mit hoher Bonität bis zu kleineren oder finanziell schwächeren Firmen. Unternehmensanleihen bieten in der Regel höhere Coupons als Staatsanleihen – dafür müssen Anlegende ein höheres Kreditrisiko tragen.
Hochzinsanleihen (High Yield)
High-Yield-Anleihen stammen von Emittenten mit niedriger Kreditwürdigkeit. Die Coupons sind deutlich höher, um das erhöhte Ausfallrisiko zu kompensieren. Solche Anleihen können Renditetreiber im Portfolio sein, sollten aber nur als Beimischung und mit grossem Risikobewusstsein eingesetzt werden.
Besicherte Anleihen (z.B. Pfandbriefe, Covered Bonds)
Bei besicherten Anleihen dienen bestimmte Vermögenswerte, etwa Hypothekarkredite, als Sicherheiten. Diese Struktur kann zusätzlichen Schutz bieten, weshalb die Coupons häufig etwas tiefer ausfallen als bei vergleichbaren unbesicherten Anleihen desselben Emittenten.
Variabel verzinste Anleihen (Floating Rate Notes)
Bei diesen Anliehen ist die Couponzahlung nicht fix, sondern wird regelmässig an einen Referenzzinssatz angepasst. Steigen die Marktzinsen, steigen auch die Coupons und umgekehrt. Solche Strukturen können helfen, das Zinsänderungsrisiko zu begrenzen.
Nachhaltige Anleihen
Nachhaltige Anleihen verknüpfen Finanzierungen mit Klima-, Umwelt- oder sozialen Zielen durch die Bindung der Anleihebedingungen an messbare Nachhaltigkeitsziele des Emittenten.
Worauf sollten Sie vor einem Investment achten?
Worauf sollten Sie vor einem Investment achten?
Bevor Sie in Anleihen investieren, lohnt sich ein analytischer Blick auf einige zentrale Fragen:
- Ziel und Rolle im Portfolio: Suchen Sie Stabilität, laufende Erträge, Diversifikation oder bewusst höhere Renditechancen im Hochzinsbereich?
- Risikobereitschaft: Wie viel Schwankung und Ausfallrisiko sind Sie bereit zu tragen? Passen High-Yield-Anleihen oder eher erstklassige Staats- und Unternehmensanleihen zu Ihrem Profil?
- Laufzeit: Können Sie das Kapital bis zur Fälligkeit gebunden lassen, oder brauchen Sie eventuell früher Liquidität?
- Währung: Investieren Sie in Ihrer Heimatwährung oder nehmen Sie Wechselkursrisiken in Kauf?
- Steuerliche Aspekte: Wie werden Zinsen und Kursgewinne in Ihrem Wohnsitzland besteuert?
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