Ein Tag an der Börse: So läuft der Wertschriftenhandel

Ein Tag an der Börse: So läuft der Wertschriftenhandel

Für viele Privatanlegende wirkt der Börsenhandel wie ein undurchschaubares Geschehen aus hektischen Kursbewegungen und schwer verständlichen Fachbegriffen. Dieser Blog zeigt auf, dass hinter jedem Handelstag eine klare Struktur mit festgelegten Phasen, besonderen Regeln und den Ausnahmen davon steckt.

Bis in die 1990er-Jahre lief der Handel in der Schweiz und an den meisten Börsenplätzen ganz anders ab als heute. Es gab keinen durchgehenden Handelstag, sondern jede Aktie wurde einzeln aufgerufen. Händlerinnen und Händler standen im Ring oder am Parkett, schrien ihre Kauf- und Verkaufswünsche laut in den Raum hinaus, und jemand in der Mitte des Rings versuchte, einen Preis zu finden, bei dem möglichst viele Geschäfte zustande kamen. Sobald dies der Fall war, konnten Anlegende über ihre Bank eine bestimmte Aktie handeln. Danach war sie wieder «geschlossen» – bis zum nächsten Aufruf.

Erst mit der Digitalisierung, einige Jahre vor der Jahrtausendwende, änderte sich dieser Ablauf grundlegend. Heute laufen alle Handelsaufträge über elektronische Systeme. Damit entstand das, was wir heute als durchgehenden Börsentag kennen: Von morgens bis abends können Aufträge platziert, geändert und in Sekundenbruchteilen ausgeführt werden.

Der Börsentag in der Schweiz: Phasen im Überblick

Ein Handelstag an der Schweizer Börse folgt einem klaren Rhythmus. Er ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jeweils ihre eigene Funktion haben. Für Privatanlegende ist es hilfreich, diese Phasen zu kennen, um die Dynamik des Marktes besser zu verstehen.

1.     Voreröffnung: Die Vorbereitung am Morgen

Der Börsentag beginnt früh: Bereits um 6.00 Uhr morgens geht es los. Zu diesem Zeitpunkt werden alle Aufträge, die Kundinnen und Kunden über Nacht bei ihrer Bank eingegeben haben, automatisch an das Börsensystem übermittelt.

Bis zur Eröffnung können weiterhin neue Aufträge erfasst sowie bestehende geändert oder gelöscht werden. Diese Phase vor der eigentlichen Markteröffnung wird Voreröffnungsphase genannt. Sie ermöglicht es, sich frühzeitig im Markt zu positionieren.

Wichtig zu wissen: In dieser Zeit findet noch kein Handel statt. Es werden also noch keine Aktien gekauft oder verkauft und es gibt noch keine offiziellen Preise. Die Börse sammelt die Aufträge lediglich, damit diese zur Eröffnung oder im Verlauf des weiteren Börsentages ausgeführt werden können.

2.     Eröffnung: Der erste Preis des Tages

Ab 9.00 Uhr startet die Eröffnungsauktion. Hier wird für jedes Wertpapier ein Eröffnungskurs festgelegt, und zwar nach dem Meistausführungsprinzip. Das bedeutet: Es wird der Preis gesucht, bei dem die grösste Anzahl an Aufträgen ausgeführt werden kann. Das Ziel ist, möglichst viele Käufer und Verkäufer zusammenzubringen.

Die Eröffnung der einzelnen Aktien erfolgt nicht exakt um 9.00 Uhr, sondern innerhalb einer zufälligen Zeitspanne von maximal zwei Minuten – also irgendwann zwischen 9.00 und 9.02 Uhr. Diese zufällige Zeitspanne verhindert das strategische Platzieren von Aufträgen und Marktmanipulationen. Sobald der Eröffnungskurs feststeht, geht der Handel in den laufenden Handel über.

3.      Laufender Handel

Nach der Eröffnung folgt der sogenannte laufende Handel. Hier werden Aufträge fortlaufend gegeneinander ausgeführt: Sobald Kauf- und Verkaufswünsche preislich zueinanderpassen, kommt es zu einem Abschluss. Für Anlegende ist dies die aktivste Phase des Tages. Kursbewegungen spiegeln Nachrichten, Unternehmensmeldungen, makroökonomische Daten und weitere Faktoren fast in Echtzeit wider. Anlegende können Aufträge jederzeit erfassen, ändern oder löschen.

4.     Handelsschluss: Der letzte offizielle Preis

Von 17.20 bis 17.30 Uhr wird der Handel kurz unterbrochen. Anlegende können Aufträge eingeben oder ändern, es findet aber keine Ausführung statt.
Zwischen 17.30 und 17.32 Uhr wird dann erneut nach dem Meistausführungsprinzip ein Schlusskurs ermittelt. Dieser Preis hat eine besondere Bedeutung, da er oft für Fondsbewertungen, Indizes oder die Portfoliobewertung herangezogen wird.

5.     Handel zum Schlusskurs

Direkt danach beginnt Trading at Last. Bis 17.40 Uhr können Geschäfte ausschliesslich zum zuvor ermittelten Schlusskurs abgeschlossen werden, sofern passende Aufträge auf der Gegenseite vorhanden sind.

6.     Nachbörslicher Handel: Vorbereitung für den nächsten Tag

Nach 17.40 Uhr ist der Handel beendet. In dieser Phase findet kein Handel mehr statt. Alle nicht ausgeführten tagesgültigen Aufträge werden nach dem Ende von Trading at Last, also mit Beginn des nachbörslichen Handels, gelöscht. Anlegende können neue Aufträge für den nächsten Handelstag eingeben.

Ich habe Aktien gehandelt. Wann erhalte ich diese oder das Geld dafür?

Nachdem der Handel abgeschlossen ist, beginnt der sogenannte Nachhandel (Post-Trade). Dort werden die Geschäfte abgewickelt.

Der eigentliche Besitzwechsel der Aktien und die Zahlung erfolgen nicht sofort, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei Tagen, dem sogenannten T+2 (Transaction Day plus zwei Tage). Das bedeutet: Zwei Tage nach dem Handelstag erhält die kaufende Partei die Aktien und die verkaufende Partei das Geld. Dieser Prozess könnte künftig nur noch einen Tag dauern.

Der Börsentag verläuft allerdings nicht immer gleich. Es gibt Momente, in denen der reguläre Ablauf unterbrochen wird. Diese Situationen sollten Anlegende kennen.

Handelsunterbrüche: Besondere Situationen im Handelsalltag

Manchmal wird der Handel mit einer Aktie kurzfristig unterbrochen. Das geschieht in der Regel bei starken Kursbewegungen, beispielsweise nach wichtigen Unternehmens- oder Wirtschaftsnachrichten. Die Börse stoppt den Handel in solchen Fällen automatisch für kurze Zeit, um den Markt zu stabilisieren. Ein solcher Unterbruch gibt insbesondere professionellen Anlegenden die Möglichkeit, ihre Aufträge zu überprüfen. Beispielsweise darauf hin, ob es versehentlich zu einer falschen Eingabe eines grossen Auftrags gekommen ist. Ziel ist es, einen geordneten und fairen Handel sicherzustellen.

Die Dauer der Unterbrechung hängt von der Aktie ab: Bei Blue Chips beträgt sie beispielsweise 5 Minuten, bei kleineren Unternehmen 15 Minuten. Nach einer solchen Unterbrechung wird der neue Aktienkurs in einer Auktion festgelegt, bei der alle offenen Kauf- und Verkaufsaufträge berücksichtigt werden. Es kann sein, dass der Aktienkurs danach wesentlich höher oder tiefer wieder eröffnet.

Handelsunterbrüche kann es aber auch geben, wenn wichtige Unternehmensnachrichten erwartet werden, die einen grossen Kurssprung verursachen könnten. Ein solcher Handelsstopp soll sicherstellen, dass alle Marktteilnehmer gleichzeitig informiert sind und faire Bedingungen herrschen.

Spezielle Tage im Börsenjahr

  • Verfallstag: An vier Freitagen im Jahr laufen gleichzeitig viele Futures- und Optionskontrakte aus. Das führt oft zu starken Kursbewegungen.
  • Feiertage und verkürzte Handelstage: Rund um Weihnachten oder den Nationalfeiertag kann der Handel früher enden. Anlegende sollten diese Termine im Blick haben, um keine bösen Überraschungen zu erleben.
  • Handelsfreie Tage der Schweizer Börse 2026
Tag Datum Feiertag
Donnerstag 1. Januar 2026 Neujahrstag
Freitag 2. Januar 2026 Berchtoldstag
Freitag 3. April 2026 Karfreitag
Montag 6. April 2026 Ostermontag
Freitag 1. Mai 2026 Tag der Arbeit
Donnerstag 14. Mai 2026 Auffahrt
Montag 25. Mai 2026 Pfingsten
Donnerstag 24. Dezember 2026 Heiligabend
Freitag 25. Dezember 2026 Weihnachten
Donnerstag 31. Dezember 2026 Silvester